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Såmmarlappastugan
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Skitour im Tarredalen, März 1996
© Mark Harris 1997
Um Dich mit der Strecke etwas vertraut zu machen, kannst Du
hier eine Kartenskizze
des Wanderwegs "Padjelantaleden" und der Hütten
abrufen.
Wenn Du etwas Hintergrundinformation zu dieser Geschichte
möchtest, kannst Du die Einleitung
lesen.
11.März. Die Wettervorhersage kündigte stabilen
Hochdruck und -5 bis -10 °C an sowie schwachen Wind. Perfekt.
Ich nahm den Schulbus für eine 2-Stunden-Fahrt von Jokkmokk
nach Kvikkjokk, genoß das gelegentliche Auftauchen eines
Rentiers oder Elchs, wunderte mich, wie gut das Benehmen der
Schulkinder war, und amüsierte mich im Stillen über
die ländliche Postauslieferung, die so vor sich ging, daß
der Fahrer etwas langsamer fuhr, das Fenster herunterkurbelte
und einen Sack irgendwo in der Nähe eines Hauses in den
Schnee warf. Ich mietete eine Hütte (stuga in Schwedisch)
vom Kvikkjokk Turistservice, eigentlich eine Sommeranlage, aber
sie nahm auch einige Skifahrer auf, bevor später im März
die Fjällstation des STF öffnet. Es war zwar schön,
aber etwas einsam und verloren in der dunklen Winternacht, und
ich war sehr gespannt auf das, was ich vorhatte, nämlich
mit den Skiern zwei Tage fahren, einen Tag ausruhen und dann
zurückfahren.
Es mag jetzt etwas lächerlich klingen, aber damals
war es etwas beängstigend für mich. Der einzige andere
Gast in den Hütten war der Busfahrer, der darauf wartete,
die Kinder am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder in die Schule
zu fahren. Es gab auch einen kleinen Laden, der ein oder zwei
Stunden am Abend für die Last-Minute-Schokolade und meine
letzte richtige Mahlzeit aus der Dose geöffnet hatte. Die
meisten Leute kommen erst im April zum Skifahren, wenn die Tage
länger werden und die Wahrscheinlichkeit für Stürme
geringer ist, aber ich mußte bald auf einer neuen Stelle
anfangen und mußte so früh gehen. Ein Vorteil war,
daß ich viel Platz und Ruhe in dem Hüttendorf hatte,
und ich brauchte mir keine Gedanken über hohe Temperaturen
und weichen Schnee zu machen.
Beim Erwachen hatte ich ausreichend gutes Wetter, - 10
°C und bedeckt, aber wo war der Schnee ? Alles, was ich unten
am See entdecken konnte, war Eis. Es stellte sich heraus, daß
1996 ein Rekordjahr für Schnee war - es gab einen Höhenrekord
im Süden und einen Niedrigrekord im Norden. Es gab immer
noch etwa einen Meter in den Wäldern, aber nahezu gar keinen
auf freiem Gelände, und die Seen waren freigeblasen. Ich
fuhr hinunter zum See und stellte fest, daß das Eis noch
nicht einmal flach war, Strömungen und wiederholtes Auftauen
und Einfrieren hatten ein Durcheinander von Platten mit scharfen
Kanten entstehen lassen. Meine Skier hatten keine Stahlkanten,
nur eine Hickory-Verstärkung, daher rutschten meine Beine
auseinander und folgten den Regeln der Physik in irgendeine Richtung.
Das Vorankommen war quälend langsam.
Meine Handgelenke schmerzten von den korrigierenden Stößen,
meine Schultern schmerzten von den zusätzlichen 5 kg in
meinem Rucksack, und mein Kopf tat weh, weil ich versuchte herauszufinden,
warum ich hier war und warum ich die Ratschläge meiner Freunde
ignoriert hatte, zu Hause zu bleiben. Es schien unmöglich,
16 km weit bis zur Njunjesstugan zu kommen. Nach 1 ½ Stunden
Quälerei hatte ich den Wald erreicht, 3 km von Kvikkjokk.
Mit dieser Geschwindigkeit würde ich noch 6 Stunden bis
zur Hütte brauchen. Aggghhgg! Aber ich hatte noch einen
Trumpf : meine Sturheit, etwas, ohne das ich nie das Haus verlasse.
Außerdem hatte ich noch Schokolade und Kaffee, den ich
auf einem Baumstamm schlürfte, bevor ich weiterzog. Eine
Polizeipatrouille kam auf einem Skooter vorbei, sie hielten Ausschau
nach einem einsamen Skifahrer, der als verwirrt gemeldet worden
war. Ich paßte nicht zu dem Rest der Beschreibung, so fuhren
sie weiter. Es war schön zu wissen, daß sie hier unterwegs
waren.
Skifahren im Wald war ausgesprochen leicht nach dem zerfurchten
See, wenn auch etwas monoton, und es erforderte gelegentlich
Aufmerksamkeit. Der Padjelantaleden ist nämlich nicht wintermarkiert,
und ich mußte darauf vertrauen, daß ich der richtigen
Skooterspur folgte, bis ich zu dem Telefonkabel kam, das ein
einsames Telefon versorgt, mit dem man im Sommer einen Bootstransport
über den See bestellen kann.
Ich erreichte die Hütte nach 4 Stunden, und die Anstrengung
und der Pessimismus auf dem See waren vergessen. Ich sprach mit
dem Hüttenwirt, und er sagte mir, daß es leichte und
flache 6 km bis zur nächsten Hütte wären, und
so entschied ich mich, heute weiterzufahren und damit die Strecke
für morgen zu verkürzen. Flach war es tatsächlich,
da es ein weiterer See war, und zum Glück war er intakt.
Jedoch, jetzt war ein Seitenwind aufgekommen, stark genug, um
mich seitwärts zu drücken, wenn ich nicht mindestens
einen Stock auf dem Eis hatte. Ich war sehr froh, die Tarrekaisestugan
zu sehen, eigentlich 2 Hütten mit Holzschuppen und Toilettenhaus.
An der Tür des Hüttenwirts hing ein Schild, er sei
fischen, aber man sei willkommen. Ich ging zur Hütte und
traf zwei Jäger, die schon mit einem Skooter angekommen
waren, und ich fragte mich, wie diese hochgewachsenen Beutegreifer
darauf reagieren würden, die Hütte mit einem Stadtbewohner
auf Skiern zu teilen.
Vielleicht war es das, was meine Freunde gemeint hatten,
als sie mir vorhersagten, ich würde den Trip nicht überleben
? Die beiden reagierten, indem sie mir heiße Fruchtsuppe
anboten und ein paar Hausschuhe. Die Suppe schmeckte am besten.
Es schien, daß sie nur Tiere jagten ( Vögel, genauer
gesagt, Schneehühner), und sie waren sehr freundlich und
gesprächig. Als ich sie fragte, wie das Wetter wohl am nächsten
Tag werden würde, verschwand einer nach draußen. Aha,
dachte ich, ein richtiger Jäger, er hält jetzt die
Nase in den Wind, um das Wetter zu erschnüffeln. Er blieb
etwa eine halbe Stunde weg, und als er zurückkam, berichtete
er mir, es würde -5 bis -10 °C, 2-3 m/s Wind und gegen
Mittag bedeckt werden. Wow, kein Wunder, daß er solange
die Nase in den Wind halten mußte. Oder hatte er vielleicht
mit dem Mobiltelefon seine Frau angerufen, und mußte dafür
erst ein paar hundert Meter aufsteigen, um ein Signal zu empfangen
? Es war ein schöner Abend. Ich war immer noch am Leben,
und ich hatte schon mehr als die Hälfte des Weges zum Ziel
hinter mir. Wie konnten meine Freunde nur so pessimistisch sein
?
Normalerweise schlafe ich schlecht und stehe spät
auf. Ich schlief fest und wachte früh auf, ausgeruht und
glücklich. Es war ein schöner klarer, ruhiger Morgen,
und ich unterhielt mich mit dem Hüttenwirt wie der Skiveteran,
der ich ja auch war. Es war schwer, sich bei einem Blick zum
Himmel Bewölkung am Mittag vorzustellen.
Es waren leichte 12 km über den
See nach Såmmarlappastugan, immer noch über Eis,
aber nur 200 m höher als Kvikkjokk
war hier doch etwas mehr Schnee auf der Oberfläche. Ich
konnte mich etwas entspannen und nun auch die Schönheit
des Tales würdigen, mit den kilometerhohen Felswänden
im Osten. Das Tal weitet sich bei Såmmarlappa,
und die Hütte liegt in einem Wäldchen,
somit konnte man sie durchaus verfehlen, aber nicht heute. Um
die Mittagszeit war ich dort, zufrieden und
voller Selbstvertrauen, und ich entschied mich, noch einen
Tagestrip zum 4 km entfernten Padjelanta Nationalpark zu machen,
wohl weniger als eine Stunde lang. Der Park beginnt etwa, wo
das Tal die Baumgrenze überschreitet, was für mich
eine neue Erfahrung bedeutete. Ebenso die Rückkehr zur Hütte.
Ich weiß nicht, warum die Schneekruste dauernd einbrach,
aber aus irgendeinem Grund, vielleicht ein nachlassendes Gleichgewichtsgefühl
wegen Hunger und Müdigkeit, brach ein Ski dauernd ein, wodurch
ich in dem meterdicken Schnee immer wieder hinfiel.
Du wirst von der Einleitung her noch wissen, daß
ich das nicht mag. Jedes Aufrappeln dauerte 5 bis 10 Minuten
und machte mich erschöpfter, so daß ich um so schneller
das Gleichgewicht verlor, und die ganze Zeit über wurde
es fortlaufend dunkler. Mein halbvoller Rucksack hätte leichter
sein können, und er war auch nicht so stabil, weil er keine
Kompressionsriemen hatte. Ich wußte, daß ich irgendwann
zurück sein würde, aber ich wußte nicht, wie
schnell ein Hüttenwirt ein Rettungsteam rufen würde.
Nicht sehr schnell, weiß ich jetzt. Das ist nicht nachteilig
gemeint, sie wissen nur, daß die meisten Leute doch früher
oder später wieder zurückkommen oder einen sicheren
Platz zum Übernachten finden. Sie arbeiten auch nach dem
Prinzip, daß jeder für sich selbst verantwortlich
ist, ein gutes Prinzip, meine ich. Wie auch immer, ich machte
mir etwas Sorgen, ob er sich unnötige Sorgen machen würde.
Ich kam gerade nach Einbruch der Dunkelheit zurück..
Der Hüttenwirt war cool. Er hatte Såmmarlappa
gewählt, weil es so selten besucht wird, und weil er deswegen
tagelang ungestört Violine spielen konnte. Trotzdem war
ihm jeder willkommen, der den Weg hierher gefunden hatte. Ich
hatte das Gefühl, daß ich keinen Ruhetag brauchte,
und so unternahm ich am folgenden Morgen eine Tagestour zum Fierrovagge,
6 km Skifahren mit 500 m Aufstieg über die Baumgrenze. Es
war sehr vereist, ich war froh, daß
ich mir Steigfelle geliehen hatte, und ich benutzte sie aufwärts
und abwärts. Steigfelle sind toll - manchmal
notwendig, manchmal auch nur einfach gut, um die fehlenden Kenntnisse
im Skifahren und Wachsen zu kompensieren. Ein
kleiner Sturm zog gegen Mittag vorüber, und ich fühlte
mich wie Robert Scott, als ich in meinem Windsack
zu Mittag aß. Dann fiel mir wieder ein, daß er es
nicht mehr nach Hause geschafft hatte, und ich entschied, mich
stattdessen wie Walter Scott zu fühlen.
Sicher zurück in der Hütte unterhielt ich mich
wieder mit dem Wirt, und er überzeugte mich, noch nicht
umzudrehen, sondern weiter nach Tarraluoppal zu gehen, das sehr
viel schöner war als alles, was ich bisher gesehen hatte,
und nur 13 km weit, gerade hinter der Grenze zum Sarek Nationalpark.
Aber am nächsten Tag fühlte ich mich nicht gut, wohl
irgendeine Erkältung, und ich blieb in der Hütte und
überlegte mir, was eine Erkältung hier für ein
Disaster sein würde, obwohl es in Såmmarlappa ja Essen
zu kaufen gab und ich daher im Prinzip unbegrenzt lange bleiben
konnte. Aber ich hatte wohl nur zu wenig gegessen und war erschöpft,
denn ein Tag Ausruhen und Essen belebte mich wieder, und am nächsten
Morgen zog ich weiter nach Norden.
Private Skooter sind im Park nicht erlaubt, daher gibt
es nur wenige Spuren, aber die Sicht war gut und die Orientierung
einfach. Es war jedoch bewölkt und windig, und so hielt
ich nur ein schnelles Mittagessen und fuhr weiter, ohne meinen
Windsack aufzustellen oder trockene Kleider anzuziehen. Das war
ein Fehler, denn mein Schweiß kühlte mich schnell
aus, während ich rastete, und als ich weiterfuhr, war mir
zum erstenmal auf der Tour kalt. Furchtbar
kalt für etwa 20 Minuten, bis ich genügend Essen verbrannt
hatte, um meine durchschwitzten Kleider wieder anzuwärmen.
Die 4 Stunden zur Hütte zogen sich
in die Länge, und sie war unbewohnt und unter null Grad,
als ich ankam.
Es war sicher ein schöner Platz, aber ich war ganz
alleine 50 km von der nächsten Straße entfernt, mit
Proviant für 3 Tage. Was, wenn ich jetzt einer Erkältung
zum Opfer fallen würde ? Eine Lungenentzündung wäre
schon in Ordnung, denn dann konnte ich ja das Hilfe-Telefon in
der Hütte benutzen, um den Hubschrauber zu bestellen, aber
ich konnte ja nicht den Hubschrauber wegen einer Erkältung
kommen lassen. Ich fragte mich, ob ich vielleicht üben sollte,
die Symptome einer Lungenentzündung darzustellen. Meine
Gefühle schwankten zwischen Stolz, daß ich soweit
gekommen war, einem unangenehmen Gefühl der Verwundbarkeit
bis zu reinem Vergnügen, daß ich an einem
so unberührten Platz war, an dem es das erste Mal nach richtigen
Bergen aussah und nicht einfach nur nach tiefem Wald. Die Hütte
wurde gemütlich warm, und die Lackierung
meiner Skier schimmerte im Licht der Öllampe. Die gemütliche
Atmosphäre beruhigte mich schließlich, und ich konnte
das Erlebnis ohne Einschränkung genießen. Ich wollte
nicht zurückgehen. Ich betrachtete sogar die Karte, um zu
sehen, wie weit es bis Ritsem an der nächsten Straße
im Norden war. Ziemlich weit, war die Antwort (100 km), über
ausgesetztes Hochland, keine gute Idee. Vielleicht konnte ich
noch einen Tag hier bleiben, wenn es sonnig und windstill war.
Aber wenn es sonnig und windstill war, sollte ich vielleicht
doch eher die Skier anschnallen - was, wenn ein 3-Tage-Sturm
auf diesen sonnigen Tag folgen würde ? Am besten wohl doch
zurückgehen, entschied ich mich, und fiel in einen tiefen
zufriedenen Schlaf, aus dem ich am Morgen um 6 Uhr erwachte,
um festzustellen, daß die anderen Hütten nicht mehr
zu sehen waren.
Nebel. Sichtweite 30 m. Nicht gut, dachte ich, kalt und
desorientierend. Ich hatte anfangs gesagt, daß es schwer
ist, im Tarredalen verloren zu gehen. Allerdings, eine Kompaßpeilung
um ein paar Grad zu verfehlen, würde mich im unteren Tal
auf die falsche Seite des Flusses bringen, in den tiefen Schnee,
der mir schon anfangs so viel Probleme gemacht hatte. Ich würde
nicht verlorengehen, aber steckenbleiben. Ich sah mich einen
Tag in dieser Hütte sitzen und Geschichten schreiben, die
ich mit Walter Scott unterzeichnen würde. Aber um 9 Uhr
hatte der Nebel sich vom Boden gelöst, ich hoffte, daß
er sich auch im Tal schneller auflösen würde, als ich
skifahren konnte, und machte mich auf
den Weg.
Klar und sonnig mit leichtem Rückenwind, das waren
perfekte Skibedingungen bis hinunter zur
Baumgrenze. Eine Gruppe Sami fuhren mit Skootern vorbei, sie
haben spezielle Genehmigungen für den Park wegen der Rentierzucht.
Zurück in Såmmarlappa traf ich die ersten Touristen,
ein Paar Deutsche mitten in einer 100 km Schneeschuh-Tour.
Ich war dabei, meinen Zeitplan zu überziehen, und
obgleich meine Freunde sicher annehmen würden, daß
das in den Bergen vorkommen konnte, wollte ich sie gerne wissen
lassen, daß es mir gut ging. Es wird als erlaubte Nutzung
des Nottelefons angesehen, das ja auch Hilfe-Telefon heißt,
und die Polizei gibt gerne Nachrichten weiter, wenn sich damit
vielleicht eine Suchaktion vermeiden läßt. Aber ich
hatte mein Adreßbuch zu Hause gelassen in der Annahme,
ich würde es nicht gebrauchen können. Zumindest, wenn
jemand wirklich etwas wissen wollte, konnte er schnell meine
Wanderung nachvollziehen und herausfinden, wo ich war. Ein
weiterer schöner Tag, und es war die reine Freude, 19
km nach Njunjes hinunter in 4 Stunden zu fahren. Mein Mittagessen
hielt ich mit einer Gruppe Behinderter aus einem Heim, die mit
einem Scooter-Anhänger einen Tagesausflug unternommen hatten.
Dann traf ich die ersten Skifahrer auf der Tour in Gestalt dreier
Deutscher auf dem Weg nach Norden. Sie nickten mir sehr deutsch
zu.
Noch ein Tag war übrig, und ich hatte das Gefühl,
daß ich meine Ziele zu niedrig angesetzt hatte, obwohl
ich auch wußte, daß sie bei etwas schlechterem Wetter
leicht zu hochgesteckt gewesen wären. Wahrscheinlich war
es gerade die richtige Wahl gewesen. Aber ich war immer im Tal
gewesen, und da ich auch nocht einmal auf einem richtigen Berg
sein wollte, stellte ich mein Gepäck in der Stuga ab, stieg
400 m zum Råkas in weniger als einer Stunde auf, auf irrationale
Weise stolz , daß ich die Steigeisen hierzu nicht benötigte.
Es war kalt , irgendwo bei -15 °C, und windig, vielleicht
5 m/s, und ich arbeitete schwer beim Aufstieg und schwitzte einiges.
Das war der Moment, als das gefürchtete Gore-Tex-Versagen
erlebte. Da ich die Diffusionskapazität des Materials überfordert
hatte, begann mein Schweiß im Inneren der Jacke an der
Gore-Tex-Schicht zu kondensieren und zu frieren, was die Diffusionskapazität
weiter reduzierte und eine rapide Eisbildung in meiner Kleidung
bewirkte. Die Lösung war wohl, das Eis herauszuschütteln,
eine trockene Fleece-Jacke anzuziehen und den Wind das Hemd trocknen
zu lassen, unter Einsatz großer Kalorienmengen, die mein
Körper bereitstellen mußte.
Die Aussicht war spektakulär, nach Norden in das Tal
und zum Tarrekaise-Massiv, nach Osten bis Kvikkjokk, nach Westen
über Staika. In dem Wissen, daß ich in Sichtweite
der Hütte war, fuhr ich einen unvorsichtigen Slalom nach
unten und ein Stock zerbrach. Das schlimmste dabei war, daß
ich, nachdem ich den Stock wieder getaped hatte, immer wieder
den weissen Korb verlor, der dann in dem 30 cm tiefen Schnee
kaum wiederzufinden war. Ich sah Skispitzen am Abendhimmel -
Cirrus-Wolken, das Zeichen für eine Warmfront mit Schnee.
Es schien, daß mein Timing gut gewesen war. Der nächste
Morgen war düster und grau, und das Adrenalin, das mich
solange hochgehalten hatte, war verflogen. Ich war ganz zufrieden
mit der Tour, und jetzt zog ich wieder durch den monotonen Wald,
ich wollte nur noch nach Kvikkjokk und meine Erlebnisse verarbeiten.
Bis ich einen Holländer traf, der gerade 3 Wochen
im Sarek gecampt hatte, alleine in einem Sommerzelt, mit einer
Trinkflasche, die er mit einem Socken zur Thermosflasche gemacht
hatte. Winter-Camper sind verrückt, und dieser wohl doppelt.
Aber er war nett, und wir fuhren den letzten Abschnitt miteinander.
Er meinte auch, daß der Wald langweilig
war, und daß der Fluß interessanter sein würde,
insbesondere durch 3 m hohe Stufen, offenes Wasser, von
weichem Schnee abgedeckt, und ähnliches. Verrückt,
aber kompetent und eine gute Ergänzung zu meiner Erschöpfung.
Mein Adrenalin kam das erste Mal zurück, als wir Seile benutzen
mußten, um unser Gepäck einen Wasserfall herunterzuschaffen.
Und plötzlich waren wir in Kvikkjokk, wo sich das Adrenalin
wieder abbaute, und ich dachte über meinen Trip nach.
Er war fraglos ein Erfolg. Ich war immer noch am Leben,
wahrscheinlich sogar mehr als beim Start, der Anspruch war hoch
genug gewesen, so daß er eine dauernde Herausforderung
darstellte, ohne daß ich überfordert war, und das
Wetter war im allgemeinen gut gewesen, mit gerade so viel schlechtem
Wetter, daß ich ahnen konnte, wie schlecht es hätte
sein können. Es gab keinen Zweifel, daß ich wieder
eine Skitour machen würde. Was würde ich beim nächsten
Mal anders machen ? Vielleicht ein paar Hüttenschuhe mitnehmen,
auf jeden Fall Skier mit Stahlkanten , obgleich mir gesagt wurde,
daß in einem normalen Jahr der Schnee weich gewesen wäre
und ich sie nicht gebraucht hätte. Vielleicht. Andererseits
war ich sehr zufrieden mit meiner Ausrüstung und meinen
Entscheidungen. Skitouren sind großartig. Wenn Du noch
am Zögern bist, hör auf damit, und denke über
das Tarredalen nach.
(Deutsche Übersetzung Kurt Bangert )
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