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Panorama im Kailavagge

Nordkalottleden Kvikkjokk - Pieskehaure - Staloluokta
Teil II: Pieskehaure - Staddajåkkå - Staloluokta

40 km, 2 1/2 Tage

(August 1999)

Freitag, 13.8. Tagesausflug

Um acht Uhr stand ich auf. Auf keinen Fall konnten wir heute eine lange Tagesetappe gehen. Meine Beine waren wie Blei. Carolas Knie streikte, es war etwas angeschwollen, eine Folge der Tatsache, daß wir mit einigem Gewicht über einige Blockfelder geklettert waren. Eine Tagestour ohne Rucksack, das wäre vielleicht eine gute Alternative.

Sulitjelma von Pieskehaurestugan

Verführerisch nahe war bereits vom Küchenfenster aus der Sultitjelma-Gletscher zu sehen. Das Wetter war gut, und so sollte sich eine Tagestour lohnen. Allerdings, bis zum Gletscher und zurück waren es 20 km, und das war uns zu weit. Wir schätzten, daß wir mit etwa 10 km zu einem Aussichtspunkt kommen konnten, und damit mußten wir zufrieden sein. Wir suchten uns den Weg aus der Karte heraus und gingen gegen 11.30 mit leichtem Gepäck los.

Eine auf der Karte eingezeichnete Watstelle machte keine Probleme.

Lairojåkkå

Wir überquerten den wilden Lairojåkkå auf einer Brücke und folgten zunächst einem gut sichtbaren Pfad, der in einigem Abstand vom Fluß in die richtige Richtung führte. Bald verlor er sich, und auch der Gletscher war schon lange nicht mehr zu sehen, da er durch einen Höhenrücken verdeckt war. Um zu einem Aussichtspunkt zu kommen, mußten wir am Osthang des Lairo noch etwas Höhe gewinnen.

Sulitjelma-Gletscher

Nach zwei Stunden tauchte der Gletscher wieder auf. Ein kalter Wind wehte herüber. Das Panorama war beeindruckend. Das Gletschertor, so hatten die Hüttenwirte erzählt, war zusammengebrochen, und ein neues, das sich gebildet hatte, war aus dieser Perspektive nicht zu sehen, ebensowenig wie der kleine See. Doch mehr als vier Stunden wollten wir heute nicht gehen. Es war Zeit für den Rückweg.


fjällgentiana Rentiere

Als wir noch den winzigen fjällgentiana entdeckten, eine Enzianart mit kaum drei Millimeter großen Blüten, und uns außerdem eine Herde Rentiere überholte, waren wir mit dem Erlebten mehr als zufrieden. Gegen 15.30 Uhr waren wir zurück an der Hütte und bereiteten erst einmal eine Fertigtüte als Zwischenmahlzeit. Ich hatte das Gefühl, daß wir uns heute noch einmal richtig einmal richtig satt essen mußten, um wieder leistungsfähig zu werden. Zu diesem Zweck kauften wir 500 g Snabbmakkaroner ( 3min kochen) und auf Empfehlung der Hüttenwirtin eine Dose Köttbullar (Hackfleischbällchen). Nachdem wir am frühen Abend alles verspeist hatten, kam der Hüttenwirt und lud uns zum Abendessen ein. Es würde Waffeln mit Hjortronsylt (Moltebeeren - Marmelade) geben. Da konnten wir nicht ablehnen. Sie wollten sich damit auch für den Transport der Briefe bedanken. Nun, immerhin hatte die schwedische Post das ganze Porto kassiert, während wir die Briefe immerhin 41 km weit getragen hatten. Wir sagten natürlich zu, und es wurde ein wunderbarer Abend. Wir betrachteten Bücher über Pflanzen und Tiere, hörten und erzählten Geschichten, lernten viel, und es wurde wieder ziemlich spät.

Samstag, 14.8. Pieskehaure - Haddit-jåkkå

Die Energie war zurückgekehrt. Um 10 Uhr standen wir mit den Rucksäcken da, sprachen noch einmal mit den freundlichen Hüttenwirten, dann wanderten wir los. Der Weg stieg zwar etwas an, war aber sehr einfach zu gehen. Bei gutem Wetter, mit inzwischen etwas leichterem Gepäck und von dem Ruhetag gestärkt war es eine angenehme Wanderung. Ein deutsches Paar trafen wir unterwegs, sie lagen in der Sonne und ruhten sich aus. Wir begrüßten sie freundlich, immerhin hatten wir erst fünf Wanderer getroffen, seitdem wir Tarrekaise verlassen hatten. Bald danach suchten wir uns ebenfalls eine geeignete Stelle für eine Rast. Ohne große Mühe erreichten wir schon gegen 16.00 Uhr die Stelle in der Nähe der Renvaktarstuga, an der wir heute bleiben wollten. Den Haddit-jåkkå durchquerten wir noch. Gelegentlich soll er Probleme beim Waten bereiten, aber wie an allen anderen Watstellen konnten wir einfach von Stein zu Stein steigen. Eine ganze Weile suchten wir die Gegend nach einem Zeltplatz ab. Eigentlich gab es viele, doch manche waren uns zu steinig, andere waren landschaftlich nicht schön genug, oder zu tief gelegen (zu viele Mücken) oder zu hoch (zu windig). Der Hunger auf ein Abendessen meldete sich, und wir entschieden uns endlich. Nach dem Abendessen zogen wir uns in das Zelt zurück. "Close to paradise" - dieser Urlaubs-Slogan war hier absolut zutreffend. Gegen 21 Uhr schälte ich mich noch einmal aus dem Schlafsack, um den Sonnenuntergang zu bewundern.

Sonntag 15.8. Haddit-jåkkå - Staddajåkkå

Ich hatte mir vorgestellt, morgens erst dann aufzustehen, wenn die Sonne das Zelt erwärmen würde, doch daraus wurde nichts. Es hatte sich zugezogen, und bei etwa vier Grad plus saßen wir schließlich auf einem großen Stein beim Frühstück. Es dauerte heute bis gegen 11 Uhr, bis wir alles verstaut hatten. Die Hüttenwirte hatten schon berichtet, daß der Weg ab jetzt weniger gut angelegt und weniger gut markiert sein würde. Das lag daran, daß wir eine Kommune-Grenze überquert hatten, und Jokkmokks Kommun verwendete offensichtlich wesentlich weniger Mühe auf den Wegebau als Arjeplogs Kommun, das war hier sehr auffallend.

Blick vom Kailavagge nach Süden

Dennoch war es recht einfach zu gehen. Wir wanderten im Kailavagge, einem weiten Gletschertal. Hin und wieder verlor sich der Weg oder die Markierungen fehlten, was unser Vorankommen etwas verlangsamte. Voraus war strahlend blauer Himmel zu sehen.

Bei Staddajåkkå

Zum Ende des Kailavagge öffnete sich die Landschaft, und hier war es so eindrucksvoll, daß wir eine längere Rast einlegten. Am Staddajåkkå wanderten hinunter zur Hütte, die nach diesem Fluß benannt ist. Wie bei den SNV-Hütten üblich, gab es mehrere einzelne, jeweils mit einem 6 Bett-Raum. Die Hüttenwirtin hätte uns lieber zusammen mit den einzigen anderen Gästen, einem deutschen Paar, in einer Hütte untergebracht. Sie hatte die anderen Hütten schon für den Abschluß der Saison gereinigt und wollte das nicht gerne noch einmal machen. Doch wir konnten sie überzeugen, eine weitere Hütte für uns zu öffnen.

Wir waren sehr müde. Nach dem Abendessen mußte ich noch einmal mit der Kamera nach draußen, denn die Berge am Horizont wurden von der untergehenden Sonne angestrahlt. Zunächst glaubte ich, es seien die Berge des Sarek, doch eine genaue Betrachtung des Karte zeigte, daß der linke im Hintergrund die etwa 100 km entfernte Akka sein mußte. Es wurde kühl und dunkler, und da wir früh aufstehen mußten, gingen wir bald in die Schlafsäcke.

Montag, 16.8. Staddajåkkå - Staloluokta - Kvikkjokk

Wenn möglich, wollten wir heute von Staddajåkkå mit einer kombinierten Wander-, Hubschrauber- und Bustour bis Jokkmokk kommen, und es gelang uns auch. Beim Aufbruch war es nicht ganz so früh, wie wir eigentlich geplant hatten, doch wir hatten die Hütte noch perfekt gereinigt, so daß die Hüttenwirtin keine Arbeit hatte und vielleicht auch die nächsten Wanderer wieder in den Genuß einer eigenen Hütte kommen würden. Falls es knapp werden würde, konnten wir Tempo zulegen, denn der Weg war heute besonders einfach und die Strecke besonders kurz.

Blick zum Svenska Stortoppen

Ohne größere Steigungen wanderten wir im Tal entlang. Immer wieder blickten wir auf das Sulitjelma-Massiv zurück. Der markante kleine Kegel auf dem Svenska Stortoppen war meist von einer Wolke bedeckt. Etwa auf halber Strecke liegt mitten im Tal der Stalostenen, ein einzelner Felsklotz, der eine kleine Höhle enthalten soll. Stalo ist in der Sagenwelt der Sami ein dummer Riese, dem auch Staloluokta den Namen verdankt. Nach dem nächsten Anstieg sahen wir dieses Sami - Sommerdorf, das wunderschön am Virihaure gelegen ist, und waren damit fast am Ziel der Wanderung.

Eine ganze Anzahl Wanderer warteten an den Landeplätzen der Hubschrauber mit ihren Rucksäcken. Zum Glück stellten wir bald fest, daß es keine Konkurrenz um die knappen Plätze geben würde, denn einige wollten nach Ritsem, und andere hatten fertige Tickets für die Lapplandsflyg. So hatten wir Chancen, bei der Norrlandsflyg mitzukommen. In deren Büro war allerdings niemand anwesend.

Schließlich kam der Hubschrauber, der für die Norrlandsflyg unterwegs war. Wir sprachen mit dem Piloten, und er sagte zu, uns auf dem Rückweg hier abzuholen, bevor er mit seinen Passagieren nach Norden davonschwebte.

Kyrkkåta in Staloluokta

Wir schlenderten durch das Dorf und sahen uns die Kirche an, bevor wir unsere Position am Landeplatz wieder einnahmen. Noch eine halbe Stunde saßen wir geduldig neben unseren Rucksäcken, doch schließlich war es soweit: Kjell schwebte mit einem Passagier aus Ritsem herein, und wir konnten einsteigen. Der Flug über das Gebirge wirkte auf uns, als seien wir in eine völlig andere Welt versetzt. In Kvikkjokk angekommen, aßen wir im Selbstbedienungsrestaurant ein Stück Pizza und brachten den Rest der Zeit bis zur Abfahrt des Busses auf einer Bank im Freien zu. Es war eine schöne Tour gewesen, wir hatten viel Abwechslung und schöne Erlebnisse gehabt. Dennoch hoffte ich, daß unsere nächste Tour vielleicht wieder in den Sarek führen sollte.

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