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See 928 mit Sulitjelma im Hintergrund

Nordkalottleden Kvikkjokk - Pieskehaure - Staloluokta
97 km, 6 Tage
Teil I: Kvikkjokk - Tarrekaise - Pieskehaure

© Kurt Bangert und Carola Bläsing-Bangert

(August 1999)

Dienstag, 10.8. Jokkmokk - Kvikkjokk - Tarrekaise

Eigentlich hatten wir eine Sarek-Tour vorgehabt, doch gestern hatte es in Jokkmokk geregnet, und die Fünf-Tages-Vorhersage war eindeutig: "Regen" für jeden der kommenden fünf Tage. "Lots of water in the Sarek this year", so sagte man in der Tourist Info in Jokkmokk. Die Wanderer aus dem Sarek berichteten allerdings das Gegenteil, doch konnte sich das ändern.

Uns war völlig klar, daß es nur zwei Möglichkeiten gab: entweder wir würden in den Sarek gehen, dann würde es sicherlich fünf Tage regnen, oder wir würden nicht in den Sarek gehen, dann würde sich das Wetter sicherlich entgegen der Vorhersage bessern. Wir entschieden uns für das letztere, verschoben die Sarek-Tour und wählten eine Tour, die ebenfalls interessant schien, nämlich der Anfang des Nordkalottledens.

Ein Zweig dieses 800 km langen Wegs beginnt in Kvikkjokk, führt zunächst auf dem Padjelantaleden nach Tarrekaise, dann über Pieskehaure und Staddajåkkå nach Staloluokta am Padjelantaleden zurück. Von Staloluokta aus wollten wir dann den Hubschrauber nach Kvikkjokk nehmen. Wenn es schon jeden Tag regnen sollte, dann würden wir auf dieser Tour wenigstens abends in der Hütte sitzen. Einsamkeit und schöne Landschaften waren garantiert. Unsere Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt, so daß wir eigentlich nach der Tour dem Sarek nicht nachtrauern mußten. Ich tat es dennoch.

Um 9.45 Uhr fuhr der Bus nach Kvikkjokk an der Busstation in Jokkmokk ab. Im Bus trafen wir auch einige Deutsche. Die Zeit verging schnell mit Gesprächen, und gegen Mittag stiegen wir am Supermarkt von Kvikkjokk aus. Jeder strebte seinem Ziel zu. Bis zur planmäßigen Abfahrt des Bootes zum Padjelantaleden waren es noch 40 Minuten, und so gingen wir zur STF-Fjällstation, um an der dortigen Waage unsere Rucksäcke zu wiegen und uns in dem Shop umzusehen. Mein Rucksack wog 20 kg, gar nicht so schlecht bei der Menge Essen, die wir dabei hatten. Ich hätte die Kameratasche nicht dazuhängen sollen ... jetzt zeigte die Waage 24 kg.

Boot zum Padjelantaleden

Im Boot waren wir zu sechst, darunter auch Klaas und Julie aus Deutschland. Björn Sarstadt, unser Bootsführer, fuhr mit uns noch eine kleine Besichtigungstour in einen Nebenarm des Tarraätno, bevor er den Bootsanleger am Padjelantaleden ansteuerte. Wir sortierten unsere Sachen und gegen 14 Uhr wanderten wir los, schon etwas spät, aber es würde ja lange hell bleiben.

Padjelantaleden

Der Weg führte ohne größere Steigungen durch den manchmal fast dschungelartigen Birkenwald am Tarraätno entlang. Er war leicht zu gehen und trotz des Regens auch nicht besonders schlammig. Ohne größere Anstrengung erreichten wir Njunjesstugan, wo wir eine kurze Rast machten In der Hütte gab es noch Platz, doch wir wollten noch weiter nach Tarrekaise.

Für ein kurzes Stück steigt nun der Weg steil an. Auf der Karte hatte ich es glatt übersehen, weil das Wort "Njunjesstugan" darübergedruckt war. Der Weg war jetzt steinig und schweißtreibend, und es regnete leicht. Zeitweise waren die Stauden schulterhoch, es dauerte nicht lange, bis die Hosen durchnäßt waren, und auch der Schlamm wanderte von den Schuhen an der Hose nach oben. Doch es waren nur noch 3 km bis Tarrekaise, und so lohnte es sich nicht mehr, Regenkleidung anzuziehen.

Ingrid Brinkmann, stugvärd in Tarrekaisestugan, begrüßte uns sehr freundlich. Trotzdem es schon 19.30 Uhr war, waren wir die einzigen Wanderer in der Hütte, und so konnten wir es uns gemütlich machen und brauchten keine Rücksicht zu nehmen. Besonders erfreut war sie darüber, daß wir nach Pieskehaure gehen wollten, denn sie hatte drei Briefe für die Hüttenwirte dort, und sie hatte schon befürchtet, daß sich niemand mehr finden würde, der sie jetzt noch vor dem Ende der Saison dorthin bringen würde. Am Abend genossen wir die herrliche Ruhe in der Hütte.

Mittwoch 11.8, Tarrekaise-Vaimok

Ein langer Tag lag vor uns, und wir ließen uns Zeit. Um 10 Uhr machten wir uns auf den Weg. Wir folgten dem Padjelantaleden etwa 3 km bis an die Abzweigung, die zur Brücke über der Tarraätno führt. Der folgende Teil war nicht sehr gut markiert und der Verlauf nicht so gut erkennbar. Wir verpaßten eine Bachüberquerung und gerieten auf einen Elchpfad. Bald standen wir am Tarraätno, sahen die Brücke ganz in der Nähe und suchten den Weg zurück.

Auf der anderen Seite der Brücke liegt die Tarraälvshyddan, mit dem stolzen Alter von 100 Jahren eine der ältesten STF-Hütten. Danach begann der Anstieg aus dem Tarredalen über die Baumgrenze in das Hochland, mit 500 m die größte Höhendifferenz der Tour. Wir gingen ihn in gemächlichem Tempo an.

Tarraätno mit Tarrekaise von Osten

Nachdem wir das steilste Stück hinter uns hatten, legten wir die Rucksäcke ab und genossen den Blick auf das Tarredalen. Heute war der 11. August 1999, sollte da nicht auch eine Sonnenfinsternis sein ? Irgendwie waren wir schon weit weg von allem. Wegen der Reisevorbereitungen hatte ich mich nicht mehr darüber informiert, und ich wußte nicht, ob sie hier auf dem 70. Breitengrad überhaupt zu sehen war. Wir lagen auf dem Rücken im Gras und beobachten das Spiel zweier Wolkenschichten, die sich über uns ständig gegeneinander verschoben.

Sonnenfinsternis am 11.8.1999 im Kuravagge

Plötzlich öffnete sich eine Lücke, und da war sie - die Sonnenfinsternis. Eine Zeitlang verfolgten wir während der Rast, wie sich der Mond immer weiter vor die Sonne schob, doch dann mußten wir wieder aufbrechen.

Nordkalottleden bei Kurajaure

Der Weg war gut zu gehen, sogar teilweise verstegt, aber bisweilen mußten wir nun über Blockfelder steigen. Es wurde kühl und begann zu regnen. Gegen 15 Uhr erreichten wir den Windschutz Kurajaure und setzten uns für eine halbe Stunde hinein, doch das lohnte sich kaum. Hier war es eigentlich auch nicht viel wärmer als draußen im Freien, und es brachte wenig, sich hier aufzuhalten.

Etwas über neun Kilometer waren noch zu gehen, dabei regnete es leicht und immer wieder gab es Blockfelder und Gegenwind.

Weg bei Vaimokstugan

Gegen 18 Uhr lag die Vaimokstugan 2 km vor uns. Doch ein Blockfeld war noch zu überwinden. Wer auch immer den Weg markiert hatte, hier hatte er aus verständlichen Gründen aufgegeben, und es blieb jedem selbst überlassen, über welche Steine er klettern wollte. Daß die Hütte zum Greifen nahe lag, zählte hier nichts, nur die Steine zählten.

In der Hütte war es gemütlich. Wir waren wieder die einzigen Gäste, und abends saßen wir mit dem Hüttenwirt im Aufenthaltsraum und unterhielten uns. Ein Feuer vertrieb die Kälte und Feuchtigkeit, bis wir in den Schlafsack krochen.

Donnerstag, 12.8. Vaimok - Pieskehaure

Heute brauchten wir etwas länger, bis wir unsere Rucksäcke gepackt hatten, die Anstrengung des Vortages machte sich bemerkbar. Um 10.30 gingen wir an den Aufstieg, der an der Vaimokstugan beginnt. Er war etwas steiler, aber gut zu gehen. Als wir die Höhe erreicht hatten und es flacher und weniger anstrengend wurde, zogen wir unsere Jacken an. Der Weg führte fast über den Gipfel, und dort oben erwarteten uns null Grad und starker Wind, schließlich waren wir hier auch auf etwa 1100 m Höhe. Etwa eine Stunde hatte es gedauert.

Blick auf Sulitjelma vom Vaimokpakte

Der folgende Abstieg war einfach, es wurde wärmer, die Sonne schien zeitweise, und wir kamen gut voran. In der Ferne war zum ersten Mal der Sulitjelma - Gletscher zu sehen. An der kleinen Holzbrücke unten im Vaimokvagge rasteten wir. Hinter einem großen Felsklotz als Windschutz genossen wir den Sonnenschein. Hier gab es auch gute Zeltplätze.

See 928 (im Hintergrund)

Nach dem See 928, an dem andere Wanderer gezeltet hatten, gab es wieder einen Anstieg von etwa 150 m.

Sulitjelma Varvekjaure

Von der Kante des Muoranjunnje hatte man eine beeindruckende Aussicht. Der Blick auf das Sulitjelma - Massiv wurde immer besser. Wir überblickten auch das mit Varvejaure und das umgebende Tal, durch das wir an den folgenden Tagen nach Staddajåkkå wandern würden. Hier kreuzten wir auch den Sami-Pfad, der direkt nach Staddajåkkå führte. Er war ebenso mit Steinen markiert wie der unsere, die Steine trugen jedoch keine roten Farbtupfen. Eine Zeit ging es angenehm abwärts, bis wir die Watstelle bei Adamvalta erreicht hatten.

Ganz früher hatte es statt der Watstelle eine Brücke gegeben, die jedoch regelmäßig im Frühjahr zerstört worden war. Die auf der Karte eingezeichnete Watstelle war jetzt auch nicht mehr aktuell, man hatte etwas abseits des Weges eine neue markiert. Sie war zu dieser Jahreszeit sehr einfach, wir stiegen mit den Wanderschuhen einfach von Stein zu Stein. Hinter der neuen Watstelle aber endete die Wegmarkierung, und nun stolperten wir durch eine hügelige Moorlandschaft.

Pieskehaurestugan

Im Gegenlicht sahen wir die Hütten nicht weit entfernt, doch wie schon bei Vaimok zog sich das letzte Stück des Weges. Die Lichtspiele der Sonne, die ihre Strahlen durch den Regenhimmel schickte, waren faszinierend, ebenso wie der Gedanke an eine Sauna und -vielleicht- ein Bier.

Das Paar, welches die Hütte betreute, war erfreut über die neuen Gäste. Wir übergaben die Briefe. Ob wir in die Sauna gehen wollten ? Gerne.
Nun verging natürlich einiges an Zeit, bis wir gegessen hatten, und bis dann noch die Sauna angeheizt war, war es schon nach 22 Uhr. Sie war komfortabel, eine Art Gartenspritze stand da, die wir mit warmem Wasser aus dem Saunaofen füllen konnten, und nachdem wir sie unter Druck gesetzt hatten, konnten wir richtig duschen. Es war schon fast Mitternacht, bis wir ins Bett gingen. Die neun Wanderstunden, die Sauna und das Lapinkulta taten ihre Wirkung. Ich war so erschöpft, daß mir jetzt schon klar war, daß wir morgen einen Ruhetag brauchten. Glücklicherweise war Piesekehaure dafür genau der richtige Platz.

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