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Rast bei Hemavan

Familientour auf dem Kungsleden:
Hemavan - Ammarnäs
(Teil I: Hemavan - Syter)

August 1999
von Kurt Bangert und Carola Bläsing-Bangert

Wenn wir im Bekanntenkreis gelegentlich von einer reizvollen Tour berichten, heißt es nicht selten als Entgegnung "das können wir leider nicht machen, wir haben nämlich Kinder". Diesen Schluß fand ich nie sehr überzeugend, allerdings hatten wir auch nie eine Wanderung mit Kindern unternommen. Im Sommer 1999 jedoch gingen Paula (9) und Daniel (11) und deren Eltern Gisbert und Ute mit uns auf eine Kungsleden-Tour. In der Einleitung kannst Du lesen, warum wir für diese Tour die Strecke Hemavan - Ammarnäs ausgesucht hatten, welche Voraussetzungen wir hatten, und ein paar andere Dinge. Informationen zur Anreise finden sich im Index. Die Strecke kann man in einem separaten Kartenfenster verfolgen. Vielleicht kann unser Erlebnisbericht eine Anregung bieten, auch einmal eine Tour mit der ganzen Familie zu machen.

(Teil I: Hemavan - Syter)

20.8. Bus Storuman - Hemavan

Von Storuman nahmen wir den Bus nach Hemavan. An dem 80-m-Anstieg von der Straße zum Hotel hätten wir erstmals die Rucksäcke unter echten Wanderbedingungen ausprobieren können, doch der Fahrer hatte Waren für das Hotel geladen und fuhr uns bis zur Eingangstür. So fiel dieser letzte Test aus. Wir brachten unser Gepäck auf die Zimmer und besuchten den Fjällträgarden, einen botanischen Garten, der auf die Pflanzenwelt des Nordens spezialisiert ist. Am späten Nachmittag erledigten wir die letzten Einkäufe im Ort. Wir genossen noch eine Sauna und ein Abendessen im Restaurant, dann waren wir recht müde und gingen ins Bett.

21.8. Hemavan - Viterskalstugan

Paula hatte an diesem Tag Geburtstag, sie wurde 9 Jahre alt. Es gab einige Geschenke, die alle recht leicht und klein waren, denn seit gestern mußten wir ja alles tragen, was wir bei uns hatten. Nach dem Frühstück packten wir gerade die letzten Sachen in den Rucksack, da landete ein Hubschrauber vor unserem Fenster, um eine Gruppe vom Hotel in ein Fischcamp zu fliegen. Paula, Daniel und ich mußten nach draußen, um es aus der Nähe anzusehen. Gegen 10 Uhr war es dann soweit.

 Kungsleden Portal

Am Portal des Kungsleden gab es erst einmal das obligatorische Gruppenbild. Nachdem wir das Tor durchschritten hatten, führte der Kungsleden gemächlich durch den Wald bergan. Das Wetter war wechselhaft, mal schien die Sonne, dann wieder regnete es.

 Anstieg bei Hemavan

Nach etwa einer Stunde waren wir bereits über der Baumgrenze. Wir machten eine Pause, um Blaubeeren zu sammeln, allerdings war das nicht so ergiebig, denn es waren wohl schon andere vor uns da. Wir überschritten den höchsten Punkt und wanderten am Hang entlang. Der Winterweg führt hier ein ganzes Stück unterhalb des Sommerweges entlang.

  
Unterwegs nach Viterskalstugan

Bald öffnete sich das Tal, an dessen Ende in etwa 4 km Entfernung Viterskalstugan liegt. Daniel legte etwas Tempo zu, und Paula folgte. Da das Gelände übersichtlich war, war es kein Problem, daß die beiden alleine bis zur Brücke vorangingen. Diese hier mußten wir nicht überqueren, aber Brücken sind immer interessant. Nach einer Pause setzten wir unseren Weg fort, und Daniel ging wieder voraus. Ich blieb bei ihm, denn ich wollte zeitig an der Hütte sein, um vielleicht noch einen guten Schlafplatz zu bekommen.

Gegen zwei Uhr waren wir an der Hütte und begrüßten Karl-Göran, den stugvärd, den wir schon vom Winter her kannten. Er freute sich über die Bilder, die ich ihm von unserer letzten Tour mitgebracht hatte. Die Hütte war schon recht voll, aber es gab noch sechs zusammenhängende Betten in dem Zehn-Bett - Raum. Es herrschte ein reges Treiben, denn auch viele Tagesbesucher rasteten hier.

Die anderen kamen etwa eine Viertelstunde nach uns, wir packten unsere Sachen auf die Betten und legten uns für eine Weile hin. Dann war es Zeit, die Globetrotter-Versand - Tüten mit Kaiserschmarrn zu öffnen (nur Wasser zugeben und umrühren), und ich stellte fest, daß sie sich tatsächlich recht einfach zubereiten ließen. Ich rührte die gesammelten Blaubeeren noch in die Mischung. Ein Aluminiumdeckel, den wir mit Moos und neun Kerzen schmückten, ersetzte die Geburtstagstorte. Ich glaube, auch Paula gefiel die Geburtstagsfeier. Karl-Göran schenkte Paula drei Rentiergeweihe, die zum Glück recht handlich waren, denn wir mußten sie ja auch tragen.

  
Paulas Geburtstag

Nach der Kaffepause machten wir einen Rundgang um die Hütte. Schneefelder, der Fluß, Rentiere, Steine, hier gab es viel Interessantes zu sehen. Paula meinte, daß das der erste Geburtstag war, an dem sie eine Schneeballschlacht machen konnte, und Daniel fragte, ob es nicht möglich wäre, an jeder Hütte ein paar Tage zu bleiben, bis man alles erkundet hatte.

Das Syterskalet, das wir im Winter wegen schlechter Sicht nicht überblicken konnten, zeigte heute seine Schönheit in der Abendsonne.

     
Schneeballschlacht, Syterskalet

Am Nachmittag kamen ständig mehr Wanderer, aber die Hütte war inzwischen voll belegt, und nach einer Pause entschlossen sich die Neuankömmlinge immer, jeweils nach Syter oder Hemavan weiterzugehen. Daß so viele hier unterwegs waren, lag wohl auch daran, daß Samstag war. Die einen hatten die Tour so wie wir in Hemavan begonnen, für die anderen war Viterskalstugan die letzte Station auf dem Heimweg. Gegen Abend trafen noch zwei durchnäßte Wissenschaftler ein, die für die Universität Umeå Forschungen am Gletscher durchführten. Sie behängten die Gegend um den Ofen mit nasser Kleidung und Ausrüstung und bekamen ein Bett auf dem Fußboden der Küche.

Daß es in all dem Trubel, den man sich leicht vorstellen kann, trotzdem sehr ruhig und geregelt zuging, lag zu einem großen Teil an Karl-Göran, dem stugvärd. Er sprach mit jedem, regelte alle Probleme zur Zufriedenheit aller, und er schaffte es, eine familiäre Atmosphäre herzustellen, in der man sich wohl fühlen mußte, obgleich es in der 16-Bett-Hütte mit 18 Bewohnern recht eng war.

Gegen 19 Uhr gab es bei uns Abendessen. Wir zündeten die Kerzen auf dem Teller wieder an. Als Vorspeise servierten wir Tunnbröd mit Butter und Räucherlachs, dann als Hauptgericht Nudeln mit Tomatensoße. Dazu paßte eine Tüte italienischer Rotwein aus dem Systembolaget. Mein Rucksack war nun schon um einiges leichter. Ich war ganz zufrieden damit, daß der erste Tag so glatt gelaufen war. In der Nacht schlief ich allerdings so schlecht, wie ich immer in Zehn-Bett - Räumen schlafe. In meiner Ausrüstungsliste "Hüttentour" hatte ich die Ohrenstopfen vergessen.

22.8. Viterskalstugan - Syterstugan

Gegen 4 Uhr setzte etwas Wind ein. Um 7.30 Uhr weckte mich Carola, und wir standen auf. Die Gletscher-Forscher, die auf dem Fußboden in der Küche geschlafen hatten, waren schon eine Weile vorher aufgestanden, hatten gefrühstückt und die Kleider, die sie am Ofen zum Trocknen aufgehängt hatten, bereits weggeräumt. Es gab wieder Platz in der Küche, und wir breiteten uns an einem der Tische aus. Ich begann mit meiner an zahllosen Wandertagen erprobten Frühstücks-Routine und bereitete Kaffee, Trinkschokolade und die Müsli-Fruktsoppa-Mischung vor. Zusammen mit heißem Wasser wurde daraus schnell ein Frühstück für 6 Personen. Mit gemischten Gefühlen betrachtete ich das Viterskalet, wo die Schneegrenze in der Nacht fast bis zu uns heruntergegangen war.

  Unsere Gruppe mit Karl-Göran

Schon um 9 Uhr war alles verpackt. Noch ein Gruppenfoto mit Karl-Göran, und dann wanderten wir los.

  An der Schneegrenze

Der Wind trieb Schneeregen durch das Tal. Wir hatten Glück, denn in dem breiten Tal blieb das schlechte Wetter auf der anderen Talseite, während auf unserer Seite sogar manchmal die Sonne schien.

Nach mehreren kurzen Pausen erreichten wir eineinhalb Stunden später das Ende des Tals. An der Renvaktarstuga suchten wir uns einen windgeschützten Platz für eine Mittagsrast. Von hier führte der Weg nach einem kleinen Abstieg zu einer Verzweigung, danach in einem Anstieg von 200 m auf eine Anhöhe und dann hinunter nach Syter.


Unterwegs nach Syterstugan

Schon am Ende des Anstiegs legten Paula und Daniel Tempo zu, und beim Abstieg waren sie nicht mehr zu halten. Ich folgte mit etwas Abstand und holte sie an der Hütte wieder ein. Es war gerade noch eines der Vierbettzimmer frei, das wir für die Familie Breitbach belegten. Carola und ich gingen in das Zehn-Bett - Zimmer.

Auch Syterstugan war abends voll belegt. Mit drei Vier-Bett - Zimmern und einem Zehn-Bett - Zimmer war die Hütte etwas größer als Viterskalstugan, und es gab insgesamt mehr Platz. Ich verbrachte einen Teil meiner Zeit damit, um die Hütter herum die Stellen aufzusuchen, die ich im Winter fotografiert hatte, und sie zu vergleichen. Doch inzwischen regnete es, und alles sah recht trübe aus. Ich sägte etwas Holz. Daniel und Paula spielten am Fluß, der so wild war, daß man sie dort nicht ohne Aufsicht lassen konnte. So mußte jemand von den Erwachsenen dabeibleiben, was im im Nieselregen nicht sehr gemütlich war. Schließlich zogen wir uns in die Hütte zurück.

Sebastian, einen siebenjährigen Schweden, der mit Vater und Großvater unterwegs war, hatten wir schon am Vortag getroffen. Er war ein leidenschaftlicher Würfelspieler und auf der Suche nach Mitspielern. Mein Schwedisch war so gut, daß ich verstehen konnte, daß er seinen Vater bat, die "Tyska" fragen zu dürfen, ob sie nicht mitspielen wollten. Es dauerte nicht lange, bis die Kinder und ein Teil der Erwachsenen an einem Tisch beisammensaßen und würfelten. Sprachprobleme gab es keine, denn alle konnten genügend Englisch.

Das Spiel hieß Superjazzi, und mich begeisterte das Zusehen mehr, als es selber zu spielen. Die Kinder hatten viel Spaß, und als es dunkel und schon spät war, saß immer noch die ganze Runde in der Küche und würfelte.

  Abends in Syterstugan

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