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Im Panoramawagen
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STOCKHOLM-KIRUNA
Eine Fahrt mit dem Nachtzug
(August 2001)
© Kurt Bangert und Carola Bläsing-Bangert
Seit Jahren hatten wir geplant, einmal mit dem Nachtzug von
Stockholm nach Kiruna zu fahren. Im Jahr 2000 wurde die Strecke
von der staatlichen schwedischen Eisenbahn an die private Tågkompaniet
verkauft. Da eine Anfrage meines Reisebüros bei DER-Tour
ergeben hatte, dass sie uns bei der Reservierung nicht weiterhelfen
konnten, musste ich mich selbst darum kümmern. Ich mußte
es mehrmals bei der Telefonnummer der Tågkompaniet versuchen,
die im Internet angegeben war, denn eine Zeitlang war ständig
besetzt, aber dann hatte ich jemand am Telefon und konnte unsere
Plätze reservieren. Wir bekamen eine Rechnung zugeschickt,
mußten den Betrag überweisen, und wenige Tage später
hatten wir die Fahrkarten in unserer Post. Es ging reibungslos
und überraschend schnell. So stand unserer Reise nichts
mehr im Wege. Hier ist unser Bericht:
Die Anreise von Frankfurt nach Stockholm
war etwas umständlich gewesen, weil das Flugzeug der SAS
sich leider als defekt herausstellte. Ersatz gab es nicht. Schließlich
konnten wir umgebucht werden auf einen Lufthansa-Flug, doch hatten
wir jetzt die Stunden, die wir eigentlich in der Innenstadt von
Stockholm verbringen wollten, schon am Frankfurter Flughafen
aufgebraucht. Wir blieben dennoch bei unserem Plan und fuhren
mit dem Arlanda-Express vom Flughafen nach Stockholm Centralen.
Etwas Zeit blieb uns noch für ein paar Besorgungen, dann
fuhr der Zug der Tågkompaniet ein. Schon eine halbe Stunde
vor der Abfahrt schafften wir unser Gepäck ins kupe
und stellten fest, dass man dieses abschließen und mit
einer Lochkarte öffnen konnte, so dass wir nicht mehr auf
unsere Sachen achten mussten.
In
Stockholm
So konnten wir uns am Bahnsteig in Ruhe auf eine Bank setzen
und die letzten warmen Strahlen der Abendsonne genießen.
Der Urlaub hatte begonnen.
Der Panoramawagen, der auch gleichzeitig das Restaurant
war, öffnete erst zur Abfahrt. Wir hatten uns schon lange
darauf gefreut, an einem der Aussichtsfenster zu sitzen, die
Landschaft vorbeiziehen zu lassen, und uns endgültig vom
Alltagsstreß zu verabschieden, und so waren wir unter den
ersten, die sich im Panoramawagen einfanden. Die Panoramawagen
der Tågkompaniet haben eine lange Geschichte hinter sich.
In den fünfziger Jahren von Wegmann in Kassel für den
Rheingold-Express gebaut, waren sie später in die Schweiz
verkauft worden, bevor sie nun hier ihren Dienst taten.
Ein Renskav und ein Norrlands
Guld Klass III für SEK 65, da konnte man sich über
den Preis nicht beklagen. Nach meiner Erfahrung hätte es
in der Deutschen Bahn mindestens das Dreifache gekostet, würde
es dort Renskav geben. Wir genossen das Abendessen, während
es draußen immer dunkler wurde. Der Andrang auf die Restaurantplätze
war heute nicht so groß, und so konnten wir uns Zeit lassen
und nach dem Essen noch ein Bier trinken.
Im Panoramawagen bei Nacht
Schließlich machte sich die Müdigkeit
bemerkbar. Der Streß des abgesagten Fluges und das Hin
und Her bei der Umbuchung hatten uns etwas zugesetzt.
Wir zogen uns in unser Kupe zurück. Es war klein,
aber zweckmäßig eingerichtet und hatte auch ein Waschbecken.
Im Schlafwagen
Im Kupe
Eigentlich hatte ich noch etwas lesen
wollen, doch schlief ich schon recht bald ein. Das ging sehr
gut, das leichte und gelegentlich etwas stärkere Ruckeln
störte kaum. Eher war es so, daß man in der Nacht
aufwachte, wenn der Zug einmal für eine Weile stand und
sich nicht bewegte. Um sieben Uhr war es längst wieder hell,
und so standen wir auf und machten uns am Waschbecken etwas frisch.
Auf eine Dusche verzichteten wir, in ein paar Stunden würden
wir sowieso in der Hotelsauna sitzen, und begaben uns zum Frühstück.
Frühstück 
Bar und Verkauf
Gegen halb acht standen wir wieder an
der Theke des Panoramawagens, der bereits um 6.30 Uhr geöffnet
hatte. Zur Zeit war noch alles leer, und wir ließen uns
mit Frühstück und Kaffee wieder am Fenster nieder.
Wir waren wohl recht früh aufgestanden, denn die Sitzplätze
füllten sich erst nach und nach. Wir ließen uns Zeit,
holten nach dem Frühstück noch einen weiteren Kaffee.
Zwar regnete es draußen, doch hier drinnen war es gemütlich.
Unterwegs
nach Norden
In Boden biegt der Zug nach Luleå ab, und das bedeutet,
daß alle Reisenden nach Kiruna und Narvik hier in den Anschlußzug
Luleå - Narvik umsteigen müssen, der auf dem gleichen
Bahnsteig wartete. Das waren die meisten, und nahezu jeder hatte
große Mengen Gepäck dabei, so daß es einige
Hektik gab. Der neue Zug war gut besetzt, und so war es auch
nicht ganz einfach, alle Gepäckstücke unterzubringen.
Irgendwie mußte es gehen, und dann brachten wir noch drei
weitere Stunden zwischen Boden und Kiruna in einem bequemen Sessel
zu. Insgesamt 17 Stunden und 5 Minuten brauchte der Zug für
die 1374 km (1543 km bis Narvik). Ich fand, daß sich die
Fahrt gelohnt hatte. Es gibt wenig Spektakuläres auf der
Strecke zu sehen, doch die Weite der Landschaft und die Atmosphäre
einer langen Bahnreise in Skandinaviens Norden sind beeindruckend.
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