Zurück


Anstieg zur Lappjordshytta

E10-Kreuzung - Lappjordshytta
11 km, 1/2 Tag (und zurück nach Björkliden)

(1997)

Eine Kartenskizze findet sich in einem separaten Fenster.

Dieses Bild vom Gipfel des Njulla bei Abisko entspricht etwa der oberen Hälfte der Karte. Es zeigt hervorragendes Wetter, leider nicht während unserer Wanderung, sondern ein paar Tage danach.

 Blick vom Njulja

Um einen Schlüssel für die verschlossenen norwegischen Hütten zu bekommen, gingen wir vor der Wanderung noch in den Shop in der Abisko Turiststation. Mit unseren STF-Mitgliedskarten war es ganz einfach, und ich denke, daß 70 SEK auch nicht sehr teuer waren. Wir würden einen Teil zurückbekommen, wenn wir den Schlüssel wieder abliefern würden.

Wir waren nicht ganz sicher, ob wir Propangas brauchen würden, um es in den Hütten an den Kocher anzuschließen (wie in einem deutschen Buch empfohlen wurde), aber nach einer Weile tauchte ein Experte auf, der uns versicherte, daß die norwegischen Hütten mit Gas ausgestattet waren. Das Boot Abisko - Pålnostugan verkehrte nicht, denn außer Carola und mir wollte niemand dorthin. Zwei Bedingungen müssen für eine Bootsfahrt erfüllt sein: nur schwacher Wind auf dem Torneträsk und ausreichend Nachfrage von Wanderern. Beides gleichzeitig war auch im Vorjahr selten gewesen, so wurde uns gesagt. O.k, schließlich waren wir ja Wanderer, und so würden wir eben den ganzen Weg nach Lappjordshytta wandern (müssen) .

 An der E10

Peter hatte uns tagsüber einige interessante Stellen am Rallarvägen gezeigt, und schließlich brachte er uns zu der Stelle an der E10, an der der Nordkalottleden die Straße kreuzt. Es war schon 15.30 Uhr, als wir die Wanderung begannen, vielleicht etwas spät, aber es würde ja nicht richtig dunkel werden.

 Blockfelder

Vor der Eiszeit war der Torneträsk ein Fjord gewesen mit Verbindung zum Atlantik. Später, als das Eis geschmolzen war, verringerte sich der Druck, der Wasserspiegel hob sich und das Ende des Sees wurde mit Trümmern von den Gletschern aufgefüllt. Eine interessante Geschichte aus der Wissenschaft, aber leider mußten wir genau durch diese Felstrümmer wandern, und das war schweißtreibende Realität, wenn auch einige kurze Strecken verstegt waren.

 Bei Pålnostugan

Auf manchen Strecken war der Trail recht einfach, aber manchmal hatte ein böswilliger Riese kleinere und größere Felsen verstreut, um das Wandern zu erschweren. Kleinere Schneefelder machten es nicht viel einfacher, sie erforderten Vorsicht beim Gehen. Wir brauchten bis gegen 19 Uhr, um Pålnostugan an einer Bucht des Torneträsk zu erreichen. Die Hütte war leer, keine Kochgeräte vorhanden, nur 6 Betten, ein Tisch und Stühle. Wir hielten uns nicht lange auf und zogen weiter. Nur noch 200 Meter -- Höhendifferenz, nicht Entfernung. Und wir mussten noch etwas auf und ab. Ein großer Felsen sperrte den Weg, er trug ein "Riksröset" auf der Spitze, eine Markierung für die schwedisch-norwegische Grenze. Wir konnten die Fortsetzung des Weges auf der norwegischen Seite sehen, aber wir konnten hier bei uns keine Markierungen erkennen, da sie mit Schnee bedeckt waren. Wir wählten die linke Seite, um den Block zu umgehen, die rechte wäre allerdings richtig gewesen. Irgendwie fanden wir zurück zum Weg, ohne viel Zeit zu verlieren oder nasse Füsse zu bekommen, und so konnten wir den Rentierzaun durch eine Tür passieren.

 Anstieg zur Lappjordshytta

Jetzt ging es nur noch aufwärts durch Wald und Felsen. Gegen 20.30 Uhr war Lappjordshytta erreicht, und wir öffneten sie mit dem Schlüssel. Vier Angestellte der Abisko Turiststation waren schon im anderen Gebäude. Sie waren mit dem Boot nach Pålnostugan gefahren und hatten nur den Aufstieg gemacht. Die Hütte war komfortabler als die üblichen STF-Hütten, denn außer einer Kochnische und einer Eßecke gab es auch eine Art Wohnecke mit Sitzsofas. Ich las damals gerade Michael Crichton's "The Lost World", und es war sehr gemütlich, dabei auf dem Sofa zu liegen. Der Holzschuppen und die Toilette waren in dem anderen Gebäude integriert, damit man auch bei schlechtem Wetter nicht verlorengehen konnte. Das gab einen Eindruck, wie schlecht das Wetter hier oben werden konnte. Bis wir ins Bett gingen, war es schon recht spät, und deshalb entschlossen wir uns, auch am nächsten Tag noch hier zu bleiben. Übrigens hatten wir etwas norwegisches Bargeld mitgebracht, um die Übernachtungsgebühr zu bezahlen, aber das war gar nicht nötig, denn es gab hierfür Formulare, um mit Kreditkarte zu bezahlen. So füllten wir einfach ein Formular aus.

 Schneehuhn bei Lappjordshytta

Der nächste Tag war recht schön, und wir machten ohne die Rucksäcke einen kleinen Ausflug in der Gegend, wo ein fjällripa vor meinem Teleobjektiv posierte. Wir konnten keine Markierungen für den Weg nach Innset sehen, in dieser Richtung war noch ein Schneefeld von etwa 1 km Länge, und so wanderte ich über den Schnee, bis ich eine Holzstange fand, die im Winter umgefallen war. Der Tag ging vorbei, und wir zählten noch einmal die Wandertage bis nach Kilpisjärvi in Finnland. Wenn es keine Probleme geben würde, dann würden sie gerade reichen. Die nächste Etappe nach Innset war 28 km lang, für uns zu weit, um sie an einem Tag zu gehen. Wir würden irgendwo unterwegs zelten.

Wir standen am nächsten Morgen etwas früher auf, frühstückten, packten unsere Sachen. Schließlich machten wir die Hütte sauber, und gerade, als wir dann loslaufen wollten, fing es an zu regnen. Sollten wir uns gleich am Anfang schon naßregnen lassen ? Nein, wir konnten ja erst einmal abwarten.

 Blick auf den Torneträsk von Lappjordshytta

Aber es hörte nicht auf zu regnen. Ich war mir inzwischen sicher, daß es den ganzen Tag regnen würde, und ich hatte recht damit. Die Temperatur fiel auf null Grad, und wir konnten sehen, wie die Berggipfel sich nach und nach weiß färbten, während es bei uns auf 550 m und weiter unten im Tal noch regnete. Und die Wolken kamen immer niedriger. Es würde nicht gerade angenehm sein, unter diesen Bedingungen zu zelten. Wir zählten noch einmal die Tage bis Kilpisjärvi. Wir konnten es immer noch schaffen, auch wenn wir noch einen Tag hierbleiben würden, aber dann hätten wir keine Reserve mehr, und wir mußten auf jeden Fall rechtzeitig wieder in Kiruna sein. Es gab zwar genug Möglichkeiten unterwegs, wieder in die Zivilisation zurückzukehren, aber dann wären wir in Norwegen, und was wäre, wenn der Bus dann vielleicht nur zweimal in der Woche gehen würde ? Aber, wir wollten auch nicht noch einen Tag in Lappjordshytta verbringen. Schließlich entschieden wir uns, umzukehren und uns eine andere Tour zu überlegen. Die nächste Möglichkeit einer normalen Unterkunft war Björkliden, 17 km entfernt. Wir starteten in strömendem Regen. Auf jeden Fall war das ein schreckliches Wetter.

 Frosch auf dem Nordkalottleden

Gut, als Frosch kann man vielleicht auch anderer Meinung sein. Ich hatte noch nie meinen Rucksack ohne Regenüberzug in richtigem Regen getestet, und ich hatte die verrückte Idee, daß das heute der richtige Tag für einen solchen Test wäre. Nur eine gute Stunde bis Pålnostugan, und dort würde ich sehen, ob mein Rucksack solange dicht hielt. Wir zogen los auf dem etwas rutschigen Pfad, dann im Tal noch einmal um den Felsen, der das Riksröset trug.

 Am Riksröset 272

Dieses Mal fanden wir den markierten Pfad um den Felsen herum. Nach einer guten Stunde waren wir wieder in Pålnostugan. Fünf freundliche Leute saßen schon in der Hütte, und mit Carola und mir war es recht voll, was aber niemanden störte. Ich öffnete den Rucksack, um zu sehen, wie der Zustand meiner Sachen war. Das Wasser hatte seinen Weg gefunden, und alle Kleidungsstücke waren bereits naß, und auch der Schlafsack, der in einem separaten Beutel verpackt war, fing an, naß zu werden. Wir kochten eine Fertigsuppe und tranken einen Kaffee. Danach zogen wir weiter und ließen all die netten Leute zurück. Inzwischen hatte ich den Regenschutz über den Rucksack gezogen. Mittlerweile waren auch meine Füße naß geworden, aber meine Gore-Tex-Jacke und -Hose hielten den Körper warm.

 Njouraätno

An der Brücke über den Njuoraätno trafen wir den ersten Wanderer für heute, einen Mann aus Österreich auf dem Weg nach Norden. Noch einmal überquerten wir das Moränengebiet aus der Eiszeit. Schließlich erreichten wir die E10 und sahen uns um. Konnte da nicht vielleicht eine Busstation sein ? Nein, es war nichts zu entdecken. Wir gingen eine Zeitlang auf der E10, aber auf der breiten Straße ohne schützende Vegetation war der Chill-Faktor dieses Gemischs aus Wind, Schnee und Regen noch ungünstiger, und so kehrten wir wieder auf den Nordkalottleden bzw. den Rallarvägen zurück.

 Rallarvägen bei Tornehamn

Er war eigentlich leicht zu gehen, aber inzwischen diente der Trail als Entwässerungsgraben für eine große Menge Regenwasser. Wir kümmerten uns nicht mehr um das Wasser und wanderten einfach durch diese kleinen Bäche hindurch. Gegen 19.00 Uhr erreichten wir Björkliden. Die meisten Eirichtungen hatten geschlossen. Wir gingen den Berg hoch zum Hotel Fjället und nahmen ein Zimmer. Noch eine halbe Stunde, bis die Sauna um 20.00 Uhr schließen würde. Wir beeilten uns, und nach der Sauna saßen wir im Restaurant zum Abendessen. Vielleicht ist es schwer zu verstehen, aber wir waren mit allem sehr zufrieden. Es war zwar der nasseste von vielen Tagen gewesen, die wir hier verbracht hatten, aber es war trotzdem eine schöne Erinnerung. Und ich hatte gelernt, nie wieder ohne Rucksacküberzug durch Regen zu gehen. Wir trockneten die Sachen über Nacht, und am nächsten Morgen machten wir neue Pläne.

Zurück