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Wandern und Essen

Eine Wanderung über mehrere Tage mit Übernachtung im Zelt oder in der Hütte ist eine von vielen Möglichkeiten, die Natur zu erleben. Sie hat gegenüber Camping mit Zelt oder Wohnmobil die Besonderheit, daß man alles, was man essen will, vorher tragen muß. Bei entsprechender Planung kann man sich auch unterwegs auf den markierten Wegen in Hütten mit Proviant versorgen, oft wird man jedoch Essen für einige Tage mit sich tragen müssen.

In vielen schwedischen Hütten gibt es auch ein Fach im Küchenschrank, das entsprechend beschriftet ist und in dem man überflüssige Nahrungsmittel für andere zurücklassen kann. Hieraus können sich andere kostenlos bedienen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: ich spreche hier auf keinen Fall von dem Notvorrat, der in manchen kleinen Schutzhütten am Weg für echte Notfälle bereitgehalten wird. Diesen darf man natürlich auf keinen Fall angreifen. Ich spreche nur von zurückgelassenen Vorräten anderer Wanderer in normalen bewirtschafteten Hütten. Man kann sich natürlich nicht darauf verlassen, daß man dort etwas vorfindet.

Auch der Proviantverkauf in den STF-Hütten ist nicht unbedingt eine hundertprozentige Sache. Es kann sein, daß man nachmittags erst einmal auf den Hüttenwirt warten muß, der vielleicht selbst gerade auf Tour ist. Und wenn die Tomatensoße, die man gerne zu den Spaghetti haben wollte, ausverkauft ist, wird es wahrscheinlich erst im nächsten Winter Nachschub geben, denn die meisten Lebensmittel werden im Winter mit Schneeskootern zu den Hütten gebracht, die im Sommer nur zu Fuß oder mit dem Hubschrauber zu erreichen sind.

Sowohl Carola als auch ich kochen zu Hause gerne, häufig und auch teilweise sehr aufwendig, von asiatisch bis mexikanisch. (Hätten wir mehr Zeit, gäbe es auf unseren Seiten sicher auch mehr Rezepte. So blieb es bisher bei wenigen, wie z.B. denen im Silicon Valley Guide) Bei mehrtägigen Wanderungen, so finde ich, gibt es aber soviel zu sehen und zu erleben, daß man seine Zeit vielleicht lieber für einen Streifzug in der Umgebung oder einen Ausflug auf den nächsten Hügel oder zum Ausruhen nutzen möchte als zu größeren Kochaktionen. Und der Brennspiritus, den man eine Woche lang getragen hat, ist eigentlich auch viel zu schade, um damit Spülwasser zu erhitzen. Auf Campingplätzen mag das anders sein, hier ist Kochen vielleicht ein Teil des Freizeiterlebnisses, und an Nachschub mangelt es meistens nicht.

Auch um Zeit zu sparen, bleiben wir bei den Hauptmahlzeiten auf einer solchen Tour bei Fertignahrung aus der Tüte. Damit hat man sowohl vor als auch nach dem Essen die wenigste Arbeit. Man benötigt lediglich Wasser, um ein Essen fertigzumachen, und Wasser ist zumindest im Sommer in Nordschweden nie ein Problem, denn bis auf sehr wenige Ausnahmen gibt es allerbestes Wasser im Fjäll in jeder Menge. Im Winter ist es etwas schwieriger. Schneeschmelzen mit dem Trangia ist illusorisch, man benötigt einen Gas- oder Benzinkocher, oder man nimmt alles, was man trinken will, aus der Hütte mit und achtet darauf, daß es nicht gefriert, bevor es gebraucht wird.

Grundnahrungsmittel nach Schweden zu importieren, ist meiner Ansicht nach absolut unnötig, denn es gibt sie in jedem Lebensmittelladen zu kaufen. Da sie fast immer auch sonntags einige Stunden geöffnet haben, war es nie ein Problem, bei einer Anreise am Wochenende sonntags noch die Sachen einzukaufen, um am Montag loszuwandern, und Müsli, Knäckebrot und Tubenkäse kosten nicht die Welt. Hat der ICA bereits geschlossen, sollte man es bei der Tankstelle versuchen.

Über die Jahre bilden sich Gewohnheiten heraus, die sicherlich je nach Geschmack bei jedem anders sind. Die Gewohnheiten auf einer Tour unterscheiden sich außerdem durchaus von den Gewohnheiten, die man zu Hause hat. Man kann daher eigentlich wenig Ratschläge zum Thema Essen geben, jeder muß selbst die Erfahrungen sammeln und entscheiden, was er schleppen möchte. Ich will daher keine Empfehlungen aussprechen, sondern nur einmal aufzählen, was wir so essen, um vielleicht die eine oder andere Anregung zu bieten. Hat man noch keine großen Erfahrungen, hilft eine solche Zusammenstellung vielleicht auch dabei, die Mengen abzuschätzen, die man benötigt.

Frühstück:

Zwei Tassen Kaffee zum Frühstück sind wir gewohnt. Auf der Wanderung bevorzugen wir den Pulver-Espresso, von dem wir eine Dosis in einer normalen Tasse aufgießen. Aus der Kuksa schmeckt er noch besser. Der verdünnte Espresso ist uns lieber als Pulverkaffee, aber das ist Geschmackssache. Früher hatten wir ihn in Schraubflaschen, aber in letzter Zeit sind wir meistens bei den Tütchen geblieben. Das Abzählen der noch verbleibenden Kaffeedosis ist damit ganz einfach. Dazu nehmen wir auch eine Anzahl Cappuccino- und Schokolade-Tütchen mit. Milch brauchen wir nicht.

Varma Koppen, Schweden 1998

Zu Essen gibt es bei uns morgens fast immer Müsli. Wir nehmen das ganz normale gemischte Müsli. Zur Geschmacksverbesserung teilen wir uns eine Tüte Fruktsoppa aus der Blå Band-Serie, die wir trocken unter die Müsliportion mischen, bevor wir Wasser darübergießen. Auch Blåbärssoppa oder ein Schokoladen-Drink ist dafür gut geeignet.

Unterwegs

Bei einer Rast gibt es ein paar Scheiben Knäckebrot. Knäckebrot hat seine Nachteile, im Rucksack wird es leicht in kleine Bröckchen zerdrückt, aber man kann es als Beilage zu fast allen Mahlzeiten verwenden. Außerdem kann man es überall nachkaufen. Eine lappländische Spezialität ist das Tunnbröd, von dem es eine weiche Sorte ("mjuk tunnbröd") und eine Variante mit Knäckebrot-Konsistenz gibt. Letzteres kann man auch zu Hause backen (siehe Rezepte). Hartes Tunnbröd mit Margarine oder gar Butter, wenn vorhanden, und Salz und Pfeffer ist eine Delikatesse. Wir starten daher auch oft mit Tunnbröd statt Knäckebrot.

Eine Tüte Knäckebrot enthält je nach Sorte 18 bis 20 Scheiben und wiegt 250 g. Sie reicht uns beiden für eineinhalb Tage. Als Aufstrich steht Kalles Kaviar aus der Tube oder einer der schwedischen Tubenkäse, wie Räkost, Skinkost (Schmelzkäse mit Krabben oder Schinken) oder dergleichen zur Verfügung. Eine Tube wiegt je nach Größe 150 bis 250 g. Die kleine Tube reicht uns ebenfalls für eineinhalb 2 Tage.

Im Winter haben wir manchmal bei einer kleinen Rast unterwegs mit heißem Wasser aus der Thermosflasche eine Suppe zum Trinken aufgegossen, die es in Dutzenden von Variationen gibt. Mit heißem Wasser kann man notfalls auch das Einfrieren des übrigen Trinkwassers aufhalten.

Nach Ankunft in der Hütte oder nach dem Zeltaufbau

Wenn es noch früh ist, gibt es im Winter zum Aufwärmen, falls das notwendig ist, und im Sommer zur Überbrückung der Zeit bis zum Abendessen eine Tütensuppe zum Trinken, dazu vielleicht ein Knäckebrot, Tee, einen Kaffee oder eine heiße Schokolade. Andernfalls geht es gleich ans Abendessen.

Zum Abendessen

Um 1980 waren getrocknete Nahrungsmittel, die man in wenigen Minuten durch Einlegen in heisses Wasser oder Aufkochen eßbar machen konnte, noch eine Rarität, und es gab sie nur in spezialisierten Wanderläden. Heute ist das Angebot selbst im normalen Lebensmittelladen kaum zu überschauen. Es gibt wohl kaum noch ein Gericht, das nicht zum Aufkochen in der Tüte zu haben ist. Dennoch sind wir, was die Hauptmahlzeit betrifft, den Tüten aus den Wanderläden treu geblieben.

Fertigmahlzeit, Deutschland 1998

Die nicht ganz billigen, die es in Wanderläden gibt, haben den Vorteil, daß sie nicht gekocht werden müssen, um weich zu werden. Man kann sie schon in der Tüte durch Aufgießen zubereiten, und auf einer Zelttour spart man Zeit, Abwasch und nicht zuletzt auch Brennspiritus. Der Inhalt einer Ein - Portionentüte wiegt trocken 125 g. Sie ist damit etwas knapp bemessen. Manchmal haben wir daher eine Ein- mit einer Zwei-Portionentüte kombiniert und kommen dadurch auf 185 g pro Person.

Die Schweden sind wesentlich häufiger zum Wandern, Bootfahrern, Skifahren oder in Wochenendhäusern unterwegs als wir in Deutschland. Deshalb gibt es die Serie von Blå Band, die etwa dem obigen entspricht, allerdings gekocht werden muß. Für die Beliebtheit unter den Schweden spricht, daß es sie in jedem normalen Lebensmittelladen, in den Outdoor- und Anglerläden und natürlich in den Hütten zu kaufen gibt.

Fertigmahlzeit, Schweden 1998

Besonders das "Sjömannsbiff" hat es mir angetan. Die abgebildete Tüte wiegt 120 g und muß 10 Minuten gekocht werden (eher länger). Sjömannsbiff ist übrigens ein Gericht aus Kartoffeln und Rindfleisch, das es bereits im 16. Jahrhundert gab.

Trotz der Verbreitung von Blå Band kochen viele Schweden in den Hütten nach unserem Eindruck lieber "normale" Mahlzeiten, besonders wenn sie das Essen in der Hütte einkaufen. "Snabbmakkaroner", die man nur 3 min kochen muß, Fleischklöße aus der Dose ("Köttbullar"), Würstchen (pilsner korv), die Auswahl ist nicht sehr groß, aber ausreichend. Zum Ende der Aktionen werden manchmal Riesentöpfe mit heißem Wasser benötigt, um alles wieder abzuspülen. Mit unserer etwas technisierten Nahrungszubereitung haben wir vergleichsweise wenig Arbeit, und daß wir unseren eigenen Trangia-Wasserkessel dabei haben, macht uns in sehr belebten Hütten unabhängig.

Tagesbedarf

Somit essen wir typischerweise etwa folgendes pro Person und Tag:

Frühstück:
Müsli, 120 g
Kaffee 2 Portionen
Fruktsoppa, 15 g

Mineraldrink-Pulver
zum Trinken beim Wandern

Zwischenmahlzeit
Knäckebrot 6 Scheiben, 40 g
Tubenkäse, 40 g

Nachmittag
Suppe zum Aufgießen, 35 g
mit Knäckebrot, 2 Scheiben, 20 g
Kaffee 1 Portion

Hauptmahlzeit
1 Fertigtüte, 125 g - 150 g
Kräutertee mehrere Portionen

Das alles summiert sich auf etwa 450 bis 500 g. Rechnet man das Gewicht der Verpackungen hinzu, dann noch einige zusätzlichen Süßigkeiten oder kleine Snacks, dann sollten wir mit etwa 600 bis 700 g pro Person und Tag auskommen. Das ist nicht sehr viel. In den üblichen Wanderbüchern werden meistens wesentlich höhere Zahlen angegeben, die bei 1 kg pro Person und Tag, manchmal sogar bei 1,5 kg liegen. Manchmal wird auch mehr mit "normalen" an Stelle von dehydrierten Lebensmitteln gerechnet. Am besten ist es, man probiert es selbst aus, und schreibt einmal an einem Wander-Sonntag von morgens bis abends auf, was man so braucht.

Auf einer längeren Wandertour absichtlich deutlich weniger zu essen, als man verbraucht, ist nicht empfehlenswert. Leider greift der Körper dann nicht nur das Speicherfett an, was manchmal sicher wünschenswert wäre, sondern er beginnt auch, Proteine zur Energiegewinnung abzubauen. Er greift dabei besonders auch die Muskelsubstanz an, und sowohl die Muskelmasse als auch die Leistungsfähigkeit sinken.

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