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Torneträsk

Kiruna - Abisko Turiststation (99 km)

Montag, 27.5.2002

Bereits um 7.15 Uhr am Montag ist Aufstehen angesagt, denn heute brauchen wir Zeit, und sofort nach dem Frühstück bringen wir die Packtaschen an den Rädern an. Etwa 13 kg wiegt ein Fahrrad, weitere 15 kg bringen die Packtaschen auf das Rad, und 3 kg hat die Lenkertasche mit der Kamera, so daß wir insgesamt etwa 30 kg und uns bewegen müssen. Das Wetter sieht stabil aus, dennoch bleibt bei mir noch eine gewisse Skepsis, ob wir es schaffen werden. Wenn ja, dann wird es für uns ein kleiner persönlicher Rekord, denn bisher sind wir noch keine so lange Strecke mit soviel Gepäck gefahren.

Gegen 9 Uhr rollen wir aus der Innenstadt von Kiruna hinunter zur E10. Ein kleiner Umweg über den Lokstall lohnt sich, denn dort steht nun die IORE 101 Polcirkeln in einer guten Fotoposition. Acht Exemplare dieser neuen Erzbahn-Loks werden in Kassel gebaut.

Wir schwenken wieder auf die E10 ein, vorbei an dem Schild "Abisko 92 km". Die Windräder auf den Bergen um Kiruna zeigen Rückenwind an, und entsprechend gut fährt es sich auch. Wir schaffen über viele Kilometer mehr als 25 km/h, ohne uns sehr anzustrengen, und das gibt uns Zuversicht. Die Strecke scheint sehr flach. Tatsächlich verlieren wir auch auf den ersten 50 km auch etwa 150 Höhenmeter, und da uns das mangels topografischer Karte nicht klar ist, freuen wir uns einfach darüber, daß wir so gut vorankommen.

Als wir Rensjön passieren, eine kleine Häuseransammlung mit Bahnhaltestelle, liegen schon 31 km Strecke hinter Rentiere bei Bergforsuns. Ab und zu halten wir an, um die Landschaft zu genießen oder Fotos zu machen. Häufig stehen Rentiere am Straßenrand. Meist stellen sie im letzten Augenblick fest, daß sie noch vor uns die Straße queren müssen, und das letzte in der Reihe bleibt typischerweise noch einen Moment mitten auf der Straße stehen, um uns zu betrachten. Sehen wir denn so merkwürdig aus ?

Der erste deutlich sichtbare Anstieg wartet auf uns, die E10 führt hinauf zum Kaisepakte, den markantesten Berg dieser Gegend. Wir schalten zurück, doch im kleinen Gang läßt es sich gut fahren. Da Carola an Steigungen normalerweise schneller ist als ich, fahre ich voraus, um das Tempo vorzugeben. Sehr steil wird es nicht, ganze 1.5 % durchschnittlich auf 4 km sind nicht weltbewegend und eigentlich nur wegen des Gepäcks überhaupt erwähnenswert. Doch immerhin, vom Eindruck her sieht es nach mehr aus, weil der Kaisepakte weithin durch seinen schroffen Felsabbruch auffällt. Nachdem wir die Höhe passiert haben, rollen wir zügig hinunter Richtung Torneträsk.Auf der E10 bei Torneträsk, links die Bahnstation

Bald werden wir den gleichnamigen See erreichen, an dem die E10 dann entlangführt. Im Moment ist noch nichts davon zu sehen. Mit 56 km liegt gut die Hälfte der Strecke hinter uns, und das ist Anlaß für die erste und einzige längere Pause. An einem Naturrastplats an der E10 gegenüber der Bahnstation können wir uns an einem Tisch niederlassen und es uns gemütlich machen. Es ist jetzt richtig heiß geworden. Nachdem wir uns etwas erfrischt haben, besteigen wir wieder unsere Räder und fahren weiter. Ein Gefälle führt weiter hinunter zum See, und würden wir die Räder laufen lassen, wären wir schon bald am Ufer.

Abfahrt zum Torneträsk-See

Doch das Panorama ist hier besonders beeindruckend, so daß wir immer wieder anhalten müssen, um es zu genießen. Der Himmel ist so blau wie der See, und im Hintergrund strahlen weiße Berge im Sonnenlicht. Wir können uns kaum sattsehen.

Manchmal führt die Straße jetzt flach am See entlang, manchmal schneidet sie in kurzen Anstiegen kleine Landzungen ab. An diesen Anstiegen macht sich nun nach 4 Stunden im Sattel doch die Müdigkeit bemerkbar. Endlich kommen gegen 16 Uhr die Häuser von Abisko Östra in Sicht. Die letzte Steigung des Tages bringt uns zur Abisko Turiststation, wo wir uns für ein Zimmer anmelden. Das Hauptgebäude der Turiststation ist in dieser Woche bis auf die Rezeption geschlossen, aber im Nebengebäude Keron gibt es ein Zimmer für uns. Auch der Shop und das Restaurant sind geschlossen, aber das ist nicht schlimm. Wir beziehen das Zimmer, dann steigen wir wieder auf die Räder und fahren die 3 km zurück nach Abisko Östra für einen Großeinkauf im ICA Lapporten. Der Einfachheit halber essen wir gleich am Imbiß in der Nähe des Supermarkts ein Renskav. Es ist so warm, daß wir im Freien sitzen können. Zum Ausklang des Tages machen wir einen Spaziergang zum Canyon des Abiskojåkka, der durch Schmelzwasser gut gefüllt ist. Dort sitzen wir noch lange auf einem Felsen in der tiefstehenden Abendsonne, beobachten den Fluß und träumen vor uns hin.

Abendstimmung am Abisko Canyon

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