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Vorbereitung und Anreise

Die Vorbereitung

In den vergangenen Jahren hatten wir uns, vielleicht inspiriert durch die Erfolge von Zabel, Ullrich und Kollegen, wieder mehr für unsere Räder begeistert und überlegt, ob wir vielleicht einmal statt einer Wandertour im Norden eine Radtour machen sollten.

Im Februar 2002 bekam Carola plötzlich Probleme mit einem Kniegelenk und mußte arthroskopiert werden. Eine Wandertour mit 20 kg-Rucksack kam danach nicht in Frage. Nach einem Muskelaufbautraining war allenfalls Radfahren denkbar, und tatsächlich ging das auch ganz gut.

So faßten wir den Plan, mit den Rädern nach Norden zu fliegen und auf eine Tour zu gehen, bei der wir zwar mit etwas Gepäck unterwegs sein wollten, aber in STF-Einrichtungen oder Hotels übernachten wollten, eine Art des Reisens, die in einem Buch aus den USA als credit-card-biking bezeichnet wird.

1996 hatten wir uns Mountainbikes gekauft, und zwar für mich einen Stumpjumper und für Carola einen Rockhopper der Firma Specialized, weil sie als Auslaufmodelle gerade sehr günstig waren. Sie waren noch in gutem Zustand, und mein Stumpjumper war immerhin der direkte Nachfahre eines berühmten Bikes von Specialized. Von Mike Sinyard 1974 gegründet, stellte Specialized im Jahr 1981 nämlich den Stumpjumper als das erste serienmäßig gebaute Mountainbike der Welt vor. Mit Deore LX waren die Räder nicht schlecht ausgestattet, doch Federgabeln und ähnliches hatten sie nicht.

Sie waren unsere Allzweckräder. Um bei Regenwetter auch mal in die Stadt fahren zu können, hatten wir Schutzbleche angebracht, dazu eine Lichtanlage mit Dynamo. Um Touren fahren zu können, hatten wir sie mit Gepäckträgern versehen und die bekannten Ortlieb-Taschen angeschafft, dann aber doch nie eine Tour mit Gepäck unternommen. Mit Mountainbikes hatten sie nur noch wenig Ähnlichkeit, doch sie waren robust und funktionierten, ähnlich wie ein VW-Käfer. Aber sollte es nicht heutzutage modernere und bessere Räder geben ?

Auf der Suche danach durchstöberten wir alle Läden der Gegend, Kataloge und Zeitschriften und lernten alles über Federgabeln, Fullys, Cross-Räder und mehr. Schließlich blieb es bei der Erkenntnis "Guter Rad ist teuer". Ein Rad, das von der Qualität und Robustheit her mit unseren alten mithalten konnte, würde den Reisepreis verdoppeln.

Also beschäftigten wir uns damit, die vorhandenen Räder etwas aufzumöbeln, rüsteten sie mit dem Schwalbe Black Shark Reifen aus, der etwas straßentauglicher war, spendierten uns neue Sättel von Specialized und eine gefederte Sattelstütze von RockShox. Die Klickpedale bauten wir zurück auf Körbchen und fuhren mit unseren Salomon - Leichtwanderschuhen. Das sparte ein zusätzliches Paar Schuhe im Gepäck, und wir kamen damit gut zurecht. Diverse Kleinteile waren noch zu besorgen. Wir nahmen außer Flickzeug keinerlei Ersatzteile mit und wollten im Fall eines größeren Defekts auf den Bus umsteigen. In Schweden ist das fast immer ohne Probleme möglich. Da wir in Hotels oder anderen Herbergen unterkommen wollten, konnten wir das Gepäck bei der Tour auf 15 kg in Satteltaschen begrenzen. Mein Ziel, auf Lowrider zu verzichten, ließ sich damit erfüllen. Die Fotoausrüstung und einige Kleinteile in der Lenkertasche brachten noch einmal 3 kg. Die Fahrräder mit Gepäckträger wogen 13 kg. Soweit war alles klar, und Sättel, Schuhe, Gepäck und einiges andere testeten wir an verschiedenen Wochenenden auf kurzen Ausflügen. Damit waren die Vorbereitungen abgeschlossen, und nun beginnt unser Erlebnisbericht.

Die Anreise

Endlich ist es soweit - der Urlaub fängt an.

Schon einen Tag vor der Abreise muß ich Urlaub nehmen. Zwei Stunden brauchen wir nachmittags, um die Räder zu zerlegen, und abends machen wir uns auf den Weg zum Vorabend-Checkin der Lufthansa in Frankfurt. Es ist schon eine Plackerei, die schweren Taschen durch den Frankfurter Flughafen zum Check-in zu befördern. Unsere Radtaschen passen nur quer auf den Gepäckwagen, und dafür sind alle Aufzüge und Durchgänge des Frankfurter Flughafens zu klein. Der Check-in ist nicht einfach, denn wir hatten zwar wie empfohlen die Räder bei der Buchung angemeldet, doch jemand hat das Computerprogramm am Schalter geändert und die Stelle im Formular ist auf dem Bildschirm nicht zu finden. Da wir uns ansonsten auf ein Minimalgepäck beschränkt haben, bleibt das Gesamtgewicht einigermaßen im Rahmen, und wir müssen keinen Zuschlag bezahlen.

Am Check-in erfahren wir auch gleich, daß wir unser Gepäck und die Räder in Stockholm durch den Zoll bringen müssen. Das Reisebüro hatte vorher nachgefragt und eine andere Auskunft gegeben. Die Umsteigezeit in Stockholm ist nun mit 30 min entschieden zu kurz, doch daran wir können wir nichts mehr ändern. Wir hoffen, daß es irgendwie gehen wird.

Am Abreisetag haben wir viel Zeit am Flughafen, denn die Bordkarten haben wir nun schon. Der Flug verläuft reibungslos, und nur fünf Minuten nach der Landung haben wir in Stockholm schon die Maschine verlassen. Die Passkontrolle entfällt dank des Schengener Abkommens, und am Baggage Claim suche ich sofort eine Mitarbeiterin der SAS und schildere das Problem. Sie ist sehr hilfsbereit und kümmert sich darum, daß wir die Räder und unser Gepäck sofort ausgehändigt bekommen, bevor es auf das Band geladen wird. Mehr kann sie allerdings nicht tun. 15 min nach der Landung sind wir bereits durch den Zoll und mit den Rädern wieder am Inland - Checkin, nach weiteren 5 min durch die Sicherheitskontrolle und erst da erfahre ich, daß der Inland - Checkin bereits 15 min vor Abflug schließt - wir hatten null Minuten Reserve gehabt. Aber nun sitzen wir im Flugzeug nach Kiruna, die Räder sind im Frachtraum, und das eigentlich Unmögliche hat funktioniert. Trotzdem - ein zweites Mal würde ich es nicht versuchen.

Wir sind noch außerhalb der Saison und daher gibt es am Flughafen von Kiruna keinen Flugbus. Wir nehmen ein Sammeltaxi. Bald sitzen wir vor dem Hotel im Sonnenschein auf einer Bank, bauen die Räder zusammen und machen sofort eine Probefahrt. Es fährt sich gut auf der E10, und es gibt an diesem Samstag kaum Autoverkehr. Alles sieht sehr positiv aus, doch ich bleibe skeptisch. Wie auch immer, die Tour kann beginnen.

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