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Im Ladtjovagge

Reisebericht zur Skiwanderung auf dem Kungsleden vom 23.12. 1997 - 1.1.1998

von Lucas Loff und Patrick Schäffel

Einleitung:

Wir, das sind Patrick (20) und Lucas (21), waren im Herbst '97 auf einen ausgefallenen Gedanken gekommen. Wir wollten Weihnachten einmal auf eine ganz andere Weise verbringen. Wir kommen beide aus Sömmerda nahe Erfurt und sind Studenten. Patrick studiert in Weimar und ich habe ein Studium in Berlin aufgenommen. Da wir beide einen schönen Winterurlaub bevorzugen, stand schon früh fest, daß es in den Schnee gehen sollte. Nur wohin? Ich war erst im September von einer elfwöchigen Fahrradtour aus Skandinavien zurückgekehrt und mich haben diese Länder schon seit längerem in ihren Bann gezogen. Mich faszinierte die Mitternachtssonne zu dieser Zeit sehr. Später fragte ich mich, wie es nördlich des Polarkreises wohl in der Polarnacht aussehen würde. So war die Idee geboren, den Urlaub in diesen Breiten zu verbringen. Nach ein paar Besprechungen mit Patrick via E-Mail stand für uns fest, daß es auf den Kungsleden gehen sollte. Nur waren wir uns nicht sicher, welche Fortbewegungsart zu dieser Jahreszeit die beste sein würde. Zu Fuß, mit Skiern oder vielleicht auf Schneeschuhen? Wegen der hohen Investitionen für die Ausrüstung entschieden wir uns, die bereits vorhandenen Skier zu nutzen. Niemals zuvor hatten wir eine mehrtägige Skiwanderung unternommen. So hatten wir vor der Abreise ein ganz schönes Kribbeln in Bauch. Übers Internet konnten wir wenigstens ein paar Informationen sammeln, um nicht ganz ohne Erfahrung dazustehen. Sehr wichtig war deshalb im letzten Herbst für uns die Homepage von Kurt Bangert. Allerdings sind die Wintertouren auf seiner Seite ausschließlich vom Frühjahr. Viele Leute die mir schrieben, haben uns abgeraten eine Tour auf dem Kungsleden vor Februar zu unternehmen. Doch der Reiz des Ungewissen war für uns größer.

Anreise:

Samstag, den 20.12.97 sind wir in Berlin mit dem Zug in Richtung Schweden abgefahren. Wir hatten eine lange Zugfahrt vor uns. Bis wir am 22.12. in Abisko ankamen, vergingen 38 Stunden. Unsere Rucksäcke waren prall gefüllt und hatten ein Gewicht von 22 bzw. 24 kg. Beim Umsteigen auf den Bahnhöfen machte sich die erdrückende Last bemerkbar. Bereits nach ein paar Minuten taten uns die Schultern weh. Wie würde es erst werden, wenn wir die Rucksäcke den ganzen Tag schleppen müssen? Nachdem wir im Zug ein paar andere Leute getroffen hatten, die ebenfalls eine Wintertour vorhatten, bekamen wir wieder mehr Mut. Die Züge waren sehr voll, denn es wollten noch viele Schweden über Weihnachten nach Hause zu ihren Verwandten. Sämtliche Liegewagen waren ausgebucht, so mußten wir 2 Nächte im Sitzen verbringen und waren bei der Ankunft in Abisko ziemlich k.o. In Abisko wurde unserem Ziel, den Kungsleden zu erobern, gleich mehrere Rückschläge versetzt. Wo war der Schnee hin, den wir einige Zugkilometer zuvor noch in Kiruna sahen? Eine geschlossene Schneedecke existierte nicht mehr und die Temperatur war mit knapp über 0° C ungewöhnlich mild. Dafür entschädigte uns das sagenhaft schöne Licht. Wir verließen den Zug nach Narvik in Abisko Turist. Dort befindet sich die nördlichste Fjällstation des Kungsleden. Hier erlebten wir den nächsten Rückschlag, denn die Fjällstation war abgeschlossen und kein Mensch war zu sehen. Auf einem Zettel an der Tür stand geschrieben, daß die Station über Weihnachten und Neujahr geschlossen sei. Nach einer halben Stunde kam zu unserer Überraschung dann doch ein Auto vorbei. Von dem Mann erfuhren wir, daß es geöffnete Hütten nur im 3 km entfernten Abisko gäbe. Wir fragten ihn noch nach dem nächsten Lebensmittelgeschäft auf unserem Weg. Der Mann lachte und sagte nach Abisko gibt es erst wieder einen Laden in Kiruna oder Nikkaluokta. Nach Kiruna wollten wir nicht, also mußte unser Ziel das 110 km entfernte Nikkaluokta sein. Ob das zu schaffen sei? Wir haben lange überlegt. Wenigstens müßten wir nicht im Freien schlafen, denn alle Hütten haben ein ständig geöffnetes Notzimmer. Am späten Nachmittag erkundeten wir die Umgebung und suchten in Abisko den Laden auf. Wenn man diese Strecke tatsächlich schaffen wollte, mußten wir noch einige Lebensmittel nachkaufen. Da nicht alle Sachen mehr in die Rucksäcke paßten, mußte die ersten beiden Tage ein zusätzlicher Beutel getragen werden. Durch das milde Wetter hatten wir entschieden, im Freien zu schlafen. Ganz gelegen kam uns da der Haupteingang der Fjällstation. Dort war es sehr windgeschützt.

1. Tag

Nach einer angenehmen Nacht standen wir 6:30 Uhr auf und betraten bei völliger Dunkelheit 8:45 Uhr den Kungsleden. Einen Zettel mit unserem Streckenverlauf und den Heimatadressen hinterließen wir im Briefkasten an der Station. Die Skier befestigten wir an den Rucksäcken. Das Tragen wurde dadurch noch komplizierter und wir hatten auch nicht das richtige Schuhwerk. Trotzdem sollte es auch mit Thermostiefeln möglich sein, die erste Hütte nach 16 km zu erreichen. Um den Weg nicht verfehlen zu können, hielten wir uns an die Wintermarkierungen. Die Andreaskreuze stecken auf direktem Wege, weil ja normalerweise auch genug Schnee liegt, um die Bodenverhältnisse zu vernachlässigen. Für uns kam da so einiges zum Vorschein, was sonst unter meterdickem Schnee verborgen bleibt. Die Eisdecke auf den vielen Seen, Tümpeln und Sumpfgebieten war angetaut. Viele dieser Stellen mußten wir mühevoll umlaufen, wobei einem das dichte Buschwerk sehr zu schaffen machte. Nach einigen Stunden gelangten wir am Abiskojaure an, dem größten See im Nationalpark. Der Weg führte über den See, auch Skooterspuren waren zu erkennen. Aber wir alt mögen diese sein? Vorsichtig tasteten wir uns auf den See. Nach einigen hundert Metern wurden die Wasserpfützen immer größer. Die Schuhe bohrten sich langsam in diesen Matsch ein. Uns wurde es zu gefährlich, das Herz fing an zu rasen. Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen, um notfalls Hilfe holen zu können. Auf kürzestem Weg schlichen wir ans Ufer. Lieber machten wir einen Umweg am See entlang, als unsere Gesundheit zu riskieren. Nach einem harten Tag kamen wir nachmittags 15:00 Uhr gerade noch rechtzeitig vor der absoluten Dunkelheit an der Abiskojaurestugorna an. Zu unserem Erstaunen waren wir einen Tag vor Heiligabend nicht allein hier. Ein Pärchen aus Norwegen kam am selben Tag an. Die zwei sagten, sie seien nicht zum Urlaub sondern in Diensten der Svenska Turist Föreningen (STF) hier. Die Norweger hatten einen Eisbohrer, womit sie ein Wasserloch in den Abiskojaure bohrten. Es stellte sich heraus, daß wir beim Begehen der Eisfläche zuviel Vorsicht gezeigt hatten. Denn unter der wäßrigen Oberfläche verbarg sich eine knapp 50 Zentimeter dicke Eisschicht. Der Regen der letzten Tage hatte das Wasser noch nicht gefrieren lassen. Auch blieb es an diesem Tag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt recht mild. Am Abend erlebten wir noch ein phantastisches Naturschauspiel. Nordlichter zogen große weiße Schleier über die Bergketten. Wenn wir nicht so müde gewesen wären, hätte man Stunden dem Spektakel zusehen können. Wir waren schon eingeschlafen, da kamen kurz vor Mitternacht tatsächlich noch zwei Deutsche auf Schneeschuhen hier an. Sie waren einen Tag nach uns mit dem Zug in Abisko angekommen und starteten am gleichen Abend. Bei völliger Dunkelheit waren sie den ganzen Weg auf ihre Stirnlampen angewiesen.

2. Tag

Am 24.12. hieß es 6:00 Uhr aufstehen, denn ein weiterer schwerer Tag stand an. Bis nach Alesjaurestugorna waren es über 20 km. Ob das bei 5 Stunden Helligkeit zu schaffen war ? Die zwei Deutschen sagten uns, daß es einen neuen Windschutz auf der Hälfte des Weges gäbe. Dort könnte man zur Not auch schlafen. Nur Holz war im letzten Jahr nicht da. Nach den ersten Kilometern, auf denen der Weg mit unseren Taschenlampen abgeleuchtet wurde, konnten wir nach einem Anstieg von etwa 300 Höhenmetern unsere Skier zum ersten mal anschnallen. Das bedeutete eine sagenhafte Erleichterung. Nun waren wir richtig motiviert und es machte viel Spaß, dahin zu gleiten. Mit einer kurzen Pause erreichten wir nach 12 km den Windschutz. Als dann noch ein wenig Brennholz zu finden war, blieben wir da. Die Wetterverhältnisse hätten nicht besser sein können. Kaum Wolken waren zu sehen und der Wind wehte auch nicht so stark. Es war mit -5 bis -10° C etwas kälter als am Vortag. Während des Tages konnte man Farben am Himmel beobachten, die wunderschön waren. Die Farbpalette reichte von zartem Gelb über weiches Purpur bis zu tiefem Violett. Am Abend sahen wir wieder die Nordlichter. Besser hätte der Heilig Abend nicht sein können. Wir studierten die Karten und dachten an die Lieben, die einige tausend Kilometer südlicher vor dem Weihnachtsbaum in der warmen Stube saßen. Trotzdem wünschten wir uns nicht dorthin.

3. Tag

Der 1. Weihnachtsfeiertag hatte so schön begonnen, wie der gestrige Tag endete. Bis nach Alesjaurestugorna kamen keine bedeutenden Anstiege mehr, so daß wir schon bald ankamen. Seit dem Verlassen von Abiskojaurestugorna gab es keine Skooterspuren mehr. Auch andere Spuren, die auf Menschen hinwiesen, gab es nicht. Selbst das Samendorf am Ufer des Alesjaure war verlassen. Im Gästebuch der Hütte war der letzte Eintrag schon mehrere Wochen alt. Im Gegensatz zu den Sommermonaten ist der Kungsleden um diese Jahreszeit sehr einsam. Die Temperatur normalisierte sich an den letzten beiden Tagen auch zusehends. Heute Nachmittag waren es nur noch -15° C. Um nicht immer erst warten zu müssen, bis der Schnee zum Kochen geschmolzen war, machten wir uns die Mühe, ein Loch in die Eisdecke zu schlagen. Das war nicht so einfach, denn uns stand nur eine Axt zur Verfügung. Unter der Hängebrücke des Flusses stießen wir beim zweiten Anlauf in 60 Zentimeter auf Wasser. Angesichts dieser Arbeit sollte es auch unser einziges Eisloch bleiben. In den Hütten lag die Temperatur bei Ankunft im allgemeinen nicht höher als -10° C. Die Öfen heizten allerdings sehr gut, so daß nach einer Stunde die 0° Grenze erreicht war. Im Laufe des Abends wurde es mit 25° C mollig warm und wir konnten uns nach der 10 km Etappe gut erholen.

4. Tag

Am 26.12. starteten wir um 8:00 Uhr Richtung Tjäktjastugan, der höchstgelegenen Hütte des Kungsledens. Es war bedeckt und sehr windig. Man hatte aber immer genug Sicht, um die folgenden Andreaskreuze zu erkennen. Durch die Wolken blieb es aber den ganzen Tag sehr finster. Die Ski mußten auch zeitweise wieder getragen werden, da wenig Schnee, große Steine und Buschwerk ein Vorankommen unmöglich machten. Man mußte sehr behutsam den Weg mustern, um nicht das Gleichgewicht mit dem schweren Gepäck zu verlieren. Bodenwellen waren sehr schlecht ersichtlich. Nur nicht hinfallen, denn ein Sturz in dem Gebirge kann fatale Folgen mit sich bringen. Wenn uns nicht ein paar Rentiere über den Weg gelaufen wären, hätte sich die Einsamkeit noch stärker bemerkbar gemacht. Außer dem Pfeifen des Windes herrschte völlige Stille. Der Anstieg zur Tjäktjastugan nach 13 km forderte unsere letzten Kraftreserven. Außer einem Haferbrei zum Frühstück hatten wir den ganzen Tag nichts zu uns genommen. Mit einer Pause von 5-10 Minuten mußten wir täglich auskommen, um die Hütten nicht bei völliger Dunkelheit zu verfehlen. Außerdem kühlt man bei diesen Temperaturen sehr schnell aus. Bei Ankunft an der Tjäktjastugan mußten wir die Tür von einer dicken Schneeschicht befreien. Hier oben war es winterlich weiß. Mit unseren Essensrationen kamen wir letztlich sehr gut aus. Das lag nicht zuletzt daran, daß wir in den Notunterkünften so manches mal etwas zu essen vorfanden. Es waren Nudeln, Reis oder auch Milchpulver, was einst Besucher liegengelassen hatten. Auf den mitgeführten Gaskocher und unseren Topf waren wir nicht angewiesen. Zum Kochen reichte der Kanonenofen aus. Komplette Küchenausrüstung fanden wir überall vor.

5. Tag

Am Ende dieses Tages hatten wir mehr als die Hälfte unserer Tour bis nach Nikkaluokta geschafft. 9:45 Uhr brachen wir zum 1150 Meter hoch gelegenen Tjäktjapaß auf. Dieser war der höchste Punkt unserer Tour. Von da ging es bei -17° C und Pulverschnee fast nur noch bergab. Die Abfahrt vom Paß war unproblematischer, als es auf der Fjällkarte anhand der Höhenlinien aussah. Wir konnten heute auch wieder die bunten Himmelsfarben erkennen. An das Gewicht der Rucksäcke hatten wir uns schon lange gewöhnt, zumal sie Tag für Tag etwas leichter wurden. Auch saß das Gepäck viel ruhiger auf dem Rücken, seitdem wir uns mit Skiern fortbewegten. Aus der Ferne sahen wir eine große Rentierherde von vielleicht 20 Tieren. Außerdem konnten wir ein paar Schneehühner und einige Wühlmäuse beobachten. Im Schnee waren auch Spuren von anderen Tieren zu erkennen. Es leben hier unter anderem Polarfuchs, Luchs, Vielfraß und auch Wölfe. Die Hütten auf der nördlichen Teilstrecke des Kungsledens liegen in Abständen von 15-20 km, so daß man sie gut an einem Tag erreichen kann. Am Nachmittag des 27.12. erreichten wir nach 4 Stunden die Sälkastugorna. In den Räumen befinden sich Nottelefone, über die man Hilfe rufen kann. Das gab uns doch einiges an zusätzlicher Sicherheit.

6. Tag

Es war der letzte Tag, den wir auf dem Kungsleden verbrachten. Es ging von Sälka- nach Singistugorna entlang des Kebnekaise Massivs. Viele kleine Hügel machten uns zu schaffen. Mit -20° C war es jetzt auch richtig kalt. Durch die trockene Luft und unsere ständige Bewegung war es aber nicht unangenehm. Nach gut einer Stunde machten wir eine kurze Rast in einem Windschutz und gelangten nach weiteren 3,5 Stunden in Singistugorna an. Nach den letzten Tagen ohne Vegetation konnten wir kurz vor Singistugorna im Flußtal des Tjäktjajakka erstmals wieder ein paar Krüppelbirken sehen. Ein verlassenes Sommerlager von Samen war auch nicht weit. Sobald wir an den Hütten ankamen, hieß es zuerst Holz sägen und hacken, um genug Vorrat für die Nacht zu haben. Die Unterkunft in Singi war die größte, die wir bisher hatten. Hier gab es 10 Betten und einen großen Aufenthaltsraum. Das bereitete uns Probleme beim Aufheizen des Zimmers. Selbst nach mehreren Stunden wollte es nicht wämer als 5° C werden. Deshalb habe ich die ganze Nacht durchgeheizt, damit zumindest unsere Sachen trockneten.

7. Tag

Am 29.12. verließen wir nach 75 km den Kungsleden in Richtung Kebnekaise Fjällstation. Der Weg begann mit einem leichten Anstieg von etwa 150 Metern. Bei toller Sicht blickten wir zurück auf den Fluß Tjäktjajakka. Von hier ging es flußabwärts am Laddjujohka zum Fuße des Kebnekaise. 4 km vor Erreichen der Fjällstation mußten wir vom vereisten Fluß abbiegen und abermals wegen Schneemangel die Skier tragen. Nach 5 Stunden kamen wir erschöpft in der warmen Unterkunft an. Hier trafen wir nach mehr als 5 Tagen wieder auf Menschen. Es war plötzlich richtig lebendig. Sie wollten aber nicht zum Kungsleden, sondern den Kebnekaise besteigen. Sie sagten uns, wie fantastisch die Sonne von dort oben aussah. Unten im Tal konnte man sie aber erst in gut einer Woche wieder zu Gesicht bekommen. Im Vergleich zu den anderen Hütten waren die Zimmer hier sehr luxuriös ausgestattet. Wir brauchten nicht ständig mit Holz zu heizen, da es elektrische Heizkörper gab. Deshalb beschlossen wir auch einen weiteren Tag in der Fjällstation zu verbringen.

8. Tag

Nach einer erholsamen Nacht erkundeten wir die Umgebung im Ladtjovagge. Es war angenehm, ein paar Meter ohne zusätzliche Last auf dem Rücken zu laufen. Von den Bergsteigern erhielten wir wertvolle Tips über die Strecke des folgenden Tages. Viele Skooterspuren führten zum Laddjujohka, auf dem wir nach Nikkaluokta gelangen wollten.

9. Tag

Sehr zeitig standen wir am Morgen des Silvestertages auf, um die wohl längste Etappe unserer Tour in Angriff zu nehmen. Schon um 7:00 Uhr brachen wir auf. Die ersten Meter des Weges hatten wir bereits gestern erkundet, desbalb fanden wir uns in der Dunkelheit besser zurecht. Nach etwa 2 km endeten die Wintermarkierungen und die kreuz und quer laufenden Pulka,- Ski,- Fuß,- und Skooterspuren verwirrten uns. Bei einsetzender Helligkeit gelangten wir dann doch am Laddjujohka an. Von nun an brauchten wir nur noch dem Flußlauf zu folgen, um Nikkaluokta sicher zu erreichen. Erschwert wurde der Tag durch die vielen Mäander des Flusses, die unseren Weg drastisch verlängerten. Auf offene Wasserstellen im zerklüfteten Eis des Flusses mußten wir auch achten. Schön war dann jedoch immer der Blick zum Gebirge. Weiter machten uns an diesem Tag die ausgesprochen tiefen Temperaturen zu schaffen. Nach Überqueren des Laddjujavri- Sees erreichten wir nach 5 Stunden unseren Zielort. Hier wies ein Thermometer auf -27° C hin. Das Gebäude, in dem wir nach 9 Tagen endlich wieder frische Lebensmittel einkaufen wollten, hatte geschlossen. Da der Bus über die Weihnachtsferien nicht fuhr, wollten wir ein Taxi rufen, um nach Kiruna zu gelangen. Das war allerdings nicht möglich, da sich das Telefon in dem geschlossenen Gebäude befand. Angesichts dieser Temperaturen schien uns eine Nacht im Zelt zu gewagt. Glücklicherweise kam, nachdem wir eine halbe Stunde gewartet hatten, ein Schneeskooter an. Wir stoppten den Fahrer und schilderten unser Problem. Es stellte sich heraus, daß die drei ebenfalls auf dem Weg nach Kiruna waren. Ihr Auto hatten sie auf dem örtlichen Parkplatz abgestellt. Da sie noch zwei Plätze frei hatten, konnten sie uns mit in die 65 km entfernte Stadt mitnehmen und uns in einem Hotel absetzen.

Schlußwort: Am Morgen des 1. Januar fuhren wir mit dem Zug zurück nach Deutschland. Sehr glücklich blickten wir auf einen außergewöhnlichen Urlaub zurück. Wir waren uns einig, daß dies nicht der letzte gemeinsame Urlaub dieser Art sein sollte. Trotz vieler Bedenken von mehreren Leuten, halten wir eine solche Tour mit entsprechender Vorbereitung für durchaus machbar. Für Leute, die die unberührte Natur lieben und die einmal dem Alltagsstreß entfliehen wollen, für die ist die Einsamkeit genau das richtige. Aus unserer Sicht ein absoluter Geheimtip.

Danke für eine Mail mit Kommentaren und Anregungen: schneeabenteurer@hotmail.com

© Bilder und Text: Lucas Loff und Patrick Schäffel 1998

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