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Norra Storfjället und Kungsleden

Südlicher Kungsleden Hemavan - Ammarnäs

(März 1999)

Dieser südliche Teil des Kungsleden ist im Winter wesentlich weniger begangen als die nördlichen Abschnitte. Der Weg ist durchgehend wintermarkiert und es gibt Hütten in Abständen zwischen 11 und 22 km. In jeder Hütte gibt es während der Saison Verpflegung zu kaufen. Die gesamte Entfernung beträgt 78 km, die wir gemütlich in 5 Tagen gegangen sind. Ehrgeizige machen es in vier Tagen.

Dieser Bericht startet mit der Tour. Wir hatten recht viel beruflichen Streß vor der Tour. Wenn Du etwas über Streß und andere Probleme lesen willst, kannst Du hier klicken.

Tag eins (Hemavan - Viterskalet, 11 km, +350, -40 m )

Wir befestigen die Steigfelle bereits im Hotel, da wir heute vom Start weg einen Aufstieg haben werden, und gehen die wenigen Meter zum Portal des Kungsleden. Langsam und gleichmäßig ziehen wir auf dem Weg zunächst durch den Wald. Mit etwa 20 kg im Rucksack und den Steigfellen schaffen wir höchstens ein Zehntel er erlaubten 30 km/h. Den starken Wind bei etwa -7 Grad haben wir schon am Vortag kennengelernt.

Bei Hemavan

Nach eineinhalb Stunden haben wir den Wald hinter uns, haben die Abfahrtshänge passiert und erreichen den für heute höchsten Punkt der Strecke.

Umeälv bei Hemavan

Für eine Weile genießen wir trotz des Windes den wunderschönen Blick auf den Umeälven, das Tal und die Berge im Westen, und wir ziehen die Steigfelle ab. Es sieht so aus, als hätten wir die Steigungen hinter uns.

Aber wir können nur ein kurzes Stück abfahren, dann müssen wir einige Hügel queren. Zwei sind so steil, daß wir mit den Skiern nicht mehr vorankommen, weil die Schuppen auf dem harten Altschnee nicht greifen. Wir ziehen die Ski ab und gehen zu Fuß. Werden wir uns auf der ganzen Tour so abmühen müssen ? Wenn wir jetzt umdrehen, könnten wir in einer Stunde wieder zurück im Hotel sein. Nachdem wir die Hügel und Aussichtspunkte überquert haben, stellen wir fest, daß die Skooter etwas weiter unten im Tal anscheinend eine wesentlich einfachere Strecke haben. Aber - wir wollen ja den Kungsleden gehen...

Kungsleden bei Hemavan

Wir sind heute die einzigen, die den Weg mit Ski und Rucksack gehen. Alle anderen haben es einfacher, sie benutzen den Skilift für den Aufstieg, den Skooter für die Fortbewegung, lassen sich vom Skooter ziehen, sitzen im bandvagn, lassen sich vom bandvagn ziehen, oder machen nur eine Tagestour ohne Gepäck.

Weg zur Viterskalstugan

Endlich geht es wieder hinunter in das flache Tal, und der Weg ist jetzt viel einfacher. Außerdem sieht es hier so aus, wie wir es vom nördlichen Kungsleden her kennen, und wir beginnen nun doch noch, die Tour zu genießen. Nach zwei weiteren Kilometern erreichen wir Viterskalstugan.

Karl-Göran, der stugvärd, heißt uns willkommen, und er freut sich, Gäste zu haben. Der Zehn-Bett-Raum ist geheizt, und wir nehmen darin zwei Betten. Andere Skifahrer werden heute nicht mehr erwartet. Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Schwedisch und Englisch. Karl-Göran hat viel erlebt, er war einige Jahre in Såmmarlappa auf dem Padjelantaleden, er zeigt uns Bilder und wir hören Geschichten zu. Das Außenthermometer zeigt -11 C, aber hier in der Hütte ist es schön warm.

Viterskalstugan

Der Abend kommt. Das Thermometer steht jetzt bei -17 C, und es bläst ein starker Wind. Zu Hause würde ich das einen Sturm nennen, aber hier ist es wohl nicht so ungewöhnlich. Der Wind treibt den Schnee durch das Tal, der Himmel ist klar. Für die Nacht werden -21 C erwartet. Wir machen noch einen kurzen Spaziergang um die Hütte und fotografieren etwas, aber jetzt ist es wirklich zu kalt und windig, um lange draußen zu bleiben. Außer, vielleicht, wenn man auf einer Skitour ist.

Tag 2 (Viterskalet - Syter, 11 km)

Vom Geräusch des Windes her, der um die Hütte bläst, weiß ich schon beim Aufwachen, daß sich über Nacht nichts verbessert hat. Wetter ist hier auch eine lokale Angelegenheit, ein paar Kilometer weiter kann es ganz anders aussehen. Ich stehe auf und sehe aus dem Fenster. Schnee treibt das Tal entlang. Ein dunkelgrauer Himmel und -14 C. Der Wetterbericht kündigt Wind von 2 bis 4 m/s an, aber ich würde das hier eher für 10 m/s halten. Starker Wind ist hier in diesem Tal geradezu typisch, erklärt uns Karl-Göran, die Wettervorhersage spielt dabei keine Rolle. Üblicherweise ist es Westwind, und den hätten wir dann im Rücken. Leider ist es heute Ostwind. Wird es später am Tag besser werden ? Nein, meint Karl-Göran. Gegen 10 Uhr sind wir fertig, ziehen alle warmen Kleider an und verlassen die Hütte.

Im Syterskalet

Die Spur wendet sich in das Syterskalet (Tal) mit einer leichten Steigung. Der Weg ist einfach, der Schnee ist weich und damit günstig für unsere Ski, und wir versuchen den gleichen langsamen und gleichmäßigen Schritt zu halten wie am Vortag. Carola ist kurz hinter mir, doch wegen des Windgeräuschs und der Kapuze können wir nur miteinander sprechen, wenn wir stehenbleiben. Meistens sehe ich einige Meter vor mir auf den Boden und prüfe nur von Zeit zu Zeit die Richtung an Hand der Markierungen. Dann noch ein kurzer Blick zurück, um zu sehen, ob Carola immer noch hinter mir ist. Gut sind die Bedingungen nicht, aber auch nicht schlecht. Einundeinehalbe Stunde ohne viel Veränderung. Kein Skooter heute, wir sind ganz alleine.

Jetzt erreichen wir das Ende des Tals, und wir sehen eine renvaktarstuga am höchsten Punkt. Für einen Moment läßt der Wind etwas nach, und wir machen eine kurze Pause, um etwas zu essen. Wir rechnen damit, daß der Wind wieder einsetzt, wenn wir aus dem Tal herauskommen und die offene Ebene erreichen. Doch das Gegenteil ist der Fall, offensichtlich bündelt das Tal den Wind wie ein Tunnel, und außerhalb wird es plötzlich ganz windstill.

Syterskalet

Ein Blick zurück auf das Syterskalet zeigt die perfekte Form, die von Eiszeitgletschern gestaltet wurde. Der Weg führt auf 2 km etwa 150 m abwärts zu einer Gabelung, um dann nach links wieder 200 m anzusteigen. Karl-Göran hatte uns geraten, auf der Höhe zu bleiben und abzukürzen, aber da es keine Spur gibt, folgen wir dem markierten Weg.

Abfahrt nach Syterstugan

Ein langgezogener Abhang, manchmal etwas zu steil für unsere technischen Fähigkeiten, führt hinab nach Syter. Der stugvärd zeigt uns unseren Raum, der schon beheizt ist, denn er hatte bereits erfahren, daß wir kommen würden. Es ist sonnig bei -14 C. Wie in Viterskalstugan sind wir hier ebenfalls die einzigen Gäste. Es gibt eine Schätzung von insgesamt 300 Besuchern im Winter und etwa doppelt so vielen im Sommer, nicht sehr viel, verglichen mit den 12000 Gästen pro Jahr in Abisko. Der Abend ist friedlich und ruhig, wir denken nicht mehr an Wind und Wetter. Wir genießen einfach nur, hier zu sein, wo alle Gedanken an beruflichen Streß und die Probleme der Zivilisation weit weg sind. Einige Bilder sollen etwas von der Stimmung an diesem Abend in Syter vermitteln.

Tag 3 (Syterstugan - Tärnastugan, 14 km)

Wir erwachen bei Sonnenschein und -14 C. Ein leichtes Gefälle von 150 m auf 4 km und 10 flache Kilometer auf einem See erwarten uns, und wir nehmen an, daß es eine leichte Etappe sein wird. Nicht weit von Syterstugan treffen wir auf das Hundeschlittenrennen Ammarnäs - Hemavan - Ammarnäs. Anfangs bleiben wir bei jedem Schlitten stehen und lassen sie auf den schmaleren Stellen des Weges passieren, aber so kommen wir nicht voran. Nach dem zehnten Schlitten versuchen wir einen eigenen Weg neben der Spur zu gehen. Ich zähle insgesamt 21 Schlitten und etwa noch einmal so viele Skooter.

Wir erreichen das Seeufer. Der Kungsleden ist entlang der Hügel am östlichen Seeufer markiert, aber er ist unbenutzt. Stattdessen ist eine Spur auf dem See abgesteckt. Vor einer Woche stand hier noch Wasser auf dem Eis, aber jetzt ist es wieder gefroren und mit Schnee bedeckt.

Auf dem Tärnasjö

Acht Kilometer sind noch auf dem See zu gehen. Ich denke, daß man hier am deutlichsten die Weite von Nordschweden spürt. Wir treffen einige Skooter, aber die meiste Zeit sind wir hier alleine. Es ist kalt auf dem See, der Himmel hat sich mit Wolken bedeckt. Wir ziehen ruhig dahin, von Zeit zu Zeit prüfe ich den Abstand von der Hütte mit dem GPS. Gegen drei Uhr nachmittags ändert sich das Wetter plötzlich, die Sonne kommt heraus, und wir erreichen die Hütte.

Henk, der stugvärd in Tärnastugan, ist aus den Niederlanden. Er hat sehr viele Wanderungen und Skitouren in Skandinavien unternommen, und dies ist sein erster Job als stugvärd. Wir unterhalten uns eine Zeitlang, aber er hat Arbeiten zu machen. Eine Gruppe mit Skootern ist für den Abend angekündigt. Wir bereiten uns ein Abendessen, bevor die Skooter ankommen. Sie kommen gut vorbereitet, mit einem Sixpack Bier für jeden und einigen Flaschen brennbarer Flüssigkeit - nein, kein Spiritus für den Kocher - brennbar, aber noch trinkbar.

Wir wollten die Sauna nicht für uns drei Skifahrer anheizen, aber die norwegische Gruppe möchte auch in die Sauna, und so wird Henk sie auf jeden Fall anheizen. Um 20.30 Uhr sitzen Henk, der andere Skifahrer und wir in der Sauna und reiben uns danach mit Schnee ab.

Gegen 22 Uhr fährt die Gruppe mit Skootern in die Sauna. Richtig, sie fährt, offensichtlich sind die 50 m nach einem anstrengenden Tag zu weit. Einige der Skooter sind schwer zu starten, bei Temperaturen von jetzt -15 C, aber mit etwas gegenseitiger Hilfe kommen alle in Gang. Kurz nach Mitternacht kommen die letzten zurück, und nun ist es völlig still in Tärnastugan.

Tag 4 (Tärnastugan - Serve, 14 km)

Ich heize um 7 Uhr den Ofen in unserem Raum an, wir stehen eine halbe Stunde später auf, frühstücken und sind gegen 9 Uhr fertig zum Start. Die Gruppe mit Skootern fährt heute nach Ammarnäs und am Nachmittag zurück nach Tärnaby. die ersten vier Kilometer auf einer separaten Spur nördlich des markierten Skiweges. Unser Ziel ist wesentlich bescheidener, 14 km über ein Hochland bis Servestugan. Leider muß Henk uns ankündigen, daß es im kalfjäll starken Wind geben wird. Wir werden sehen.

Bei Tärnastugan

Es ist kalt, wieder -14 C, aber sonnig, und so haben wir hier bei Windstille im Wald den Eindruck eines richtig warmen Tages. Mit leichter Kleidung gehen wir an den Aufstieg von 300 m, dann werden wir die Baumgrenze erreichen.

Die Rucksäcke sind jetzt leichter, aber trotzdem bleiben wir nach einer Viertelstunde stehen, um die Steigfelle aufzuziehen. Es lohnt sich, denn jetzt geht in dem harten Schnee wesentlich einfacher.

Norra Storfjället

Der Aufstieg dauert etwa eine Stunde. Wir haben die Baumgrenze hinter uns, und nun bläst uns der angekündigte Wind entgegen. Nach rückwärts haben wir einen hervorragenden Ausblick auf die Berge. Ich überlege kurz und ziehe schnell eine zusätzliche Schicht Kleidung an. Carola wartet, sie ist verschwitzt, und hofft erst noch etwas trockener zu werden. Der Himmel ist blau und die Sonne strahlt, doch der Wind ist stärker als vor zwei Tagen in Viterskalstugan. Obwohl es nun flach wird, behalten wir die Steigfelle auf den Skiern. Sie erleichtern uns das Vorankommen, allerdings sind wir unter diesen Bedingungen höchstens noch mit 3 km/h unterwegs. Nach einer Weile machen wir wieder eine kleine Pause, und auch Carola zieht noch eine Schicht über.

Auf dem Weg nach Servestugan

Nach einer Stunde läßt der Wind plötzlich nach, und wir genießen gutes Wetter, Sonnenschein und die schöne Landschaft, die wir durchqueren. Noch ein paar Kilometer einfacher Strecke, und eine leichte Abfahrt führt hinunter nach Serve.

Bei Servestugan

Inger, sie ist stugvärd in Serve, zeigt uns unseren Raum, in dem der Ofen bereits angeheizt ist, denn sie wußte schon, daß zwei Skifahrer kommen würden. Alles hier auf Serve ist sehr gut organisiert und richtig nett. Wir fotografieren Inger.

"Motionera även armena" (bewege auch die Arme), ein Schild am Holzschuppen soll hauptsächlich die Sommerwanderer motivieren, aber ich säge soviel Holz, daß es für den Aufenthaltsraum und die Küche reicht. Nur ein weiteres Paar ist in der Hütte, sie sind auf fjällripa-Jagd. Sie lassen sich von zwei großen Jagdhunden ziehen, und wenn sie auf Tour gehen, erreichen sie leicht die doppelte Geschwindigkeit wie wir.

Tag 5 (Servestugan - Ammarnäs, 22 km)

Von Serve aus führt ein Zweig des Kungsleden wieder in die Berge auf über 1000 m, eine Strecke von 19 km bis nach Aigertstugan mit einer Folge von +300, -60, +160, -300 m Anstiegen und Abfahrten. Das Wetter ist nicht gut, die Vorhersage gibt wiederum starken Wind im kalfäll an, und wir sehen keine Spuren, denn es ist in den letzten Tagen niemand diesen Weg gegangen. Außerdem ist Schneefall angekündigt. Ich nehme an, daß der Hüttenwirt auf Aigertstugan noch weniger Gäste hat als die anderen...

Wir entscheiden uns, den längeren, aber einfacheren Zweig des Kungsleden durch das Tal über den See zu nehmen. Nach 4 miserablen Kilometern über einen ausgefahrenen und holprigen Skooterweg durch den Wald sind wir am Seeufer. Wie am Tärnasjö ist der markierte Weg am Seeufer entlang unbenutzt, und wir folgen den aktuellen Markierungen auf den See hinaus. Die Spur ist leicht zu gehen, die Sonne scheint, es ist wenig Skooter-Verkehr, und wir kommen ohne große Anstrengung voran. Um 12 km auf einem See zu gehen, braucht man vor allem Geduld.

Auf dem Tjulträsk

Eine Stunde später hat sich der Himmel bedeckt und es fällt etwas Schnee. Es wird kälter. Eine weitere Stunde vergeht. Wir kommen zu einem Parkplatz 7 km von Ammarnäs, der das Ende der Straße markiert. Wir haben jetzt die Wahl, auf der Straße zu wandern oder auf den See zu bleiben. Wir wählen den See.

Zufluss des Tjulträsk

Der See endet jedoch bald und der Fluß ist nicht gefroren. Der Weg steigt nun in einen Wald auf, und wir sind wieder auf einem holprigen, abgefahrenen Skooterweg.

Der Weg zieht sich jetzt. Knappe 20 km haben wir vielleicht hinter uns. Ammarnäs liegt außerhalb des Waldes auf der anderen Seite des Flusses. Irgendwie müssen wir dorthin kommen. Das Dorf ist eine langgestreckte lockere Ansammlung von Häusern, die sich über mehrere Kilometer am Fluß entlang zieht, und wir wissen nicht, wo das Vandrarhem ist.

Wir treffen auf eine präparierte Langlaufspur, die zum Dorf zu führen scheint. Wenn wir Pech haben, können wir leicht 2 oder 3 Extra-Kilometer zu den 22 hinzufügen, und dazu haben wir wenig Lust. Aber es ist die richtige Spur, und ein Schild zeigt zu "Bensin Macken". Obgleich wir keines benötigen, folgen wir dem Schild über eine Brücke, und nach kurzer Zeit sind wir an der Straße und nicht weit vom Vandrarhem entfernt.

Jonsstugan

Wir genießen gern den Stil und die Bequemlichkeit eines skandinavischen Hotels nach einer Tour, und wahrscheinlich wäre auch das Ammarnäsgarden Hotel ein guter Platz, um sich auszuruhen. Aber sind wir nicht STF-Mitglieder ? Und Inger von Servestugan hat uns schon bei dem Paar angekündigt, welches das STF Vandrarhem betreut. So nehmen wir den Weg dorthin. Es zeigt sich, daß das Heim ein wirklich angenehmer Platz ist. Alle Menschen, die man auf einer solchen Tour trifft, sind normalerweise freundlich, aber diese sind es ganz besonders. Wir gehen in die Sauna, spazieren durch das Dorf, kaufen ein paar Sachen beim ICA und genießen anschließend ein wirklich gutes und preiswertes Dagens Rätt. Den Whisky testen wir nicht, obwohl Jonsstugan für seine Auswahl bekannt ist. Wir müssen am nächsten Morgen den 7-Uhr-Bus nehmen, und so müssen wir früh ins Bett.

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