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Flora und Pflanzengesellschaften des Lahntals (II)

Von Günther Kunzmann

 

3. Bemerkenswerte Pflanzenarten der Lahnaue

Unter den mehr als 430 Pflanzenarten des Lahntals gibt es eine Reihe von Arten, die aus unterschiedlichen Gründen besonders hervorzuheben sind. In erster Linie ist an die 29 Arten zu denken, die auf Grund ihrer Seltenheit in die Roten Listen der gefährdeten Pflanzen Hessens (KALHEBER et al. 1980) bzw. der Bundesrepublik Deutschland (KORNECK & SUKOPP 1988) aufgenommen wurden. Diese Arten sind, unter Angabe der Gefährdungskategorie, in der Tabelle aufgeführt. Sie haben, mit Ausnahme des Langblättrigen Ehrenpreis, weder auffällige Blüten noch sind sie auf andere Weise besonders attraktiv und deshalb nicht durch Sammeltätigkeit oder Blumenpflücker bedroht. Die Gefährdung ist vielmehr auf ihre speziellen Standortsansprüche, die Veränderung oder Zerstörung ihrer Standorte oder die Intensitätssteigerung der landwirtschaftlichen Nutzung zurückzuführen. Bei der folgenden Vorstellung werden die Verbreitung der Arten im Lahntal und die Gefährdungspotentiale angesprochen. Auf genaue Angabe der Wuchsorte wird jedoch verzichtet, um für diese Pflanzen keine zusätzliche Bedrohung zu provozieren.

Ausschließlich im Wasser lebende Pflanzen sind in der Lahn unterhalb von Gießen aufgrund der schlechten Wasserqualität ausgesprochen selten. Das Kamm - Laichkraut (Potamogeton pectinatus), z. B. bei der Dutenhofener Lahnbrücke wachsend, weist auf den starken Verschmutzungsgrad dieses Fließgewässers hin. Das Zwerg - Laichkraut (Potamogeton pusillus), welches vorwiegend in den stehenden, durch die Auskiesung entstandenen Gewässern wächst, weist ebenfalls auf die minderwertige Gewässergüte hin. 1989 konnte diese Art in einem durch den Kiesabbau entstandenen Tümpel in der Gemarkung Dutenhofen in sehr großer Zahl nachgewiesen werden.

Das Mauer - Felsenblümchen (Draba muralis) kann für das Gießener Lahntal als botanische Besonderheit bezeichnet werden. In Hessen wurde diese Art bisher lediglich in den südlichen Landesteilen, im Taunus und im Gebiet der oberen Lahn (Raum Biedenkopf) gefunden (mündlich W. SCHNEDLER 1990). Einige wenige Exemplare von Draba muralis wurden erstmals im April 1990 auch auf der mit Steinen befestigten Uferböschung der Lahn nahe der Dutenhofener Brücke beobachtet. Dies ist also der einzige bisher bekannte Wuchsort des Mauer - Felsenblümchens im Bereich des Mittellaufs der Lahn.

Am Fundort von Draba muralis wachsen mit dem Steifen Barbarakraut (Barbarea stricta), dem Ufer - Schachtelhalm (Equisetum x litorale) und dem Graugrünen Weidenröschen (Epilobium lamyi) drei weitere als gefährdet eingestufte Arten. Vereinzelt treten diese Pflanzen auch im Ackerbaugebiet südlich von Atzbach am Rande der Gräben auf.

Vier Rote - Liste - Arten kommen ausschließlich auf Ackerflächen vor. Es sind dies: die Kornblume (Centaurea cyanus), die Saat-Wucherblume (Chrysanthemum segetum), der Acker - Hahnenfuß (Ranunculus arvensis) und der Acker - Ziest (Stachys arvensis). Da diese Ackerwildkräuter in dichten Kulturpflanzenbeständen kaum existieren können, sind sie auf Grund der intensiven ackerbaulichen Nutzung im gesamten Gebiet sehr selten. Im Frühjahr kann auf verschlämmten und verdichteten Ackerkrumen das Mäuseschwänzchen (Myosurus minimus) angetroffen werden. Dieses unscheinbare Hahnenfußgewächs tritt jedoch nicht nur auf Äckern, sondern auch auf anderen Standorten mit verdichteter Bodenoberfläche auf.

Ebenfalls im zeitigen Frühjahr, noch bevor das Wachstum der meisten Grünlandpflanzen einsetzt, hat der Wiesen - Goldstern (Gagea pratensis) seine Entwicklung nahezu abgeschlossen. In der Lahnaue ist dieses sehr früh blühende Liliengewächs (Blütezeit März – April) nur unter älteren Obstbäumen auf Weideflächen in der Gemarkung Heuchelheim zu finden.

Pflanzenarten der Roten Liste Hessens bzw. der Bundesrepublik Deutschland mit Vorkommen in der Lahnaue

 wissenschaftlicher Name deutscher Name Gefährdungs- grad nach Rote Liste Hessen Gefährdungs- grad nach Rote Liste BRD
 Lythrum hyssopifolia  Ysop-Weiderich

0

2
 Carex vulpina  Fuchs-Segge

2

3
 Chenopodium
opulifolium
 Schneeballblättriger
Gänsefuß

2

3
 Veronica longifolia  Langblättriger Ehrenpreis

2

3
 Barbarea stricta  Steifes Barbarakraut

2

 Carex tomentosa   Filzige Segge

2

 Ranunculus arvensis  Acker-Hahnenfuß

3

2
 Bromus racemosus  Trauben-Trespe

3

3
 Eleocharis mamillata  Zitzen-Sumpfsimse

3

3
 Sagina micropetala  Aufrechtes Mastkraut

3

3
 Stachys arvensis  Acker-Ziest

3

3
 Carex vesicaria  Blasen-Segge

3

 Chrysanthemum
segetum
 Saat-Wucherblume

3

 Eleocharis uniglumis  Einspelzige Sumpfsimse

3

  Epilobium lamyi  Graugrünes Weidenröschen

3

 Myosurus minimus  Mäuseschwänzchen

3

 Potamogeton pusillus  Zwerg-Laichkraut

3

 Rumex palustris  Sumpf-Ampfer

3

 Schoenoplectus
tabernaemontani
 Graue Seebinse

3

 Senecio aquaticus  Wasser-Greiskraut

3

 Stellaria palustris Sumpf-Sternmiere

3

  Barbarea intermedia  Mittleres Barbarakraut

4

 Carex riparia  Ufer-Segge

4

 Draba muralis  Mauer-Felsenblümchen

4

 Equisetum x litorale  Ufer-Schachtelhalm

4

 Gagea pratensis  Wiesen-Goldstern

3
 Gypsophila muralis  Mauer-Gipskraut

3
 Ranunculus sardous  Rauhhaariger Hahnenfuß

3
 Centaurea cyanus  Kornblume

4
  Gefährdungsgrade:
0 = ausgestorben oder verschollen
1 = vom Aussterben bedroht
2 = stark gefährdet
3 = gefährdet
4 = potentiell gefährdet
   

 

Acht der 29 Rote - Liste - Arten wachsen in den Grünlandgesellschaften der feuchten bis nassen Standorte; vier davon gehören zur Familie der Riedgräser (Cyperaceae). Im einzelnen sind dies:

Die Blasen-Segge (Carex vesicaria), ein bis zu 1 m hohes Sauergras mit hellgrünen Blättern und scharfkantigen, am Grunde rotgefärbten Stengeln. Im Lahntal wächst die Blasen - Segge noch an mehreren Stellen im Grünland, aber auch in Gräben.

Die Fuchs-Segge (Carex vulpina) ähnelt nach Form und Farbe der Blätter und mit ihren ebenfalls scharfkantigen Stengeln der Blasen - Segge, kann jedoch auf Grund ihres horstförmigen Wuchses nicht mit dieser verwechselt werden. Sie wächst bevorzugt in häufig über-fluteten und für längere Zeit mit Wasser gefüllten Mulden und in Gräben. Im Lahntal tritt diese Art noch in mehreren Gräben auf, ist regelmäßig in den Flutrasen - Gesellschaften vertreten oder bildet das zu dieser Pflanzenformation gehörende Fuchsseggen-Ried (s. o.).

Zitzen - Sumpfsimse (Eleocharis mamillata) und Einspelzige Sumpfbinse (E. uniglumis) zählen ebenfalls zur Familie der Riedgräser, auch wenn sie nach ihrem Erscheinungsbild den Binsen ähneln. Bei E. mamillata sind die schnittlauchartigen Stengel hellgrün und weich, bei E. uniglumis glänzend dunkelgrün und fest. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind: große, dicke Ähren bei der Zitzen-Sumpfsimse und kleine, dünne, von nur einem Hochblatt getragene Blütenstände bei der Einspelzigen Sumpfsimse. Im Gegensatz zu den Binsen der Gattung Juncus mit seitlich entspringenden Blütenständen, sitzen die Ähren bei den Eleocharis - Arten am Triebende. Von der Zitzen - Sumpfsimse konnten im Lahntal nur wenige Pflanzen an zwei Stellen in der Gemarkung Atzbach nachgewiesen werden. Die Einspelzige Sumpfsimse ist dagegen im gesamten nördlichen Auenbereich (Nähe Kahntgraben) noch sehr zahlreich vorhanden.

Diese vier Riedgräser kommen ausschließlich auf stark vernäßten Standorten vor. Da sie vorwiegend im Wirtschaftsgrünland wachsen, sind sie also nicht durch die in der bisherigen Weise durchgeführte landwirtschaftliche Nutzung gefährdet. Ihre größte Bedrohung ist in der Absenkung des Grundwassers und in der Zerstörung ihrer Standorte, z. B. Verfüllen der Mulden (Standorte der Flutrasen), zu sehen.

Die gleichen Standortsansprüche und somit das gleiche Gefährdungspotential gelten auch für die Sumpf - Sternmiere (Stellaria palustris). Dieses Nelkengewächs konnte im Grünland bisher nur an einer Stelle in der Gemarkung Kinzenbach nachgewiesen werden. In ihrer Begleitung wuchsen u.a. die Einspelzige Sumpf-Simse und die Fuchs-Segge. Größere Vorkommen der Sumpf-Sternmiere finden sich an mehreren Stellen im Kahntgra-ben.

Die Trauben-Trespe (Bromus racemosus) aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) ist nur im Frühsommer im ersten Aufwuchs anzutreffen. Die sichere Unterscheidung von der viel häufigeren Weichen Trespe (Bromus mollis) kann nur an Hand von Blütenmerkmalen getroffen werden. Voraussetzung für den Fortbestand dieses Grases in den Lahnwiesen sind unveränderte Grundwasserverhältnisse und der weiterhin sparsame Umgang mit Dünger, da höheres Nährstoffangebot den Wuchs der Obergräser fördert und gleichzeitig zur Verdrängung dieser konkurrenzschwachen Art führt. Eine mögliche Gefährdung des Wasser - Greiskrautes (Senecio aquaticus) ist dagegen ausschließlich in der Absenkung des Grundwasserspiegels zu sehen; auf Bewirtschaftungseinflüsse reagiert diese Art relativ unempfindlich. Im Gegensatz zur Trauben - Trespe erlangt das Wasser - Greiskraut erst im Hochsommer den Höhepunkt seiner Entwicklung und bestimmt dann auf den nassen Standorten mit seinen leuchtend gelben Blüten den Aspekt des zweiten oder dritten Aufwuchses. Trauben - Trespe und Wasser - Greiskraut sind im Feuchtgrünland im Nordteil der Lahnaue noch relativ zahlreich vertreten.

Filzige Segge (Carex tomentosa) und Ufer - Segge (Carex riparia) wachsen in der Lahnaue ausschließlich in oder an Entwässerungsgräben der Gemarkung Heuchelheim: Carex riparia erreicht dort Wuchshöhen von ca. 150 cm und bildet eine eigene Gesellschaft, das Uferseggen-Ried, aus. Da sich die nur 20 bis 30 cm hohe Filzige Segge im gedüngten Grünland nicht gegen die raschwüchsigen Obergräser behaupten kann, tritt sie nur an Gräben auf, die an nährstoffarme Wiesenflächen angrenzen. Um diese in Hessen hochgradig gefährdete Art in der Lahnaue zu erhalten, ist es deshalb notwendig, auch weiterhin bestimmte Wiesenbereiche nicht oder nur sehr wenig zu düngen.

Bis Mitte der 80er Jahre war das unregelmäßig genutzte Grünland in der Nähe der Dutenhofener Lahnbrücke der Wuchsort des Langblättrigen Ehrenpreis (Veronica longifolia). Mit Beginn der Auskiesung in diesem Bereich wurde das dortige Vorkommen dieser Staude, die hier mit ihren leuchtenden blauen, ährenförmigen Blütenständen zu den auffälligsten Pflanzen der Lahnaue zählt, vernichtet. Lediglich im Südteil der Gemarkungen Heuchelheim und Kinzenbach konnten 1990 noch einige Exemplare des Langblättrigen Ehrenpreis gefunden werden.

Für den ebenfalls nahe der Lahnbrücke wachsenden Schneeballblättrigen Gänsefuß (Chenopodium opulifolium) bedeutete der Beginn der Auskiesung in der Gemarkung Dutenhofen das Ende seines Vorkommens in der Lahnaue. Trotz wiederholter Suche konnte der Schneeballblättrige Gänsefuß in den letzten Jahren in diesem Gebiet nicht mehr gefunden werden. Da das Vorkommen dieser Art in der Mitte und im Süden Deutschlands auf die warmen Tieflagen der großen Flußtäler beschränkt ist und solche Gebiete besonders stark durch Eingriffe in den Naturhaushalt in Anspruch genommen werden, werden die ohnehin stark gefährdeten Bestände dieser Art weiter dezimiert.

Auch wenn die Veränderung der Landschaft für die Auslöschung bestimmter Pflanzenpopulationen verantwortlich ist, darf nicht vergessen werden, daß dadurch gleichzeitig die Standortsvielfalt eines Gebietes erhöht wird. Durch Schaffung von vegetationslosen Flächen und Bodenstörungen werden Voraussetzungen für die Existenz von Arten geschaffen bzw. erhalten, die auf derartige Standorte angewiesen sind. Dieser an sich positive Aspekt darf jedoch nicht überbewertet werden, da er stets zu Lasten der gebietstypischen Vegetation geht. Im Lahntal können heute auf den nahezu vegetationsfreien Kies- und Schlammböden in und an der ehemaligen Kiesgrube östlich des Verbindungsweges zwischen Atzbach und Dutenhofen ebenfalls seltene Arten angetroffen werden. Auf der schlammigen Sohle der Grube stehen mehrere Exemplare des Sumpf - Ampfers (Rumex palustris). An gleicher Stelle treten die nicht als gefährdet eingestuften, aber dennoch seltenen Arten Strand - Ampfer (Rumex maritimus) und Großer Wasserfenchel (Oenanthe aquatica) zahlreich auf. In der Nachbarschaft der beiden Ampferarten wächst die bis 1,5 m hohe Graue Seebinse (Schoenoplectus tabernaemontani). Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Pflanze ist der norddeutsche Raum; im Binnenland kommt sie nur gelegentlich auf schlammigen Böden vor.

Auf den trockeneren Stellen der Grubensohle wachsen der Rauhhaarige Hahnenfuß (Ranunculus sardous) und das Mauer - Gipskraut (Gypsophila muralis). Die letztgenannte, zu den Nelkengewächsen gehörende Art bildete hier im Sommer 1989 ausgedehnte Bestände. Beide Arten gelten in Hessen nicht als bedroht, sind jedoch in der Roten Liste für das Gebiet der Bundesrepublik (KORNECK & SUKOPP 1988) als gefährdet eingestuft. Rauhhaariger Hahnenfuß und Mauer - Gipskraut wachsen in der Umgebung der Kiesgrube auch auf Ackerflächen, dort vor allem bei Krumenverdichtung oder Verschlämmung der Bodenoberfläche sowie in tiefen, für längere Zeit feuchten Furchen entlang der Parzellengrenzen. Am Rande der Grube kann vereinzelt das nur wenige Zentimeter hohe, moosähnliche Aufrechte Mastkraut (Sagina micropetala) angetroffen werden. Diese Art besiedelt ebenso wie das Mittlere Barbarakraut (Barbarea intermedia), das bisher an einer Stelle in der Gemarkung Atzbach gefunden wurde, offene kiesig - sandige Böden.

Auf verdichteten Rohböden des 1989 in Abbau befindlichen Kiesgewinnungsgebiets in der Gemarkung Atzbach wuchsen mit dem Mäuseschwänzchen (Myosurus minimus; schriftliche Mitteilung von W. THUM, Heu-chelheim 1990) und dem Ufer - Schachtelhalm (Equisetum x litorale) zwei weitere Arten der Roten Liste Hessens.

Ysop-Weiderich (Lythrum hyssopifolia)

Die bemerkenswerteste Pflanzenart der Lahnaue ist der Ysop - Weiderich (Lythrum hyssopifolia). Im August 1984 wurden in der Gemarkung Atzbach mehr als 20 blühende und fruchtende Exemplare dieser Art gefunden. Die etwa 10 cm hohen unscheinbaren Pflanzen mit 2 bis 3 mm langen blaßroten Blüten wuchsen dort in einer seichten Mulde, die auf Grund des verdichte ten Oberbodens und fehlender Abflußmöglichkeit mit Wasser gefüllt war. Die lückige Begleitvegetation bestand aus Arten der Flutrasen sowie einigen typischen Pflanzen der Zweizahn- und der Krötenbinsen - Gesellschaften (s. o. Abschnitte 2b, 2d und 2e). In den Folgejahren wurde der Ysop - Weiderich in der Lahnaue nicht mehr beobachtet. Dies muß jedoch nicht bedeuten, daß diese Art aus dem Lahntal verschwunden ist. Ein weiterer Grund für seine Seltenheit kann neben seinem unscheinbaren Aussehen darin gesehen werden, daß sich diese einjährige Art nicht in jedem Jahr, sondern nur bei entsprechendem Witterungsverlauf zeigt. 1990, also 6 Jahre nach dem ersten Nachweis, wurde der Ysop - Weiderich erneut in der Lahn-aue gefunden, und zwar auf einer Ackerfläche in 400 m Entfernung vom Fundort von 1984. Ähnliche Beobachtungen wurden auch an anderen bekannten Wuchsorten des Ysop - Weiderichs gemacht, wo es z. T. über 10 Jahre dauerte, bis diese Art erneut auftauchte.

Allgemein ist der Ysop - Weiderich nicht sehr weit verbreitet, was auch an den Gefährdungskategorien (s. Tabelle) abzulesen ist. Für Hessen sind aus den letzten Jahren nur etwa fünf Vorkommen bekannt. Diese liegen stets in den wärmebegünstigten Tieflagen großer Flüsse (mündlich W. SCHNEDLER 1989). Für die Erhaltung des Ysop - Weiderichs ist es wichtig, die Standortsansprüche dieser Art zu kennen und entsprechend zu berücksichtigen. Sowohl die Standortsverhältnisse als auch die Begleitvegetation am Wuchsort im Lahntal können als für diese Art typisch bezeichnet werden. Soll der Ysop - Weiderich in der Lahnaue erhalten werden, dürfen Standorte, die als möglicher Wuchsort in Frage kommen, nicht verändert oder zerstört werden. Konkret bedeutet dies, daß vernäßte Mulden mit lückiger, kurzwüchsiger Vegetation und krumenfeuchte Äcker unverändert zu erhalten sind.

Neben den 29 o. g. Arten der Roten Listen könnte eine Reihe weiterer Pflanzen als floristische Besonderheit des Lahntales genannt werden, entweder weil sie allgemein selten sind oder weil Vorkommen solcher Arten in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Flußauen heute nicht mehr selbstverständlich sind. Besonders dünger-empfindliche Grünlandpflanzen verschwinden zusehends aus den Wiesen. Im Lahntal gibt es jedoch noch viele dieser sog. “Magerkeitszeiger”. Hier treten neben den be-reits im Zusammenhang mit den Pflanzengesellschaften erwähnten düngerfliehenden Arten (s. Abschnitt 2e) in extensiv genutzten Wiesen auf feuchten und nassen Standorten noch folgende Magerkeitszeiger auf: Heil - Ziest (Betonica officinalis), Pfeifengras (Molinia coerulea) sowie Braun- und Hirsen - Segge (Carex fusca und C. panicea).

Auch außerhalb des Grünlandes können weitere seltene Arten angetroffen werden. Am Standort des Ysop - Weiderichs konnten 1989 und 1990 mehr als 50 Exemplare des Schild - Ehrenpreis (Veronica scutellata) gefunden werden, und auf der Sohle der ehemaligen Kiesgrube südlich von Atzbach wachsen neben den bereits erwähnten Strand - Ampfer (Rumex maritimus) und Großer Wasserfenchel (Oenanthe aquatica) mit dem Sumpf - Quendel (Peplis portula) und dem Donau - Knöterich (Polygonum brittingeri) zwei weitere bemerkenswerte Pflanzenarten. Erwähnenswert ist auch das Vorkommen des Dreiblättrigen Ehrenpreis (Veronica triphyllos) auf einigen Ackerflächen in der Gemarkung Heuchelheim.

Insgesamt zeigt sich die Vegetation im Lahntal zwischen Atzbach, Dutenhofen und Heuchelheim in einem Zustand, wie sie in anderen Abschnitten des Lahntales und in vielen anderen Flußlandschaften heute nicht mehr anzutreffen ist. Sowohl die mehr als 430 verschiedenen Pflanzenarten als auch die Vielfalt der Pflanzengesellschaften sind Beleg für die reichhaltige und in weiten Teilen noch intakte Flora dieses Gebietes.

Literatur

KALHEBER, H., KORNECK, D., MÜLLER, R., NIESCHALK, A. u. CH., SAUER, H. & SEIBIG, A. 1980: Rote Liste der in Hessen ausgestorbenen, verschollenen und gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen. 2. Fassung, Stand 31.12.1979. Hrsgb.: Hess. Landesanstalt für Umwelt, Wiesbaden

KORNECK, D. & SUKOPP, H. 1988: Rote Liste der in der Bundesrepublik Deutschland ausgestorbenen, verschollenen und gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen und ihre Auswertung für den Arten- und Biotopschutz. Schriftenreihe für Vegetationskunde 19, 210 S., Bonn - Bad Godesberg

KUNZMANN, G. 1989: Der Ökologische Feuchtegrad als ein Kriterium zur Beurteilung von Grünlandstandorten - ein Vergleich bodenkundlicher und vegetationskundlicher Standortmerkmale. Diss. Univ. Gießen, Dissertationes Botanicae 134, 254 S., Berlin und Stuttgart

SCHNEDLER, W. 1989 und 1990 (zuständig für die floristische Kartierung in Hessen): mündliche Mitteilung


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