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Hana Highway, Maui

(1998)

Die Road 360 nach Hana am östlichen Ende von Maui ist keiner der üblichen amerikanischen Highways, sondern eher das Gegenteil.

"It's a nice day trip", sagte der Mann an der Kasse, als ich das kleine Buch über den Hana Highway kaufte. "But you have to get up very early. Bring some food for a picnic. Don't forget the sun tan. And fill your gas up, there's no gas on the way. And don't forget mosquito repellent, mosquitos can be terrible. And you should have warm clothes, it may be cold and rainy. And enjoy your trip, bring enough rolls of film...".

Also, offensichtlich war es doch etwas Besonderes, die 57 Meilen nach Hana zu fahren, von denen 39 Meilen kurvenreich und schmal sind. Die Straße führt an der Küste entlang, meist sieht man allerdings wenig von der Küste, man fährt vielmehr durch Wald.

Fährt man an einem Tag hin und zurück, ist es bei einer gesamten Fahrzeit (vom Hotel aus gerechnet) von vielleicht 4 bis 6 Stunden nicht möglich, viele von den Sehenwürdigkeiten an der Straße zu betrachten. Es gibt die Möglichkeit, sich zu beschränken und nur an den interessantesten Stellen einen Stop zu machen. Eine andere ist es, in Hana zu übernachten. Eine dritte Möglichkeit (dafür hatten wir uns entschieden) ist es, an einem ersten Tag zunächst Sightseeing auf den ersten 10 bis 12 Meilen zu machen, und die richtige Tour nach Hana dann an einem anderen Tag zu fahren.

Wir hatten noch ein paar Tage die Wettervorhersage für Hana beobachtet, um einen guten Tag abzuwarten, aber sie pendelte nur zwischen "mostly cloudy with a few showers" und "partly cloudy with a few showers" hin und her, sonst tat sich nichts.

Um 8:00 morgens fuhren wir in Kaanapali los. Um 9.00 hatten wir noch einmal in Kahului getankt und bogen Richtung Hana ab. Man fährt noch 16 Meilen auf der besseren Road 36, bis die Meilenmarkierung wieder auf null zurückspringt und ein Schild eine "narrow winding road next 36 miles" ankündigt.

Meistens gibt es einen markierten Mittelstreifen, manchmal aber auch nicht. Einige wenige einspurige Kurven fordern besondere Aufmerksamkeit. Nahezu jede einzelne Schlucht passiert man über eine "One Lane Bridge", wobei die Fahrer oft einen sekundenlangen Stop auf der Brücke machten, um dem Beifahrer einen schnellen Schuß mit der Videokamera zu ermöglichen.

An der Straße liegen viele exotische Gartenanlagen, die man besichtigen kann.Wir ließen sie aus Zeitgründen sämtlich aus und gaben uns mit der Wanderung zufrieden, die wir schon am Vortag auf dem Waikamoi Ridge Trail nahe dem Mile Marker 9 gemacht hatten.

Etwa in der Nähe des Mile Marker 17 verläuft die Straße wieder an der Küste, und es gibt einige Parkplätze, an denen man gute Aussicht hat.

Man passiert Wailea, einen abgeschiedenen Ort, in dem Prominente wohnen. Einige Botanische Gärten laden zu einem Besuch ein, z.B. das Keanae Arboretum. Der Waianapanapa State Park bietet schöne Wandermöglichkeiten. Unter anderem gibt es hier auch das größte Heiau, eine religiöse Statte der hawaiianischen Ureinwohner, zu besichtigen.

Etwa um 11.30 Uhr waren wir in Hana und besichtigten kurz die Stadt, bevor wir zum Hasegawa General Store am Ortsausgang weiterfuhren. Nach einem Imbiß ging es weiter Richtung Oheo Gulch.

Wir kamen allerdings nicht weit, denn bald mußten wir vor zwei quergestellten Polizeifahrzeugen anhalten.Ein Baum war umgefallen und lag quer über der Straße, was nach Auskunft der Polizisten gelegentlich vorkommt, besonders wenn der Boden von tagelangem Regen aufgeweicht ist.

Zunächst gab es eine vorsichtige Prognose von vielleicht zwei Stunden, bis die Durchfahrt wieder möglich sein sollte. Doch einige Angestellte des Forest Service hatten schon nach einer halben Stunde den Baum zerlegt und beiseite gezogen, und die Straße war wieder frei. Wir waren nun allerdings mit unserem Plan etwas im Verzug. Dennoch wollte ich nicht gern auf den Besuch des Grabes von Charles Lindbergh verzichten, das nur etwa 2 oder 3 Meilen hinter der Oheo Gulch auf einem kleinen Friedhof liegt.

Von dort fuhren wir zurück zur Kipahulu Ranger Station. Gegen 13.45 gingen wir auf die Wanderung. Von der 3 - Stunden - Tour kamen wir durchnäßt zurück und es hörte nicht auf zu regnen.

Gerade vor Ladenschluß bei Hasegawa (17.30) waren wir wieder dort und kauften noch einen Snack für die Rückfahrt. Wir benötigten genau eineinhalb Stunden für die 39 Meilen kurvenreicher Straße. Durch die reflektierenden Knöpfe auf dem Mittelstreifen und am Rand war es gar nicht so viel schlechter zu fahren als am Tag, und dazu konnte man Gegenverkehr schon von weitem kommen sehen. Einmal geriet ich in eine ziemlich große und tiefe Pfütze, und Sekunden später schaltete sich ein akustischer Alarm am Armaturenbrett ein. Eine Schrift leuchtete "Service Engine Soon", und der Motor stotterte etwas, vermutlich war irgendetwas naß geworden. Etwa 40 Meilen von Kahului entfernt blieb uns hier nichts übrig, als das zu ignorieren. Nach einiger Zeit verlor sich das Stottern wieder, die Lampe brannte weiter.

Ein Buch hatte davon geschwärmt, daß es bei Vollmond geradezu romantisch sein sollte, hier zu fahren. An irgendwelche Tips für Neumond mit anhaltendem Regen konnte ich mich nicht erinnern. Die Fotostops, die ich noch für die Rückfahrt geplant hatte, entfielen nun wegen der völligen Dunkelheit.

Um 19.00 Uhr waren wir wieder auf der "normalen" Straße und gegen 20 Uhr wieder zu Hause in Ka'anapali.

"I survived Hana Highway", so stand es auf dem T-Shirt im Geschäft in Lahaina. Na, ganz so schlimm war es nicht gewesen. Eher könnte ich mir vorstellen, das T-Shirt "I survived the A5 Frankfurt - Kassel" zu tragen, falls es das eines Tages geben sollte.

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