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Koke'e Adventure (Tag 1)

Freitag, 16. Mai 1997

von Dayle Turner

(Deutsche Übersetzung von Kurt Bangert, mit freundlicher Genehmigung des Autors -- zum Text ein paar hilfreiche Anmerkungen)

Wörtlich übersetzt bedeutet Koke'e "sich biegen" oder "sich winden". Zwar kann ich mir den Bezug zum Biegen oder Winden nicht ohne weiteres erklären, aber ich kann berichten, daß eine Gruppe Leute vom Hawaiian Trail and Mountain Club (HTMC) die Gelegenheit hatte, ein Wochenende auf der "Garteninsel" Kauai zu erleben, das mit Biegungen, Windungen, Wandern, Essen und Geselligkeit in Koke'e erfüllt war.

Die Besetzung (in alphabetischer Reihenfolge): Randy Ching, Mabel Kekina, Lita Komura, Bill Melemai, June Miyasato, Carole K. Moon, Naomi Nasu, Dayle Turner, Charlotte Yamane, Thomas Yoza.

Wir verlassen Honolulu mit einem Aloha Airlines Flug um 7 Uhr morgens (außer Bill, der arbeiten muss und einen späteren Flug nehmen wird). Der Flug geht glatt. Ein Vorzeichen für das Kommende ? Äh, nicht ganz.

Okay, wir kommen am Lihue Airport an, holen unser Gepäck und genießen etwas kostenlosen Kaffee und Fruchtsaft vom Kauai Visitor's Bureau ( ich überlege, ob ich meine leeren Wasserflaschen mit Saft füllen soll, mache es aber doch nicht -- zu klebrig).

Thomas und ich sind als Fahrer für die Mietautos vorgesehen und so ziehen wir los, um die Fahrzeuge zu besorgen, während die anderen beim Gepäck bleiben. Ich gehe zu Alamo, wo ein freundlicher Angestellter zügig die Formalitäten erledigt, während er die ganze Zeit "good kine deals" für einen Van anbietet ("will be so much more comfortable, brah", sagt er). Obwohl es verlockend ist, aber ohne die Zustimmung des Restes der Gruppe bleibe ich lieber bei dem mittelgroßen Auto, das unter Carole (Moon's) Namen reserviert ist. Irgendwie, im ganzen Ablauf, ist das Fahrzeug am Schluss von einem Dayle K. Moon gemietet. Wer isn das ?

In der Zwischenzeit kommen Thomas und Carole, nur Minuten nach mir, ebenfalls bei Alamo an (obwohl sie eigentlich zu Avis gehen sollten). Jetzt wird es hier etwas chaotisch. Laß mich nur noch sagen, daß wir am Schluß zwei Mittelklasse-Autos hatten ( und Mittelklasse-Autos sind nicht mehr, was sie mal waren, Leute ) , wo wir doch eigentlich ein Mittelklasse-Auto und einen Van haben sollten. Erstaunen, Diskussion, widerwillige Zustimmung. Um 9.30 Uhr haben wir endlich doch noch die Autos, die wir haben wollten, und fahren unter einem teilweise bewölkten Himmel in Richtung Westen auf dem Kaumuali'i Highway .

Von Lihue nach Koke'e sind es etwa 40 Meilen, und auf dem Weg halten wir in Poipu, um die Schlüssel für unsere Wochenend-Unterkunft zu holen ( wir bleiben in einer privaten Hütte und nicht in einer der staatlichen), und auch in Waimea, um mal die Beine auszustrecken und etwas zu Essen zu holen. Ich verspeise ein Bananenbrot ($1 für ein Riesenstück) an der Waimea Kitchen, und denke über den Kauf eines zweiten nach. Fast jeder kauft etwas zum Mampfen, wobei Mabel's gebratene Nudeln (auch von Waimea Kitchen) am verlockendsten für Auge und opu sind.

Unser Hunger ist vorläufig gestillt, und wir fahren weiter nach Koke'e ( vielleicht bezieht sich "biegen" auf die Koke'e Road, eine Straße nur aus Biegungen, Kurven und Windungen). Das unmittelbare Ziel: die Hütte finden. Niemand von uns war jemals dort gewesen, aber wir haben eine Karte, und wir sind doch routinierte Bergwanderer, die gewohnt sind, in schwierigem Gelände den Weg zu finden. Es kann doch wohl nicht so schwer sein, die Hütte zu finden, stimmt's ?

Äh, nicht ganz.

Die Fahrt geht die Koke'e Road entlang, an Abzweigungen vorbei sowie Aussichtspunkten auf den Waimea Canyon, bis zu einem Punkt kurz vor den staatlichen Hütten. Hier biegen wir rechts auf die Faye Road ab (die jedermann fäschlich als "Fire Road" bezeichnet). Unsere Karte sagt, daß wir hier zur Hütte kommen, oder zumindest bis dicht davor. Naja, ich hätte kein Problem, auf dieser schlammigen, kaputten Straße zurechtzukommen, wenn ich zu Hause in Oahu wäre und in meinem Jeep Cherokee sitzen würde. Aber ich sitze in einem Mittelklasse-Personenwagen (lies: niedrige Bodenfreiheit) mit zwei Beifahrern und einer Menge Gepäck. Und Thomas und fünf andere und ihr Gepäck sind im Van. Und es regnet jetzt. Kannst Du Dir das vorstellen ?

Na gut, wir schliddern und rutschen und quälen uns den Weg hinunter in unseren Nicht-Offroad Autos. Die Insassen des Van sind inzwischen ausgestiegen ( sie behaupten, sie wollten uns die Straße hinunterführen, aber es ist ein unübersehbarer Ausdruck von Angst in ihren Gesichtern zu sehen -- heh). Noch ein paar Begegnungen mit Schmutzlöchern und Felsen, und bald sind Thomas und ich eine halbe Meile die Straße hinunter gefahren bis vor die Türe eines interessant aussehenden Hauses mit einem Spitzdach. Könnte das unsere Hütte sein ? Bitte laß es so sein, ist die Meinung aller Betroffenen.

Nein, auf keinen Fall.

Die Schlüssel passen nicht, und die große Suche nach der Hütte geht weiter. Naomi, June, Randy, and Carole ziehen los, weiter die Faye ( oder auch Fire )  Road hinunter, um es dort zu versuchen. Da die Straße jetzt noch schlammiger aussieht als der Teil, den wir schon hinter uns haben, entscheiden Thomas und ich, nicht mehr weiterzufahren. Wir und der Rest hängen in den Autos herum, die vor dem Haus mit dem Spitzdach stehen. Ich stelle den Sitz zurück und döse etwas. Thomas liest das Außenthermometer am Haus ab -- 12 Grad Celsius. Und hatte ich erwähnt, daß es regnete ? Brrr....

Nach etwa einer halben Stunde kommen die Späher zurück. Kein Erfolg. Carole, die die Hütte gebucht hatte, sieht gestreßt aus. Mabel, die Ruhe im Auge des Hurrikans, schlägt vor, zur Haupt- (lies: geteerten) Straße zurückzukehren, denn ein weiterer Regenschauer würde die unbefestigte Straße für unsere asphaltgewohnten Transportmittel völlig unpassierbar machen

So rutschen und schliddern wir zurück, und auf der Hauptstraße fahren wir die kurze Strecke zu der Koke'e Lodge und Museum. Während der Rest im Museum herumhängt, ruft Carole jemanden an, der den Weg zu unserer Hütte kennt. Ahhh, schließlich klappt es. Was sie herausfindet: um zu unserer Hütte zu kommen, müssen wir auf der hügeligen und schlammigen Halemanu Road etwa eine Meile gehen, weil sie zu steil und rutschig für unsere Autos ist. Hey, kein Problem. Wir sind doch Bergwanderer, stimmts ?

Hatte ich eigentlich erwähnt, daß es regnete ?

Inzwischen ist es Zeit für mich, nach Lihue zurückzufahren, um meinen Kumpel Bill Melemai vom Flughafen abzuholen. Und so fahre ich los, während die anderen damit beginnen, die Verpflegung und unser übriges Gepäck zur Hütte zu schaffen (sie müssen zwei Touren machen, um alles zu bewältigen).

Bill kommt wie geplant an, und er und ich sind gerade bei Einbruch der Dunkelheit wieder zurück. Wir parken am Anfang der Halemanu Road und nach ein paar Minuten Fußmarsch treffen wir Thomas, der hier postiert wurde, um auf uns zu warten, da weder Bill noch ich den Weg zur Hütte kennen. Nach 20 Minuten kommen wir an unserer Wochenend-Unterkunft an, eine gemütliche 2-Schlafräume-Hütte mit Küche, fließend Wasser, Toilette, warmer Dusche, Kamin und den meisten anderen Bequemlichkeiten. Und es hat aufgehört zu regnen. Hurra !

Dinner (Lasagne) wird gerade serviert, und wir genießen das kaukau mit Eifer. Mahalo den wahines, besonders Naomi, für das gute Essen.

Nach dem Essen unterhalten wir uns noch und begeben uns dann langsam zur Nachtruhe -- die Männer belegen den Fußboden des Wohnzimmers und die Frauen - außer Naomi, die auf der Couch schläft - die beiden Schlafräume.

Gegen 11 tönt ein Chor von sägenden Geräuschen durch die Hütte. Natürlich will dafür niemand verantwortlich sein. Ich schnarchen ? Unsinn. :-)

So verlief Tag 1 -- nicht so, wie wir es erwarteten, aber trotzdem voller Erlebnisse.

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