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KALALAU TRAIL, NA PALI KÜSTE

Um Deinen Appetit anzuregen, solltest Du auf das kleine Bild klicken. Ich habe es auf einer Helikopter-Tour auf Kaua'i aufgenommen. Vielleicht verstehst Du dann, warum manche Wanderer den Kalalau Trail als den außergewöhnlichsten Wanderweg auf der Welt bezeichnen.

Der Trail windet sich über die Kliffs auf der linken Seite des Bildes und führt wieder auf Meeresniveau herunter am Hanakapi'ai Beach in der Mitte des Bildes. Der Kalalau Trail setzt sich dann über die Klippen auf der rechten Seite des Bildes fort. Ein anderer Weg führt in das Hanakapi'ai Valley mit den Hanakapi'ai Falls am Ende des Tales, die man im oberen Teil des Bildes sieht. Vom Trailhead bei Ke'e Beach am Ende der Straße bis zu den Hanakapi'ai Falls und zurück ist etwa die Strecke, die man einem Tag wandern kann. Es ist auch die einzige Strecke, die man ohne Permit gehen kann. Für jegliches Campen und für Wanderungen jenseits von Hanakapi'ai Beach auf dem Kalalau Trail benötigt man ein Permit. Wenn Du hier klickst, siehst Du eine Karte des Trails und Informationen darüber, wie man ein Permit bekommt.

Der Abschnitt zwischen Ke'e Beach und Hanakapi'ai Beach und Falls ist nicht allzu schwierig, aber eine Drei- bis Viertagestour mit Rucksack nach Kalalau Beach ist sicher nichts für Anfänger.

Die Geschichte unserer Wanderung beginnt um Mitternacht. Wir erwachten plötzlich, weil ein lauter Donnerschlag die Fenster unseres Hotelzimmers erschüttete. Es blitzte und donnerte nun unaufhörlich. Natürlich regnete es auch, oder, genauer gesagt, man hatte das Gefühl, am unteren Ende eines dieser hawaiianischen Wasserfälle zu sein. Eine Zeitlang blieben wir wach, aber nach einer Stunde hatten wir uns an das Gewitter gewöhnt und schliefen wieder ein.

Am Morgen regnete es immer noch, nicht gerade ideale Voraussetzungen, um auf den Kalalau Trail zu gehen. Aber es war unser letzter Tag auf Kaua'i, und wir wollten gerne bei unserem Plan bleiben. Vielleicht würde das Wetter wieder besser werden, oder, wer konnte es wissen, vielleicht würde es im Norden der Insel gar nicht regnen. Wir kauften im Hotel eine Zeitung, um uns genauer über das Wetter zu informieren. Es gab ein tropisches Tief 200 Meilen östlich von O'ahu, und im Wetterbericht stand einfach: "Teilweise bewölkt". Sonst nichts. Nach einem schnellen Frühstück auf dem Zimmer mit frischem Kaffee und Banana Muffins gingen wir gegen 8 Uhr zum Auto. In der Zeitung stand noch zu lesen, daß gestern auf O'ahu ein Mann vom Blitz getroffen wurde, als er sich an einen Zaun lehnte. Er war im Krankenhaus, aber in gutem Zustand. Der diensthabende Meteorologe des National Weather Service kommentierte, daß dies ein seltenes Ereignis auf Hawai'i sei, denn Gewitter an sich seien eher selten. Im Jahr zuvor war jemand auf einem Militärflugplatz getroffen worden, aber davor konnte man sich an keine solchen Vorfälle erinnern. Na gut, kein Problem, wir würden uns von Zäunen und Militärflugplätzen fernhalten.

Ohne größere Stops fuhren wir zum Parkplatz am Beginn des Trails und erreichten ihn gegen 9.30 Uhr. Diese Stelle war gerade etwa die Grenze zwischen gutem und schlechtem Wetter. In der Richtung, in die wir gehen wollten, sah es gut aus, und so sollten wir mindestens bis zum Hanakap'ai Beach kommen.

Wir schauten nach neuen offiziellen Informationen am Trailhead, aber das meiste wußten wir schon. Genau 2.838 Liter Mineraldrink waren in unserem Rucksack, so stand es auf den Flaschen, dann noch eines dieser leichtgewichtigen amerikanischen Brote und Käse in Scheiben. Der erste Teil des Weges war ein sehr steiler Anstieg, teilweise felsig, manchmal gab es rutschige Stufen, die an eine Treppe erinnerten. Eigentlich nicht viel schwieriger als jede andere Treppe auch, dachte ich. Nach etwa 100 m Höhengewinn wurde der Trail flacher, und das Vorankommen wurde einfacher.

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Der erste Aussichtspunkt, und natürlich machten wir einen Photostop. Unsere Kleider waren feucht. Kam das von dem leichten Nieselregen oder war es Schweiß ? War das ein Unterschied ? Wahrscheinlich nicht. Wenn man bei uns zu Hause naß vom Regen war, bedeutete das meistens auch ein Kältegefühl, und das hatten wir hier nicht. Die Temperatur war um 30 Grad mit einer Feuchtigkeit zwischen 90 und 100%, und ich wagte nicht daran zu denken, wie ich aussehen würde, wenn ich diesen Anstieg mit einem 20 kg Rucksack gemacht hätte in der Absicht, in Kalalau Beach zu campen. Wenn wir das jemals machen würden, müßten wir das Gewicht auf 10 bis 12 kg reduzieren.

Der Anstieg setzte sich fort, man mußte auf Baumwurzeln, Steine und Schlamm achten und noch auf eine Reihe anderer Dinge. Ich mag es nicht so sehr, auf einem ausgesetzten Pfad am Rande einer steilen Felswand entlang zu wandern. Glücklicherweise verlief der Weg aber meist etwas geschützt hinter der Vegetation. Jenseits von Hanakapi'ai Beach sollte das anders werden, aber das war ja heute egal.

Im Moment konnten wir die Wanderung genießen, denn der Weg war nicht so schwer wie wir vermutet hatten. Bei andauerndem Regen hätte das sicherlich anders ausgesehen.

Nach etwas über einer Stunde hatten wir nun den höchsten Punkt schon hinter uns und waren auf dem Abstieg zum Hanakapi'ai Beach. Der schwarzgelbe Pfosten war ein Tsunami-Marker, und im Falle einer Tsunami-Warnung, die durch Hubschrauber angekündigt würde, sollten sich die Wanderer hinter diese Markierungen zurückziehen, um vor den Wellen sicher zu sein.

Nach eineinhalb Stunden, gegen 11 Uhr, waren wir am Strand. Wir hatten den Ehrgeiz, den Fluß zu überqueren konnten, ohne nasse Füße zu bekommen. Das war nicht ganz so einfach, aber schließlich fanden wir eine Möglichkeit, von Stein zu Stein zu springen. Wir ruhten uns einen Moment am Strand aus. Vor einem Bad im Meer wird hier eindringlich gewarnt, nach einer Statistik gab es nirgendwo auf Kaua'i so viele tödliche Badeunfälle wie hier, nämlich fast dreißig in den letzten Jahrzehnten. Wieder einmal fing es leicht zu regnen an. Wir würden wohl nicht viel versäumen, wenn wir uns für eine Weile in eine der Lavahöhlen am Strand zurückziehen würden. In einer Art Höhle in den Lavaklippen am Strand zu sitzen war einladender, als zu den Hanakapi'ai Falls zu gehen, und so saßen wir 20 m von der Brandung entfernt und beobachteten den Rhythmus der Wellen des Pazifischen Ozeans und den Regen. Nach einer Stunde besserte sich das Wetter. Zumindest wollten wir noch ein Stück auf dem Trail zu den Wasserfällen gehen. Die Vegetation war hier sehr eindrucksvoll, der Weg war aber jetzt etwas schlammig.

Der Boden war anfangs mit Guave-Früchten bedeckt. Ich versuchte eine, und sie schmeckte gut, aber im Inneren waren fast nur kleine Kerne und kaum Fruchtfleisch.

Wir bewunderten einen kleinen Wald aus Bambuspflanzen.

Abgesehen vom Schlamm war der Weg leicht zu gehen. Aber nun war es Zeit, daß wir entscheiden mußten, ob wir noch zum Wasserfall gehen wollten. Die Mittagspause in der Höhle hatte uns etwa eine Stunde gekostet. Wir trafen eine Frau. Sie war auf einer Wanderung mit ihrem Freund, und dieser hatte den Hanakapi'ai Fluß noch überquert, aber ihr schien es nicht so einfach zu sein und sie war auf dieser Seite geblieben, um seine Rückkehr abzuwarten. Der Trail überquerte den Fluß insgesamt dreimal. Ein neues Gewitter schien sich im Tal zusammenzuziehen. Wenn Gewitter auf Hawai'i so selten waren, warum donnerte es dann eigentlich schon seit Mitternacht ?

Die mystische Schönheit der Hanakapi'ai Falls kämpfte mit der Vorstellung von einem erholsamen Bad im Pazifik am Ke'e Beach. Und wir mußten am Abend noch packen, wir durften nicht zu spät ins Hotel zurückkommen. Die Anziehungskraft des Pazifischen Ozeans überwog. Wir drehten um und wanderten zurück. Gegen 13.30 Uhr waren wir zurück vom Falls Trail und wieder am Hanakapi'ai Beach. Dieses Mal fanden wir keinen einfachen Weg zurück, unsere Schuhe waren voll Schlamm und die Steine im Fluß schienen alle zu rutschig, um sie zu überspringen.

Wenn wir sowieso die Schuhe ausziehen mußten, dann konnten wir ja auch über den Strand gehen und den Fluß dort überqueren, wo er über eine Sandbank in den Ozean floß. Etwas unerwartet ging das Wasser nun plötzlich über die Knie, aber da es keine wesentliche Strömung gab, war es immer noch leicht, hindurchzugehen. Ich setzte mich auf einen Stein, um meine Schuhe anzuziehen, und stellte sie neben mich, als der Ausläufer einer Welle plötzlich Schuhe und Socken mit Sand und Wasser füllte. Ich versuchte den Sand herauszuwaschen, aber mit dem Wasser am Strand blieb die Sandmenge etwa gleich. So zog ich sie an, wie sie waren, und eigentlich war zwischen Schweiß und Seewasser im Schuh ja auch kein großer Unterschied.

Auf dem Rückweg machten wir keine längeren Pausen mehr, und als wir wieder am steilsten Abschnitt des Trails waren, wußten wir, daß es es nun nicht mehr weit bis zum Trailhead war.

 

Ein vielversprechender Blick vom Kalalau Trail hinunter zum Ke'e Beach. Gegen 3 Uhr nachmittags waren wir zurück, und 15 Minuten später waren wir im Wasser. An unserem Hotel bei Lihue hatte es noch bis mittags geregnet, und so konnten wir wirklich mit unserer Wanderung zufrieden sein.

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