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Eine Wanderung auf den Langen Berg

von Dayle Turner

Deutsche Übersetzung Kurt Bangert, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Ein paar hilfreiche Erklärungen

 

Etwa eine Woche vor Thanksgiving '94 erhielt ich eine Email von Guy Kaulukukui, einem guten Freund, der wie ich ein Absolvent der Kamehameha Schools war, einer privaten K-12 Einrichtung für Kinder hawaiianischer Herkunft. Immer auf der Suche nach Herausforderungen irgendwelcher Art hatte Guy eine neue gefunden, die er mich bat in Betracht zu ziehen: eine Wanderung zum Gipfel des Mauna Loa auf Big Island. Um mein Interesse anzuregen, sagte Guy, daß er mir einige Texte mit snail mail schicken würde, die er über diese Wanderung gelesen hatte.

Nachdem ich die Texte erhalten und gelesen hatte --"Cairns," ein Kapitel von Peter Adler's Beyond Paradise, und "Ten Views of Mauna Loa," ein Kapitel von The Burning Island von Pamela Frierson -- wußte ich, daß die Wanderung zum ML Gipfel etwas war, was ich machen wollte. Wir legten einen vorläufigen Termin im frühen August fest.

In den nächsten Monaten versuchten wir, soviele Informationen wie möglich über die Wanderung zu sammeln. Guy, der zu dieser Zeit mitten in der Fertigstellung seiner PH.D. (Wirtschaftswissenschaften) an der University of Kansas war, besorgte Informationen über das Wetter, die Permits, die wir brauchen würden, und über Höhenkrankheit. In der Zwischenzeit postete ich Anfragen über die Mauna Loa Wanderung in der USENET Gruppe alt.culture.hawaii.

Erfreulicherweise waren unsere Bemühungen erfolgreich, und wir bekamen nützliche Informationen aus dem Usenet, so daß wir die Wanderung nun besser planen konnten. Kennan Ferguson, Joe Dellinger, Gerard Fryer, Kevin Herring, and Lisa Peterson antworteten auf meine Bitte nach Infos über die Mauno Loa Wanderung und waren sehr hilfsbereit, indem sie uns mit Antworten auf die Fragen versorgten und ihre Touren auf den "Langen Berg" noch einmal rekapitulierten.

Zusätzlich zum Info-Sammeln begannen Guy und ich, uns auf die physische Herausforderung vorzubereiten, die der Mauna Loa darstellen würde. Ich änderte meine Ernährung etwas und strich einen großen Anteil Fett, und ich zog einen konsequenten Trainingsplan mit Wandern, Gehen und Laufen durch. Außerdem fragte ich meine Freundin Jackie, ob sie mit uns gehen wollte. Sie sagte ja. So würden wir zu dritt sein.

Im Juni kehrte Guy nach Oahu zurück, nachdem er erfolgreich seine Dissertation fertiggestellt und verteidigt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir den 30. Juli als Startdatum festgelegt und einen vorläufigen Zeitplan erstellt. Wir baten auch einen anderen Kamehameha Absolventen um Hilfe, Alapaki Nahale-a, der zustimmte, uns zum Trailhead zu fahren und am Ende wieder abzuholen. Außerdem war Guys Tante so freundlich, uns ihren Nissan Pickup als Transporter anzubieten und ihr Haus in Hilo zum Ausruhen und Übernachten nach der Wanderung.

In den Wochen vor unserer Abreise nach Big Island setzte sich Guy mit den Rangern des Hawaii Volcanoes National Park in Verbindung, die ihm sagten, daß wir die Trail Permits nicht früher als 24 Stunden vor dem Beginn der Wanderung abholen konnten. [Trail Permits sichern einem einen Schlafplatz in der Red Hill und Gipfel Hütte].

Klicke hier für Links zu Informationen über den HVNP bei Outside Online.

Obgleich die Ranger versicherten, daß es kein Problem geben würde, an unserem geplanten Starttag Permits zu bekommen, entschied Guy, daß wir keinen Fehlschlag riskieren sollten, nahm den frühesten Flug von Honolulu nach Hilo am Samstag, dem 29.7., und fuhr direkt zum HVNP Visitor Center, noch bevor es um 7.45 Uhr öffnete. Wir erfuhren auch einige Neuigkeiten, die uns etwas Sorgen machten. Die Ranger informierten uns, daß es zwar einen begrenzten Wasservorrat auf der Gipfelhütte gab, aber kein H2O auf der Red Hill Hütte wegen eines Defekts im Auffangsystem. Das Ergebnis: wir würden eine Menge Wasser schleppen müssen, das mit acht Pfund pro Gallone das Gewicht unserer Rucksäcke beträchtlich erhöhen würde.

Wie geplant zog Guy am 29. schon früh los, und er und seine Tante fuhren die 25 Meilen zum HVNP Visitor Center und bekamen die Permits ohne Probleme. Inzwischen verließen auch Jackie und ich Oahu und kamen nach einem 40 Minuten-Flug nach Hilo. Guy holte uns am Flughafen ab und nachdem wir Lunch gegessen hatten, besorgten wir noch einige Utensilien, einschließlich Propangas-Flaschen, die im Fluggepäck nicht erlaubt waren, und testeten das Handy-Telefon, das ich mitgebracht hatte. Es funktionierte alles einwandfrei.

Wir fuhren von Hilo zum Hawaii Volcanoes National Park, und dank Guys Tante, die alles arrangiert hatte, verbrachten wir die Nacht in einer komfortablen Hütte im Kilauea Military Camp. Alapaki, der uns am nächsten Morgen zum Trailhead fahren sollte, kam mit seiner Frau Shelby gegen 19.30 Uhr ebenfalls an.

Guy, Jackie und ich -- die Aufgabe vor Augen, die wir am nächsten Tag angehen wollten - waren ausgesprochen unruhig in der Nacht. Ich schlief wahrscheinlich kaum vier Stunden, ich erwachte immer wieder und fragte mich, ob ich fähig sein würde, die vielen Stunden der Wanderung in dem schwierigen Gebiet durchzustehen. Guy und Jackie berichteten ebenfalls, daß sie unruhig waren und nicht viel Schlaf bekamen.

Gegen 4.30 Uhr morgens am Sonntag, dem 30. Juli, waren wir alle aufgestanden und machten unser Gepäck und uns selbst fertig für die Abfahrt. Um 6 Uhr waren wir angezogen, hatten die Rucksäcke so sorgfältig wie möglich gepackt [meiner -- mit 3 Gallonen Wasser gefüllt -- wog wahrscheinlich zwischen 50 und 60 Pfund], und hatten so viel oder wenig gegessen wie unser aufgeregtes Inneres erlaubte.

Nach einer kurvenreichen 10-Meilen Fahrt auf der Mauna Loa Strip Road, die bei 6,662 Fuß Höhe endet, holten wir unser Gepäck aus dem Auto, schulterten die Rucksäcke, testeten das Handy-Telefon (es funktionierte!!), machten noch einige Fotos, sagten Alapaki Farewell, und dann waren wir auf dem ersten Abschnitt unserer Wanderung zum Gipfel des Mauna Loa (13,667 Fuß). Unser Ziel für heute war es, die Red Hill Hütte zu erreichen, 7,5 Meilen entfernt und 3,500 Fuß höher als unser Startpunkt.

Die erste Stunde der Wanderung führte uns durch alte Lavaflüsse, die jetzt mit Dickichten von 'ohelo, 'ohia und einer Menge anderer Pflanzen bewachsen waren. Um zu verfolgen, wo wir waren und wie schnell wir vorankamen, benutzten wir Lisa Petersons "Mauna Loa Trail Guide", ein informatives 20-Seiten Heft, das in den meisten Buchhandlungen verfügbar ist.

Je weiter wir vorankamen, um so spärlicher wurde die Vegetation. Bei etwa 8,300 Fuß Höhe stand einer der letzten 'ohia Bäume majestätisch auf einem Lavafeld. Vielleicht nur 10 Fuß hoch, ist der Baum dennoch unverkennbar und ähnelt aus der Entfernung einer japanischen Bonsai Pflanze. Vor uns lagen noch Meile um Meile von Lavafeldern, und der Horizont wurde vom eindrucksvollen Gipfel des Mauna Loa beherrscht, der von der ständig steigenden Sonne in ein gelbes Braun getaucht war.

Wir hielten eine Routine von 25 Minuten Wandern und 5 Minuten Pause ein. In diesem Schritt kamen wir etwa ein-und-einviertel Meile pro Stunde voran , was eine ganz annehmbare Geschwindigkeit war, wenn man die zunehmende Höhe und das kraftzehrende Gewicht unserer Rucksäcke bedenkt. Wie wir feststellen sollten, schleppten wir zuviel Wasser, denn der Bericht über Wassermangel auf Red Hill war falsch.

Die Wanderung nach Pu'u Ulaula (Red Hill) war hart, und Jackie -- jedes ihrer zusammen 4'11, 115 Pfund -- litt am meisten, denn sie trug einen Rucksack von etwa einem Drittel Ihres Gewichts. Ich ebenso, und meine Schultern schmerzten von dem Gewicht des Rucksacks, das sich in meine Trapeziusmuskeln einschnürte. Während der Tag voranschritt, stiegen die Temperaturen an, die Höhe nahm zu, und unsere Ruhepausen wurden länger und häufiger.

Während des Aufstiegs begegneten wir sieben Wanderern, die auf dem Weg zurück zur Strip Road waren: Vater und Tochter, die auf Red Hill übernachtet hatten, drei mitt-zwanziger Kanadier, die auf dem Gipfel gewesen waren, und zwei andere haole Wanderer, die an diesem Morgen vom Gipfel gekommen waren. Alle waren müde, guter Dinge, und berichteten von gutem Wetter. Sie zu sehen und mit ihnen zu sprechen ermutigte uns.

Etwa gegen 2 Uhr nachmittags waren wir noch eine halbe Meile vom Ziel des ersten Tages entfernt. Unglücklicherweise ist der abschließende Anstieg am Red Hill zur Hütte brutal, uns wir schleppten uns mühsam aufwärts in einem entsetzlich langsamen Schritt, den ich als Mauna Loa Shuffle bezeichnete. Plötzlich standen wir dann vor dem Schild "PUU ULAULA REST HOUSE elevation 10,035 feet." Hundert Fuß entfernt stamd die Hütte selbst. [Ein Bild, bei Red Hill aufgenommen] Erbaut 1915 von einer Kompanie meist farbiger Soldaten, ist die Hütte eine Acht-Schlafplätze- Unterkunft mit einem Vorbau, Eßtisch, Küchenecke, Wassertank (leer), einer Doppeltoilette und einem großartigen Panoramablick über den größten Teil von Big Island.

Ein einzelner Wanderer, ein junger haole in den Zwanzigern, der für den Staat wissenschaftliche Experimente ausführte, war in der Hütte, als wir ankamen; er machte jedoch nur eine kurze Pause, nachdem er vom Gipfel heruntergekommen war. Er erzählte uns von einer Nacht, die er in Jaggers Cave auf 13,000 Fuß festgesessen hatte. Nach 30 Minuten Geplauder war unterwegs zum Trailhead am Ende der Strip Road.

Und so waren wir nur noch zu dritt. Jackie schwankte zu einer der Kojen, wickelte sich in den Schlafsack und schlief für ein paar Stunden. Nachdem wir uns anfangs etwas umgesehen hatten, folgten ihr Guy und ich.

Gegen 6 Uhr abends bereiteten wir das Essen -- Jackie und ich teilten uns ein überraschend wohlschmeckendes nur-heißes-Wasser-zugeben Beef Stroganoff und einige Brötchen. Guy schlang ein Rice-A-Roni Mahlzeit hinunter. Nach dem Essen machte ich noch einen Test des Handy-Telefons, und ich konnte Nummern in Hilo erreichen, und sogar auch meine Mutter, einige hundert Meilen entfernt in Kaneohe in Oahu. Das war eine gute Nachricht, denn wir waren nicht sicher gewesen, ob das Telefon hier oben funktionieren würde.

Gegen 7 Uhr abends verschwand die Sonne hinter dem massiven Rücken des Mauna Loa, und die Temperatur fiel in die 50er. Bald danach erschien Mars am Horizont und die Sterne kamen heraus. Um 8 Uhr war das Nachglühen der Sonne im Westhimmel verschwunden und die Milchstraße war über den Himmel ausgebreitet. Guy sagte, daß er den Großen Wagen noch nie so klar gesehen hatte. Wir drei, wieder tatkräftig geworden vom Schlaf, dem Essen und unserer Euphorie über den ersten Erfolg, standen zusammen außerhalb der Hütte, hypnotisiert von dem ehrfurchtgebietenden Schauspiel am Himmel.

Um 8.30 Uhr legten wir uns hin, und alle freuten sich auf eine ruhige Nacht, da wir für den nächsten Tag eine Pause auf Red Hill eingeplant hatten, um uns zu akklimatisieren. Ein paar Minuten nach neun geschah etwas Unerwartetes: zwei Wanderer, ein Ehepaar aus England, polterte durch die Hüttentür in der totalen Dunkelheit. Offensichtlich waren sie gegen 2 Uhr nachmittags an der Strip Road gestartet und waren nur langsam vorangegangen, weil die Frau höhenkrank wurde. Deshalb waren sie die letzten beiden Stunden nur mit Taschenlampen durch die tückische Lava gezogen!! Erstaunlich. Nachdem sie ihre Rucksäcke ausgepackt hatten und ein schnelles Mahl bereitet hatten, legten sie sich zur Nachtruhe in zwei der fünf übriggebliebenen Kojen.

Am nächsten Morgen standen Guy und ich gegen 5 auf und stiegen auf den Hügel hinter der Hütte, um Fotos vom Sonnenaufgang zu machen. Schon so früh begann die Sonne, den Osthimmel zu erhellen, und die Wolken nahmen einen warmen orangenen Farbton an. Unterhalb der flockigen Wolken und viele Meilen von uns entfernt glitzerten die Lichter von Hilo einladend, und die Krater des Kilauea schickten kleine Dampfwolken in den kühlen Morgenhimmel.

Kurz vor 6 kam die Sonne über die Wolken und die Lavafelder zum Gipfel hin nahmen Form und Farbe an. Über dem weiten Sattel nach Norden stand Mauna Loas Schwesterberg, Mauna Kea, gekrönt von den pilzartigen Observatorien auf dem Gipfel und eine Reihe von Kratern an seiner Flanke. Den Südwesten beherrschte der Gipfel des Mauna Loa, den wir am Folgetag erreichen wollten.

Das englische Paar war früh auf und packte vorsichtig die Sachen, um Jackie nicht zu stören, die den größten Teil des Morgens schlafend verbrachte. Gegen acht startete das Paar, erfahrene Alpinwanderer, die auf vielen der europäischen Berge gewesen waren, auf den Anstieg von 11,5 Meilen zur Gipfelhütte. Bevor sie uns verließen, erzählten sie uns noch, daß wir heute mit einer Gruppe von zwölf Pfadfindern rechnen konnten. Wir wünschten ihnen alles Gute, und von einem Aussichtspunkt oberhalb der Hütte konnten wir sie noch etwa 30 Minuten lang verfolgen, bis sie außer Sicht waren.

Der Montagmorgen verbrachten wir mit Fotografieren, Erkunden, einer Tageswanderung, und mit der Suche nach Wasser, das in einem Auffangsystem in einem kleinen Loch nahe der Hütte zu finden sein sollte. Das Auffangsystem, eine Reihe von Abflußrinnen auf dem Dach, funktionierte nicht richtig, und so war der Tank direkt an der Hütte leer.

Am frühen Nachmittag waren Bilder und Wasser gesichert und unsere Ein-Stunden-Tageswanderung beendet, und so zogen wir uns wieder in die Hütte zurück und warteten auf die Ankunft der Pfadfinder, die ab 2.30 nachmittags in kleinen Gruppen ankamen.

Es waren tatsächlich acht -- alle entweder Iolani Studenten oder Absolventen -- und vier erwachsene Führer/Begleiter. Guy, Jackie und ich belustigten uns über die Nachzügler, insbesondere drei Führer, die ihr Gepäck von den Teenager - Pfadfindern tragen lassen mußten. Während Guy und ich etwas betrübt über das Ende der Ruhe waren, freute sich Jackie über die Gesellschaft und nahm die Rolle der inoffiziellen Hüttenwirtin ein, half den müden Wanderern mit den Rucksäcken und dirigierte sie zu den interessanten Stellen.

Die Nacht war unruhig. Mit zwölf Leuten, wie Sardinen in der Acht-Plätze-Hütte untergebracht und mit den Gedanken an die schwierige Gipfeltour des kommenden Tages, wollte der Schlaf für Jackie, Guy und mich nicht herbeikommen.

Wir standen um 4.30 Uhr am nächsten Morgen auf und überließen unsere Plätze den Pfadfindern, die die Nacht bisher in Schlafsäcken auf dem Fußboden verbracht hatten. Um 6 Uhr waren wir angezogen, hatten gepackt, gefrühstückt und waren auf dem Weg zum Gipfel. Wir hatten uns vorgenommen, etwa eine Meile pro Stunde zu laufen, und wir wollten soviel Tageslicht wie möglich für die Wanderung zur 11.5 Meilen entfernte Gipfelhütte haben.

Die Wanderung zum Gipfel war überraschenderweise leichter als der Treck nach Red Hill, vielleicht weil unsere Rucksäcke leichter waren (meiner war etwa 20 Pfund leichter), und wir hatten die Chance gehabt, uns zu akklimatisieren. Leichter heißt nicht, daß es ein Zuckerschlecken war -- davon war es weit entfernt. Der Trail war lang und das von Lava dominierte Gelände verbrauchte alle unsere Reserven.

Unsere Stimmung machte Höhen und Tiefen durch. Mal freuten wir uns, nachdem wir festgestellt hatten, daß wir schneller als die geplante Meile pro Stunde aufstiegen, dann wieder hielten wir uns gegenseitig die Länge der Pausen vor und wieviel Meilen wir noch gehen mußten.

Trotz aller Widrigkeiten, die Lava entlang des Weges war wunderschön. Außer der standardschwarzen Pahoehoe und A'a Lava gab es Lava zu unseren Füßen, die golden, silbern, rot, grün, orange und lila gefärbt war. Auf 2/3 des Trips stand Mauna Kea zu unserer Rechten. Als wir jedoch dem Gipfel näherkamen, bestand unsere Welt nur noch aus Lavafeldern und blauem Himmel, denn wir waren so hoch, daß der Ozean und andere Geländeformen außerhalb unseres Gesichtsfelds waren.

Nach 8.5 Stunden Wandern hatten wir 9,5 Meilen hinter uns gebracht und standen am Rand der North Pit auf 13,000 Fuß. Von diesem Punkt war die Gipfelhütte noch zwei Meilen entfernt, und wir prüften unsere Verfassung. Während es Guy und mir gut ging, hatte Jackie Kopfschmerzen, Schwindel und geschwollene Hände und Füße --alles Zeichen der Höhenkrankheit.

Wir machten uns Sorgen um Jackie, und anstatt die Nacht in der Hütte zu verbringen, entschlossen wir uns daher, zum Mauna Loa Weather Observatory auf 11,000 Fuß abzusteigen. Bevor wir umkehrten, rief ich noch Alapaki mit dem Handy-Telefon an, der uns am Observatorium abholen sollte.

In etwas weniger als zwei Stunden hatten wir das Observatorium erreicht und warteten, warteten, warteten. Wir machten uns immer mehr Sorgen, denn die Nacht brach an, die Temperaturen fielen in die 40er, und Jackie, die durch die Höhenkrankheit geschwächt war, begann Anzeichen von Unterkühlung zu entwickeln. Glücklicherweise waren die beiden Wissenschaftler, die am Observatorium arbeiteten, so freundlich, Jackie in den geheizten Trailer hineinzulassen, der Ihnen als Labor und Hauptquartier diente.

Etwa um 8 Uhr abends kamen Alapaki und sein Onkel, ein staatlicher Angestellter, am Observatorium mit einem großen Pickup an. Sie waren ein paar Stunden zu spät, weil der Transporter, den sie ursprünglich benutzt hatten, etwa nach 10 Meilen auf der Saddle Road einen Defekt hatte.

Nach eineinhalb Stunden waren wir wieder in Hilo, eine quälende 19-Meilen Fahrt die enge Observatory Road hinunter und eine ebenso an den Nerven zehrende 20+ - Meilen Fahrt die Saddle Road hinunter. Zurück auf Meereshöhe erholte sich Jackie schnell wieder, allerdings hatte sie nicht den geringsten Appetit. Wir verbrachten eine ruhige Nacht im Haus von Guys Tante in Hilo, nachdem wir lange warme Duschen und chinesisches takeout-Essen genossen und jedem, der es hören wollte, von unserem Abenteuer erzählt hatten.

Ich werde wieder zum Mauna Loa wandern -- vielleicht nicht bald, aber mindestens noch einmal. Wir hatten es zwar nicht bis zur Hütte oder dem Gipfel geschafft, aber an diesem Nachmittag an der North Pit zu stehen -- alle drei -- stellte die Erfüllung eines Wunschtraums dar, der sieben Monate vorher geboren worden war. Ohne Zweifel war unser Leben nicht mehr das gleiche, denn der Mauna Loa hatte uns eine neue Sicht gegeben für das, was wir waren und was wir erreichen konnten.

--Dayle:

Dayle Kalama Turner, Leeward Community College Language,
Arts Division, 96-045 Ala Ike

turner@uhunix.uhcc.Hawaii.Edu
Pearl City, Hawaii 96782

http://www2.hawaii.edu/~turner/

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