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 MAUNA LOA ADVENTURE (II)

Tag 2 -- 8.Juni 1997, Sonntag:

Jeder kramt schon morgens um 6 Uhr in seinen Sachen, drei Leute - Vater und Sohn und ein einzelner Mann- machen sich auf den Weg zum Gipfel. Wir entscheiden uns, noch einen Tag in Red Hill zu bleiben, um uns zu akklimatisieren und auszuruhen. Sechs andere gehen abwärts zum Trailhead an der Strip Road, und eine Frau aus Deutschland will hier an der Hütte bleiben, um die Rückkehr ihrer beiden Begleiterinnen abzuwarten, die gestern zum Gipfel gegangen sind und die heute zurückkehren werden.

Der Nebel der vorigen Nacht hat sich noch nicht verzogen, so daß der Wassertank der Hütte überläuft, der das Wasser vom Dach sammelt. Also gibt es keine Wasserprobleme hier auf Red Hill, aber was wird auf der Gipfelhütte sein ? Beim Check-in gestern hatten die Ranger berichtet, daß der Wassertank der Gipfelhütte leer sei. Ich nehme mir vor, jeden auszufragen, der vom Gipfel kommt, um herauszufinden, wie es sich mit dem Wasser verhält.

Um 8 Uhr morgens, zu unserer Überraschung, kommen zwei 40-jährige Männer an, müde und durchnäßt. Sie waren am gestrigen Nachmittag von der Strip Road gestartet und hatten die Nacht in einem Zelt am Weg verbracht, da sie es nicht mehr geschafft hatten, die Hütte zu erreichen. Diese beiden wurden in den nächsten Tagen zu einer ständigen Quelle von Irritationen für Bill und mich, und der Einfachheit halber nenne ich sie Bozo (wie in "The Clown") und Potsy (wie in "Happy Days"), denn die beiden ähnelten diesen Fernsehschauspielern.

Gleich von Anfang an erregt Bozo den Ärger von Bill, denn er wirft sofort seine nasse Regenkleidung auf Bills Rucksack. Bill, der so geduldig und umgänglich ist, wie man sich nur jemand vorstellen kann, sagt nichts, beklagt sich aber bei mir. Gib ihm Zeit, sage ich. Bill, nach einigem Nachdenken, stimmt mir zu.

Bevor sie sich auf den Weg nach Red Hill machen, teilen sich einige Leute (und Bozo) etwas pakalolo. Bill und ich lehnen ab, wir sind Nichtraucher. Potsy nervt mich wegen seiner Vorliebe für Worte, die mit "f" und "s" beginnen. Ich bin ja nicht gerade ein bibeltragender Heiliger, aber warum muß man "f**king" in jedem Satz verwenden ? Ich beiße mir auf die Zunge und sage nichts.

Gegen 10 Uhr morgens sind nur noch Bill, Bozo, Potsy und das deutsche Mädchen in der Hütte. Drei sind Richtung Gipfel unterwegs und sechs hinunter zum Trailhead. Es ist noch immer neblig und regnerisch.

Um 10.30 Uhr verschaffe ich mir etwas Bewegung und wandere bergauf für etwa 2 Meilen, bevor ich zur Hütte zurückkehre. Bill bleibt in der Hütte und verbringt den größten Teil des Morgens schlafend auf dem Boden des Vorraums, während Bozo, Potsy und das Mädchen sich die Zeit mit Smalltalk vertreiben.

Nach meiner 2-Stunden-Tageswanderung lege ich mich auch in eine der acht Betten in der Hütte für ein Nickerchen. Ein leichter Kopfschmerz, verursacht durch die Höhe, und das unaufhörliche Geplänkel zwischen Bozo und Potsy verhindern einen ruhigen Schlaf. Die Ruhe, die ich erwartet hatte ? Nicht ganz.

Eine weitere Inspektion zeigt, daß das äußere Dach der Hütte neu ist (ich hatte davon in der Zeitung gelesen), aber das Innere und der Rest des Äußeren sind seit meinem ersten Besuch 1995 unverändert.

Am frühen Nachmittag lichtet sich der Nebel, die Sonne kommt durch, und zwei deutsche Frauen, und dann noch zwei Brüder, kommen vom Gipfel herunter nach Red Hill. Alle sind Anfang der Zwanziger und die 11.5 Meilen und 3400 Fuß in etwa fünf Stunden mit einem Lächeln im Gesicht gegangen (wenn man doch wieder jung wäre).

Der Wasserbericht ist erfreulich, denn die vier berichten, daß es im Tank der Gipfelhütte genügend Wasser gibt, wenn auch etwas braun gefärbt. Das ist eine gute Nachricht und sie bedeutet, daß Bill und ich nicht mehr Wasser tragen müssen als wir brauchen, um zum Gipfel zu kommen, wenn wir morgen früh aufbrechen.

Nach einer Pause und einem Mittagessen gehen die vier und das deutsche Mädchen weiter zur Strip Road. Somit bleiben Bill und ich mit Potsy und Bozo zurück. Wir Glücklichen :-(

Das Thema verlagert sich auf die morgige Gipfelwanderung. Um unsere "Freunde" abzuschrecken, sage ich, daß wir gegen 5:30 Uhr starten wollen. Doch ohne zu zögern fragt Potsy: "Können wir mit euch gehen ?" Für die beiden ist es die erste derartige Tour. Obgleich meine erste Idee ist, nein zu sagen, möchte ich niemand zurückweisen und stimme zu. Bill und ich machen eine blitzartige Unterhaltung in Pidgin English, was fragende Ausdrücke auf den Gesichtern unserer nicht-Pidgin-gewohnten Gäste hervorruft.

Bill und ich verbringen den späten Nachmittag, indem wir den Panoramablick von Red Hill aus genießen. Lava in verschiedenen Farben und Formen beherrscht das Landschaftsbild. In einiger Entfernung können wir den Schwesterberg Mauna Kea und die weißen pilzartig aussehenden Observatorien sehen, mit denen der Gipfel gespickt ist. Hangaufwärts sieht breite Rücken des Mauna Loa eigentlich recht gutartig aus.

Wir essen zu abend und gehen früh in den Schlafsack, um uns auf einen frühen Start für den zermürbenden Aufstieg zum 13.000-plus Fuß hohen Gipfel des berühmten Langen Berges vorzubereiten.

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