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MAUNA LOA ADVENTURE  (I)

Von Dayle Turner (1997), deutsche Übersetzung Kurt Bangert

Einige hilfreiche Anmerkungen

Wanderer: Bill Melemai und Dayle Turner

Tag 1 -- 7. Juni 1997, Samstag:

Bill und ich nehmen den Hawaiian Airlines Flug für Frühaufsteher (5.25 Uhr) von Honolulu nach Hilo. Mahalo an Bills Frau Donna, einer Flugbegleiterin bei Hawaiian Airlines, für die Hilfe bei der Buchung.

Zur gleichen Zeit nimmt Tim Lino, der uns in Hilo fahren wird, einen Aloha Airlines Flug von Honolulu nach Hilo, da er ein paar geschäftliche Dinge in Oahu zu erledigen hatte. Er ist ein Schulkollege von der Kamehameha High School und jetzt stellvertretender Direktor der Waikea High.

Nachdem wir in Hilo angekommen sind, holt Tim sein Auto vom Flughafen-Parkplatz und fährt mit uns zum Walmart (2/97 eröffnet), wo wir ein paar Propanflaschen für unseren Kocher kaufen. Der nächste Stop ist McDonalds, wo Bill und ich unser letztes "richtiges" Essen für die nächsten fünf Tage zu uns nehmen. Dann geht es weiter auf der Hawaii Belt Road zu Tims Haus in Mountain View. Wir unterhalten uns ein paar Minuten mit Tims Frau Milley und ihrem na keiki (5 Jahre), dann klettern wir in das Familienauto, das uns in den Volcano National Park bringen wird.

Als wir den Parkeingang erreichen, erzählen wir der Rangerin, daß wir eingeborene Hawaiianer sind, die den Park aus religiösen und spirituellen Gründen besuchen wollen (andernfalls müssen $10 Eintritt bezahlt werden). Die Rangerin, die auch hawaiianischer Abstammung zu sein scheint, fragt, wer im Auto Hawaiianer sei. "Wir alle" antworten wir mit einer Stimme. Sie nickt und winkt uns durch.

Eine Minute später sind wir am Park Headquarter, und ich begebe mich zum Tisch des Rangers, um ein backcountry permit zu bekommen und somit Schlafplätze für unsere Tour zu reservieren.

Es gibt keine guten Nachrichten. Die Rangerin, Linda Ryan, sagt mir, daß die acht Plätze in der Red Hill Cabin für diese Nacht schon alle belegt sind. Hey, kein Problem, wir schlafen auf dem Fußboden in der Hütte oder im Vorraum, antworte ich.

Geht nicht, sagt Ms. Ranger. Sie teilt uns mit, daß wegen kürzlicher Probleme bei Überbelegung der Hütte die Parkverwaltung jetzt keine Permits mehr vergibt, wenn alle Plätze in der Hütte belegt sind.

Okay, ich überlege schnell. Können wir außerhalb der Hütte zelten ?

Nope.

Okay, was, wenn wir versuchen --schluck-- heute den ganzen Weg bis zur Gipfelhütte zu gehen ?

Ranger Ryan sieht mich mit großer Skepsis an und erklärt mir, daß ein solches Unternehmen (19.1 Meilen, 6.600 Fuß Höhenunterschied) völlig unmöglich sei. Mir ist das klar, doch wir wollen unbedingt gehen, und so erzähle ich, daß wir fit sind und es versuchen wollen. Sie macht eine Pause, gibt mir einen na-gut-aber-das-wird-eure-Beerdigung - Blick und fängt an, die Formulare auszufüllen. Ich klopfe mir im Geiste auf die Schulter dafür, daß ich so ein Schnelldenker bin. Heh.

Jetzt, da wir den offiziellen Check-in hinter uns haben, klettern wir in das Lino-Mobil für eine 10.5 Meilen-Tour auf der Mauna Loa Strip Road zum Trailhead (Höhe 6662 Fuß). Unterwegs erkläre ich Bill, daß es keine Möglichkeit gibt, heute bis zum Gipfel zu kommen. Tatsächlich werden wir das auch gar nicht probieren. Stattdessen ist die Red Hill Cabin unser Ziel (7.5 Meilen, 3400 Fuß Höhenunterschied), wo wir auf die Großzügigkeit der Leute hoffen müssen, um irgendwo auf dem Fußboden oder in der Umgebung der Hütte schlafen zu dürfen. Bill nickt und gibt sein Schicksal (und Leben) in meine Hand. :-)

Um 10.30 Uhr, bei meist klarem Himmel und Temperaturen in den 60ern, sind wir auf dem Trail mit genügend Essen und Vorräten für eine 5 Tage - 4 Nächte - Tour zum Langen Berg und zurück. Ich trage fünf Liter Wasser und Bill sechs, genug, um bis Red Hill zu kommen, wo aufgefangenes Regenwasser verfügbar ist.

Wir gehen langsam, um dem Körper Zeit zu geben, sich an das Gewicht auf Hüfte und Schulter zu gewöhnen, um ein Gefühl für den unebenen und felsigen Pfad zu bekommen, und um uns an die zunehmende Höhe zu adaptieren. Während einer Pause wickele ich Tape um meine Wanderschuhe, um den unvermeidlichen Verschleiß auf dem scharfen Lavagestein zu verringern.

In der ersten Stunde werden wir von einer Vierergruppe, drei Männer und eine Frau, überholt -- drei sind nach Red Hill unterwegs und der vierte wird für ein paar Stunden aufsteigen und dann umkehren.

Gegen 13 Uhr, nahe dem 8000 Fuß Marker bei dem letzten o'hia Baum, etwa drei Meilen vom Trailhead entfernt, ziehen ein paar zwanzigjährige Marines vorbei, die ebenfalls nach Red Hill unterwegs sind. Die Vegetation ist verschwunden bis auf ein paar gelegentliche pukiawe und a'alii Büsche, die in Spalten und sandigen Vertiefungen der endlosen Lavafelder wachsen, die die Flanken des Mauna Loa bilden. Über uns scheint die Sonne am klaren Himmel. Ich mache Bill auf eine Bank grauer Wolken aufmerksam, die sich über die Hänge im Osten schiebt.

Wir sind müde und spüren die Auswirkungen der Höhe, als wir die 9000 Fuß-Markierung gegen 15.30 Uhr erreichen. An dieser Stelle sind wir nur noch 2.3 Meilen von Red Hill entfernt, und der Regen hat uns nicht eingeholt, obwohl es weiter unten am Berg danach aussieht. Das ist ein gutes Zeichen, und Bill und ich jubeln vor Freude.

Für den Rest des Weges beschließen wir, unser Schneckentempo beizubehalten, um uns zu schonen, mit der Überlegung, daß es keinen Sinn machen würde, wenn wir uns beeilen und dafür höhenkrank werden. Wir erreichen Red Hill Cabin (Höhe 10035 Fuß) kurz nach 18 Uhr und werden von zehn anderen begrüßt, acht Männern und zwei Frauen. Als ich frage, ob Bill und ich draußen im Vorbau schlafen könnten, einer 8 x 14 Fuß großen überdachten Fläche, hat niemand Einwände. Wir bedanken uns bei den anderen.

Wir verbringen eine angenehme Nacht in der Hütte, unterhalten uns mit den anderen, essen zu Abend, beobachten, wie Nebel heraufzieht, und kriechen schließlich auf dem Fußboden des Vorbaus in unsere Schlafsäcke. Zwei haole aus O'ahu, Dave und Mike, leihen Bill und mir sogar Thermarest-Matten, um uns den Aufenthalt komfortabler zu machen. Mahalo. Gegen 9 Uhr abends verhüllen Wolken den ganzen Himmel, und ein Dutzend Leute schlummert auf Pu'u Ulauala ein.

Weiter zu Tag 2 -- die Ankunft von Bozo und Potsy.
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