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Shark Valley im Everglades National Park, Florida, USA

© Kurt Bangert und Carola Bläsing-Bangert

(November 1992)

Diese Tour ist einfach, die Gesamtlänge ist etwa 24 km, und man fährt auf einer geteerten Straße ohne Autoverkehr. Es gibt keinerlei Steigungen. Man bekommt einen Eindruck von den Everglades und natürlich von den Alligatoren, die diesen Nationalpark bevölkern.

Ein Schild wie dieses ist in Florida, USA, nicht ungewöhnlich.

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass ein Stück Holz, das im Wasser treibt, gar kein Holz ist, sondern ein Alligator. Die Einheimischen, die ich in Florida kenne, sind bis zu einem gewissen Grad an gelegentliche Begegnungen mit diesen Tieren gewöhnt, und sie nennen sie Gators.

Nach einem Besuch an der Westküste Floridas kehrten wir nach Miami zurück. Auf halbem Wege passierten wir das Shark Valley. Mit Sharks, also Haifischen, hat es wenig zu tun, und es ist auch kein richtiges Tal. Stattdessen ist das Shark Valley ist eine extrem flache Landschaft und gehört zum Everglades National Park. Hier gab es die Möglichkeit, den Alligatoren auf einfache Weise etwas näher zu kommen.

Wissenschaftler beschreiben die Everglades als einen Strom, der von Norden nach Süden fliesst, 15 Zentimeter tief ist und etwa 80 Kilometer breit. Weil das Land sehr flach ist, gibt es keine Aussichtspunkte, an denen man die Landschaft überblicken könnte. Im Shark Valley wurde etwa 10 km vom Highway entfernt ein Turm als künstlicher Aussichtspunkt gebaut, und man kann von dort aus viele verschiedene Tiere beobachten. Die Strasse ist für Fahrräder freigegeben, es gibt auch einen Shuttle Service. Die Mietfahrräder sind sehr einfach gebaut, aber da es keine Steigungen gibt, ging es auch ohne 21 Gänge.

Beim Besuch auf einer Alligator-Farm hatten wir einiges gesehen, an das wir uns jetzt erinnerten. So wußten wir, dass man die Kiefer eines Alligators mit den Händen zusammendrücken kann, weil die Muskeln, die sie öffnen, relativ schwach sind. Der Alligator kann sie dann nicht öffnen. Im Gegensatz dazu sind die Muskeln, die die Kiefer schliessen, ausgesprochen stark, und dem hat man wenig entgegenzusetzen. Eigene Experimente hatten wir allerdings verständlicherweise nicht durchgeführt.

Ein anderer Grund, vorsichtig zu sein: ein Alligator, der bewegungslos zu ruhen scheint, kann plötzlich einen Sprung von mehreren Metern machen und auch für kurze Strecken sehr schnell laufen. Wie schnell ? Daran konnte ich mich leider nicht mehr erinnern, als wir da so mit etwa 15 km/h dahinfuhren. Mit den Fahrrädern ohne Gangschaltung könnten wir vielleicht etwa 30 km/h schaffen.

Während der Tour sahen wir etwa 20 Alligatoren unterschiedlicher Grösse an ihren Ruheplätzen entlang der Strasse, einige recht dicht am Weg, andere etwas weiter entfernt im Gras. Manchmal sahen sie aus wie ein alter Autoreifen, den jemand in den Strassengraben geworfen hat. Die meisten bewegten sich nicht, und ich konnte eine Reihe von Bildern machen.

Dieser lag malerisch an seinem Wasserloch, und Carola machte ein Photo von ihm. Er war nicht ganz so groß wie die anderen, aber während die anderen Gators bisher immer liegengeblieben waren, ließ sich dieser hier ins Wasser gleiten und kam näher. Was fand er an uns so interessant ? Carola wartete nicht, ob es vielleicht noch bessere Fotos geben würde. Wir nahmen unsere Fahrräder und zogen uns in sichere Entfernung zurück.

Wir hatten wie die meisten anderen Leute in dieser warmen Gegend keinerlei Regenkleidung bei uns. Einige hundert Meter vor dem Turm begann plötzlich ein tropischer Regen mit Blitzen und Donner. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis wir völlig durchnässt waren. Zumindest war es warm, und wir erreichten bald den Turm. Der Aufenthaltsraum hatte sich gefüllt, jeder wartete ab. Einige versuchten, an dem Händetrockner auf der Toilette ihre Kleider zu trocknen. Auf dem Turm konnten wir nun die Ebene überschauen. Die buschbewachsenen Inseln bilden sich an höheren Erhebungen in diesem flachen Land, ein paar Zentimeter machen bereits einen bedeutenden Unterschied in der Vegetation aus.

Vom Turm sahen wir auf einen der grösseren Gators im hohen Gras, wir schätzten eine Länge von 4 bis 5 Metern. Die Farbe des Grases zeigt an, dass es wahrscheinlich sein regelmässiger Ruheplatz war. An diesen Stellen bilden sich über längere Zeit Vertiefungen im Boden. Das ist bedeutsam, denn während des trockenen Winters, wenn der Wasserspiegel zurückgeht, können Tiere, die auf Wasser angewiesen sind, hier einen Raum finden, wo sie zusammen mit den Alligatoren leben können. So können Jäger und Beute zusammen eine Trockenzeit überstehen.

Der Regen hatte inzwischen aufgehört, und wir machten uns auf den Rückweg. Auf dem zweiten Teil der Strecke gab es nicht ganz so viel zu beobachten, und wir fuhren zügig zum Eingang zurück.

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